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Verkehr

Verhaltener Applaus für Bahnvision

Der Verkehrsclub fordert einen umfassenden Ausbau des Bahnnetzes in Regensburg. Nicht nur die Stadt reagiert zaghaft.
Von Heike Haala, MZ

Regensburg.Bernhardswalder Jahn-Fans, die von ihrem Heimatort aus mit der Stadtbahn zu den Spielen in die Continental-Arena fahren? Ein Ausflug zur Burg nach Donaustauf mit dem Zug? Oder Pendler, die mit der Stadtbahn an ihren Arbeitsplatz bei BMW und Krones gelangen? Geht es nach Wolfgang Bogie, dem Vorsitzenden des Verkehrsclubs Deutschland in Regensburg, soll all das im Jahr 2025 Wirklichkeit sein.

Bogie und die Mitglieder des VCD haben ihre Vision einer „Bahn-Zukunft Regensburg 2025“ entworfen. Elf neue Bahnhaltepunkte, zwei neue Verbindungen, zwei weitere Umsteigebahnhöfe und die Stadtbahn – das sieht das Konzept für die Stadt und den Landkreis Regensburg vor. Auch an die umliegenden Landkreise haben die Mitglieder des VCD gedacht. Ihrer Auffassung nach sollen die Züge in knapp zehn Jahren etwa auch in Kelheim, Langquaid, Teublitz und Burglengenfeld halten.

Bogie will den ÖPNV stärken

Der Grund für diesen Entwurf: Aktuell ist der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Raum Regensburg Bogies Ansicht nach nicht besonders attraktiv. Den Pendlern oder Reisenden werde es momentan nicht gerade leicht gemacht, sich für den ÖPNV als Verkehrsmittel zu entscheiden. Bogie ist sich aber sicher, dass dies der Fall wäre, wenn der Verkehr von Bus und Bahn absoluten Vorrang hätte. Zudem müsse der Umstieg auf andere Verkehrsmittel etwa vom Zug auf das Fahrrad, in den Bus, in Leihautos oder in Taxis reibungslos verlaufen. All das könnte mit dem VCD-Konzept für das Regensburger Bahnnetz gelingen – davon ist Bogie überzeugt.

Deswegen fordert er die verantwortlichen Politiker, Verwaltungen und Träger des ÖPNV nicht nur dazu auf, das Bahnnetz in und um Regensburg grundsätzlich zu ertüchtigen, sondern dies auch schnell und konsequent zu tun. „So eine Panne, wie im Fall der Klenzebrücke, die kurz vor der Realisierung wieder aus den Plänen gestrichen werden muss, darf nicht mehr passieren“, sagt Bogie. Stattdessen brauche es einen mutigen Masterplan, dessen Finanzierung geklärt ist. Als Vorbilder könnten etwa die Städte Würzburg oder Ulm dienen.

Projekte am Bahnnetz

  • Bahnhof Etterzhausen:

    Er soll zentraler Umsteigepunkt werden. So wird der Verkehr aus dem Westen abgegriffen, um von Etterzhausen aus schnell am Hauptbahnhof zu sein (Archiv-Foto: Krenz).

  • Bahnhof Walhallastraße:

    Planungsreferentin Christine Schimpfermann bezeichnete die Aktivierung als Haltepunkt (Archiv-Foto: Lex) im vergangenen Dezember als gesetzt.

  • Klenzebrücke:

    Im Herbst ruderte die Stadt zurück. Damit wird es am Nordende der Klenzebrücke (Archiv-Foto: Wiedamann) keinen Gleisanschluss für den Inneren Westen geben.

  • Haltepunkt Burgweinting:

    Busverbindungen vom Haltepunkt (Archiv-Foto: altrofoto.de) zu den Gewerbegebieten im Stadtosten und in Neutraubling werden aufgebaut. (la)

„Viele Fragen ungeklärt“

Die Verantwortlichen aber reagieren auf Nachfrage unserer Zeitung verhalten auf die Forderungen des VCD. Martin Gottschalk, der Pressesprecher der Stadtwerke Regensburg, hält es zwar grundsätzlich für sinnvoll, das Regensburger Bahnnetz aufzuwerten. Er möchte aber zuerst die Frage beantwortet wissen, ob es sich für Regensburg überhaupt lohnt, ein komplett neues System in Form einer Stadtbahn aufzubauen. Er erinnert an die Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2006: Der Bau einer Stadtbahn hätte Regensburg keine Fördermittel bekommen. Gottschalk rechnet mit Kosten von 30 Millionen Euro pro Straßenbahn-Kilometer.

Die Bahn selbst sieht sich nicht in der Verantwortung: Eine Sprecherin verweist darauf, dass die Entscheidung, inwieweit Bahnstrecken ausgebaut werden, beim Bund liege. Für mögliche zusätzliche Bahnhalte zeichne der Freistaat Bayern verantwortlich. Beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in Berlin aber äußerte sich auf Anfrage unserer Zeitung niemand zu dem Konzept Bogies.

Kathrin Fändrich, die stellvertretende Pressesprecherin für Bau und Verkehr des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, sagte, dass die Optimierung des öffentlichen Verkehrsnetzes im Raum Regensburg bislang nicht auf ein Konzept festgelegt ist. „Dies gilt auch für die Skizze des VCD“, so Fändrich. Das Konzept lasse zudem viele Fragen offen: etwa die Machbarkeit, die Potenziale, den Nutzen, die Kosten oder die Finanzierung. Sie verweist auf den Regensburger Verkehrsverbund, der eine entsprechende Untersuchung erstellen müsste. Der Freistaat Bayern habe angeboten, daran mitzuarbeiten.

Auch die Reaktionen aus den Pressestellen der Stadt und des Landkreises auf Bogies Konzept klingen verhalten. „Wir begrüßen das Konzept des VCD und werden uns bei den weiteren Trassenüberlegungen im Rahmen der Fortschreibung des Nahverkehrsplans damit beschäftigen“, schreibt Kathrin Butz von der Pressestelle der Stadt. Die nächste Fortschreibung des Nahverkehrsplans ist für 2017/18 vorgesehen. Butz sieht in dem Bahnkonzept des VCD eine gute Anregung für die anstehenden Voruntersuchungen. Hans Fichtl, der Pressesprecher des Landratsamts, wird da schon deutlicher: Er verweist auf die langwierige Umsetzung solcher Projekte und vermutet, dass einige Lösungsvorschläge des Konzepts eine Vision bleiben werden.

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