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Tiere

Wenn Hunde zu nahe kommen

Regensburger Spaziergänger werden immer wieder von freilaufenden Hunden bedroht. Eine Trainerin gibt Verhaltens-Tipps.
Von Micha Matthes, MZ

Viele Hundehalter ergreifen in Deutschland selbst die Initiative. Mit verschiedenen Aktionen und Trainings wollen sie Zwischenfälle mit anderen Menschen oder Tieren unterbinden.
Viele Hundehalter ergreifen in Deutschland selbst die Initiative. Mit verschiedenen Aktionen und Trainings wollen sie Zwischenfälle mit anderen Menschen oder Tieren unterbinden. Foto: dpa

Regensburg.Hunde genießen in Regensburg viel Freiraum. Bisher gibt es im Stadtgebiet zwar nur eine private Hundewiese bei der Sallermühle am Regen, Halter müssen ihre Tiere offiziell aber nur in der Altstadt und in Parkanlagen an die Leine nehmen. Ansonsten bilden nur noch Friedhöfe, Sportanlagen und Spielplätze Ausnahmen. Dort herrscht Hundeverbot. Und auch der Herzogpark ist tabu, weil es dort sensible Pflanzen gibt. Insgesamt laufen die Hunde aber fast überall in Regensburg frei. Gleichzeitig nimmt ihre Zahl zu. Waren 2012 noch 3255 Hunde bei der Stadt gemeldet, stieg ihre Zahl 2014 auf 3298 Tiere. Mensch und Tier müssen sich die Grünflächen und Wege teilen. Dadurch kommt es oft zu Begegnungen und immer wieder auch zu Bissverletzungen.

Erst am Montag wird wieder ein Mann in der Nähe des Donauparks von einem freilaufenden Hund bellend und zähnefletschend „gestellt“. Der Halter zeigt offenbar kein Verständnis für die Angst des Spaziergängers und beharrt stattdessen auf seinem Recht, den Hund frei laufen lassen zu dürfen. Auf Facebook beschreibt der Bedrohte anschließend sein Erlebnis und erntet viele Reaktionen von Hundehaltern – aber auch von Hundehassern. „Pfefferspray und Elektroschocker – was für den Hund und was für den Halter, kann man sich dann aussuchen“, schreibt dort etwa ein Nutzer.

Gelber Hund minimiert Bedrohung

Natürlich sind viele dieser Kommentare untragbar. Wer sich aktiv – etwa mit einem Regenschirm – gegen einen Hund zur Wehr setzt, hat aber tatsächlich wenig zu befürchten. Auch bei einer nur drohenden Gefahr ist die Abwehrhandlung durch den sogenannten Verteidigungsnotstand gerechtfertigt, sagt Rechtsanwalt Tobias Fritz von BC Legal. Die Regensburger Anwaltskanzlei ist unter anderem auf Tierrecht spezialisiert. Es müsse also niemand zuwarten, bis ein Hund tatsächlich beißt, um sich dann wehren zu dürfen. „Insbesondere in zivilrechtlichen Haftungsfragen ist immer eine Einzelfallbewertung nötig“, sagt sein Kollege Philipp Pruy. Grundsätzlich sei der Halter aber verpflichtet seinen Hund so zu führen, dass er jederzeit abgerufen werden kann. Wenn der Hund beißt, haftet der Halter voll dafür. „Anknurren ist per se aber noch nichts, was zu einer Haftung führt“, sagt Pruy.

In Deutschland wird auch der sogenannte Hundeführerschein nach wie vor heiß diskutiert. Rechtlich verpflichtend ist die Sachkundeprüfung bisher nur in Niedersachsen. „Eine ordentliche Grundausbildung zum Hundeführen ist natürlich wichtig“, sagt Fritz, „insbesondere bei Moderassen wie etwa Weimaranern oder dem Magyar Viszla.“ Solche Jagdhunde ohne Ausbildung artgerecht zu führen, sei fast unmöglich. Leider unterschätzten Halter oft die Anforderungen, die solche Hunde stellten.

Andere Hundebesitzer ergreifen hingegen selbst die Initiative. Mit verschiedenen Aktionen wollen sie Zwischenfälle mit anderen Menschen oder Tieren minimieren. Die wohl bekannteste Aktion in diesem Zusammenhang heißt „Der Gelbe Hund“. Hier binden Halter ihren Tieren ein gelbes Tuch oder eine Schleife an die Leine, wenn diese besonderen Freiraum benötigen. Das gilt einerseits für kranke Hunde oder Hunde, die gerade aus dem Tierschutz übernommen wurden, andererseits kann das Tuch aber auch Menschen signalisieren, dass sie sich dem Hund besser nicht nähern sollten.

Die Nittendorfer Hundetrainerin Andrea Haupt befürwortet diese Aktion sehr. „Ich fände es super, wenn sich der ,Gelbe Hund‘ auch bei uns durchsetzt“, sagt sie. Haupt vertritt den Standpunkt, dass Hunde in Regensburg generell an der Leine geführt werden sollten. Es gibt in der Stadt eine große Dichte an Hunden, die das Zusammenleben nun einmal erschwert. „Daher lautet die Devise ,safety first‘. Es gehören immer Halsband und Leine dran.“

Sollte es dennoch zu einer bedrohlichen Begegnung mit einem Hund kommen, empfiehlt die Trainerin, ruhig stehen zu bleiben. In einer Situation, in der ein Mensch wirklich Angst hat, sei das natürlich immer schwer, sagt Haupt. Ein normaler Hund finde einen Menschen bei diesem Verhalten aber nach kürzester Zeit uninteressant. „Eigentlich habe ich als Mensch für den Hund dann nichts mehr zu bieten.“

Wo die Hundeleine Pflicht ist

  • Mehr Freilaufflächen könnten

    bedrohliche Begegnungen mit Hunden aus der Stadt verlagern, sagt Hundetrainerin Andrea Haupt. Die Stadt hat an der Fort Skelly-Straße eine neue Hundewiese für 2018 in Aussicht gestellt.

  • In Regensburg

    müssen Hundehalter ihre Tiere in der Altstadt und in Parks an die Leine nehmen. Auf Spielplätzen, Friedhöfen und Sportanlagen gilt Hundeverbot.

Schwanz einrollen, den Blick senken, den Kopf abwenden, die Ohren anlegen, das Fell sträuben: So reagiert ein Hund, wenn er seinem Kontrahenten signalisieren will: Du hast gewonnen, lass mich jetzt bitte in Ruhe. Für den Menschen seien solche Signale natürlich schwer zu kopieren, sagt Haupt. „Aber es sollte einen Hund schon sehr entschleunigen, wenn man die Hände an den Körper anlegt, ihn nicht direkt anschaut, und sich halbseitig wegdreht.“ Als große Demutsgeste lässt sich ein Hund seitlich hinfallen oder zeigt seinen Bauch. Für Menschen sei es hingegen fatal, sich hinzulegen, sagt Haupt. Die Körpersprache könne nicht eins zu eins übertragen werden. Wegen des Größenunterschieds, könne sich ein Mensch für einen Hund einfach nicht „klein machen“. Außerdem funktioniere diese Geste auch bei Hunden manchmal nicht, weil sie oft schlecht sozialisiert sind.

Der Einsatz von Pfefferspray gegen einen bedrohlich wirkenden Hund sei gefährlich – für das Tier, aber auch für den Menschen. „Es besteht immer auch die Gefahr, dass ich da selbst was abbekomme.“ Zusätzlich könne die Handgeste in Richtung Hund aggressionsfördernd wirken, sagt Haupt. Es gäbe auch pflanzliche Sprays – etwa mit Nelkenöl –, aber auch diese könnten den Hund verletzen.

Gartenamt verwarnt Dutzende

In den Parks sorgen unterdessen allein im Auftrag des Gartenamts drei Anlagenaufseher für das Einhalten der Spielregeln. Insgesamt wurden 2014 in Regensburg 32 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen unangeleinten Führens von Hunden in Grünanlagen eingeleitet. „Wir haben aber auch Dutzende von Verwarnungen ausgesprochen“, sagt Hans Dietrich Krätschell, Leiter des Gartenamts. Denn die Behörde appelliere immer zuerst an die Vernunft der Halter.

Ist der Besitzer dennoch uneinsichtig, kostet das Freilaufenlassen von großen Hunden oder sogenannten Kampfhunden in der Altstadt 35 Euro. Bringt man Hunde oder andere Tiere auf Kinderspielplätze mit, geht das Bußgeld bei 50 Euro los. Die Stadt hat außerdem einen Vertrag mit dem örtlichen Tierheim geschlossen: Herrenlose Hunde werden von den Heim-Mitarbeitern abgeholt. Handelt es sich um Hunde, die sich nicht einfangen lassen, wird die Polizei eingeschaltet.

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