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Umwelt

Umweltschützer fordern Becher-Steuer

Die Stadt Regensburg unterstützt die Kampagne „Coffee to go again“. Die Gastronomen profitieren vor allem am Image-Gewinn.
Von Micha Matthes, MZ

In der Mittagspause holt sich Julia Post gern einen Coffee to go. Wie 70 Prozent aller Deutschen. Aber sie trinkt ihn nicht mehr aus dem Pappbecher. Stattdessen hat die Initiatorin der Kampagne „Coffee to go again“ stets ihren Porzellanbecher mit Silikondeckel in der Handtasche.
In der Mittagspause holt sich Julia Post gern einen Coffee to go. Wie 70 Prozent aller Deutschen. Aber sie trinkt ihn nicht mehr aus dem Pappbecher. Stattdessen hat die Initiatorin der Kampagne „Coffee to go again“ stets ihren Porzellanbecher mit Silikondeckel in der Handtasche. Fotos: dpa

Regensburg.Er ist so einfach und gleichzeitig so schädlich: Der schnelle Kaffee im Wegwerfbecher. Genaue Zahlen, wie viele der Becher im Regensburger Müll landen, gibt es nicht. „Aber wir wissen, dass es eine beträchtliche Menge ist“, sagt Rudolf Gruber, Leiter des Umweltamts. 4,6 Tonnen Müll werden täglich aus den 313 Abfallbehältern der Altstadt abtransportiert. Ein Großteil davon sind Verpackungen. „Und das müssen wir unbedingt reduzieren“, sagt Gruber. Regensburger Gastronomen gehen das Becherproblem zum Teil bereits auf eigene Faust an, indem sie von sich aus Vergünstigungen für Mehrwegbecher anbieten. Unterdessen gibt es aber auch zwei große Kampagnen in Regensburg: „KeepCup on Campus“ und „Coffee to go again“. Die Stadt beteiligt sich an letzterer Kampagne, die die Münchnerin Julia Post ins Leben gerufen hat. Kleine Bechergeschenke sollen die Aktion ins Rollen bringen.

Den Anfang dazu machten Gruber und Umweltbürgermeister Jürgen Huber bereits im Juli in einer Bäckerei im Hauptbahnhof, einem Café am Brixener Hof und einer Café- und Weinbar am Dachauplatz, wo sie Mehrweg-Kaffeebecher der Stadt präsentierten. Unterdessen beteiligen sich zwölf Geschäfte wie das Milchschwammerl, das Café Rehorik oder die san francisco coffee company an der Kampagne. Das Coffee-to-go-Siegel zeigt Kunden dabei schon an der Tür, dass die Bedienungen den Kaffee gern auch in selbst mitgebrachte Mehrwegbecher abfüllen.

Stadt verteilt kleine Geschenke

Umweltbürgermeister Jürgen Huber (r.) und der Leiter des Umweltamtes, Rudolf Gruber (l:), präsentierten im Juli die Mehrweg-Kaffeebecher der Stadt.
Umweltbürgermeister Jürgen Huber (r.) und der Leiter des Umweltamtes, Rudolf Gruber (l:), präsentierten im Juli die Mehrweg-Kaffeebecher der Stadt. Foto: Stadt Regensburg, Lydia Schmid

Alle Geschäfte, die „to go again“ verkaufen, bekommen von der Stadt Informationsmaterial sowie zehn Mehrwegbecher gesponsert, die sie an ihre Kunden weiterverteilen können. Auch bei der Jugendkonferenz schenkte die Stadt den Gästen aus den Partnerstädten Mehrwegbecher als „ökologischen Gruß“ aus Regensburg. „Wir können nicht unendlich viele Becher gratis verteilen“, sagt Gruber. „Das wäre finanziell nicht machbar.“ Mit den kleinen Bechergeschenken solle aber ein Zeichen zur Bewusstseinsbildung gesetzt werden. „Wir wollen damit den Startschuss geben.“ Auf die Kampagne erhalte die Stadt bereits viele Rückmeldungen. Für eine Uni-Tagung mit 6000 Teilnehmern habe Gruber etwa eine Anfrage bekommen. Die Idee, dort wiederverwendbare Becher einzusetzen, könne die Stadt zwar nicht von sich aus realisieren, sie werde eventuell aber helfen können, Sponsoren für die Becher zu finden, sagt Gruber.

Minister beraten über Becher

  • Die Umweltminister

    betonten im Juni zum Abschluss der Umweltministerkonferenz von Bund und Ländern in Berlin die „Notwendigkeit, den Einsatz von Einwegbechern zu reduzieren“.

  • In ihrem Beschluss

    heißt es, der Bund solle die ökologische Bedeutung des zunehmenden Verbrauchs von Einwegbechern untersuchen. Außerdem solle geprüft werden, ob sich durch Aufklärung und freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft eine Reduzierung erreichen ließe.

  • Für den Fall

    , dass die Zahl der verwendeten Becher dadurch nicht sinken sollte, drohen die Minister aber auch jetzt schon mit Zwang. In ihrem Beschluss bitten sie den Bund, „die Möglichkeiten anderweitiger, rechtlicher Maßnahmen zu prüfen“.

Nach Schätzungen des Deutschen Kaffeeverbands trinkt jeder Deutsche im Schnitt rund 5,8 Liter Kaffee „to go“ pro Jahr. Den Vorzügen des schnellen Kaffees im Einwegbecher stehen große Nachteile für die Umwelt gegenüber. 2,8 Milliarden Becher landen laut den Angaben von Tobias Quast, Projektmanager Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH), pro Jahr im Müll. „Die Becher sind beschichtet, sie lassen sich nur sehr eingeschränkt recyceln. Die meisten landen in öffentlichen Papierkörben und werden dann verbrannt“, sagt Quast. Er hält Anreizsysteme und Rabatte für eine gute Option, den Einsatz von Mehrwegbechern zu fördern. Die DUH fordert außerdem eine Abgabe auf Einwegbecher in Höhe von mindestens 20 Cent, „damit sich der Handel hier bewegt“.

Interessant sei für die Wirtschaft vor allem der Marketingaspekt. Pappbecher – mit dem Logo des jeweiligen Unternehmens – landen auf der Straße oder im Müll. „Mit einem Mehrwegbecher ist das eine wesentlich positivere Geschichte“, sagt Quast. „Dann wird es zur Imagewerbung.“ Der Optimalfall wäre aus Sicht der DUH ein Pfandsystem. „Die Notwendigkeit, immer an den eigenen Becher zu denken würde dann entfallen.“ Allerdings mache so ein System nur Sinn, wenn sich möglichst viele Geschäfte beteiligen.

Mehrwegbecher als erster Schritt

Das Logo des Projekts Coffee to go again klebt an der Tür eines teilnehmenden Cafes.
Das Logo des Projekts Coffee to go again klebt an der Tür eines teilnehmenden Cafes. Foto: dpa

Das ist auch der Vorteil der Kampage von Julia Post: „Coffee to go again“ ist bereits überregional bekannt. „Der Mehrwegbecher ist der Einstieg, den die Gastronomie erst einmal leisten kann, der Schritt, den Café-Betreiber und Kunden für sich selbst gehen können und für den es auch noch kein Handeln seitens der Politik braucht“, sagt Post. Langfristig fordere sie mit der Kampagne aber auch Maßnahmen wie die Besteuerung von Einweggeschirr und ein Mehrwegbecher-Pfandsystem. „Wir wissen schon viel über Nachhaltigkeit. Jetzt geht es darum, das auch praktisch umzusetzen.“

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