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Freitag, 17. August 2018 31° 2

Schlossfestspiele

Zaungäste und Service lauschen mit

Wenn die Stars bei den Festspielen in Regensburg brillieren, hören Picknicker im öffentlichen Park die Konzerte gratis.
Von Heike Haala, MZ

  • Diese Clique hatte es sich während des Konzerts von Placido Domingo im Park an der Fürst-Anselm-Allee vor dem Schlosses gemütlich gemacht. Sie hofften auf Gratis-Beschallung für ihr Picknick. Fotos: Haala
  • Wenn die letzten Gäste den Schlosshof in Richtung Konzert verlassen, geht die Arbeit für die Gastroteams richtig los. Foto: Haala
  • Hier kommt der Getränkenachschub. Foto: Haala
  • Überall im Park stehen die Gläser. Foto: Haala
  • Olivia Zawolski spült in während der Konzerte Gläser im Akkord. Foto: Haala

Regensburg.Jeden Abend, wenn die Fanfaren die Gäste der Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele zu den Konzerten rufen, strömen diese in den Innenhof. So auch am Mittwochabend beim Konzert des Opernstars Placido Domingo. Sie beobachteten, wie Fürstin Gloria von Thurn und Taxis mit ihrem Stargast Quincy Jones auftauchte und in der ersten Reihe Platz nahm. Mit dabei waren auch viele Gäste aus ihrer Familie, etwa Elisabeth von Thurn und Taxis, die Tochter der Fürstin oder Maya von Schönburg-Glauchau, ihre Schwester.

Der Aufmerksamkeit der Gäste konnte sich auch der Sternekoch Alfons Schuhbeck sicher sein, dessen Outfit so gar nicht zur feinen Operngarderobe der Festspielbesucher passen wollte: In seinem Kochkittel lehnte er seitlich der Bühne lässig an einem Lautsprecher. Aber Schuhbeck war auch nicht nach Regensburg gekommen, um seinen feinsten Zwirn zur Schau zu tragen, sondern, um zu arbeiten: Am Konzertabend bekochte er die Gäste der Fürstin mit einem exklusiven Menü. Als sich der Trubel nach dem vierten Fanfarenstoß gelegt hatte, lauschten alle zusammen der kraftvolle Stimme Domingos.

Picknick zu Domingos Gesang

Was die Gäste im Hof aber nicht mitbekommen, ist das, was sich allabendlich während der Konzerte um das Schloss herum abspielt. Fröhlich geht es während des Placido-Domingo-Konzerts im öffentlichen Park zu. Der Abschnitt an der Fürst-Anselm-Allee auf der Höhe des Eingangs zum Hof mit der Bühne und der Tribüne hat sich seit vergangenem Freitag zu einem regelrechten Hotspot entwickelt. Hier treffen sich die Regensburger, die kein Problem damit haben, gewisse Abstriche bei der Konzertqualität der Festspiele in Kauf zu nehmen, wenn sie ihren Geldbeutel auf diese Weise schonen können. Allabendlich kommen dorthin – ausgestattet mit Decke, Klappstuhl und Picknickkorb – Zaungäste, die hoffen, ein paar Takte der Darbietungen gratis erlauschen zu können.

Das heißt jedoch nicht, dass es auf dieser Seite des Zauns weniger opulent zugeht, als im fürstlichen Schloss. Eine Gruppe junger Leute hat sich auf einer Sitzgruppe niedergelassen und lässt es sich dort richtig gut gehen. Ein güldenes Tischtuch liegt auf dem Brotzeittisch, weil die Freunde eine Rettungsdecke aus einem Erste-Hilfe-Set zweckentfremdet haben. Kerzen sorgen für ein stimmungsvolles Ambiente. Den Tisch haben sie mit edlen Weinpokalen aus Kristallglas, Grissini, aber auch Bier oder Essiggürkchen gedeckt. Außerdem freuen sie sich auf eine Spezialität, die der fürstlichen Familie an diesem Abend trotz des Schuhbeck-Menüs vorenthalten bleiben musste: In einer Tupperdose drängeln sich acht Stücke gedeckter Apfelkuchen nach Mamas Geheimrezept.

Der Gastgeber dieses Picknicks hat seinen Freunden außerdem eine Flasche guten Rotweins spendiert, den seine Begleiterin nun testen soll. Sie ist mit der Getränkewahl einverstanden, immerhin passt der Name des edlen Tropfens herrlich zu dem Opernabend mit Placido Domingo: „Puccini“. Dann aber wird es auf einmal ganz still im Stadtpark. Der heiße Sommerwind trägt tatsächlich einige Liedzeilen, gesungen aus dem Mund des Meisters, aus dem Schlosshof zu den Zaungästen.

Spülen im Akkord

Weniger beschaulich geht es im fürstlichen Park vor dem Schloss, Petersweg, zu. Wenn die Stars auf der Bühne brillieren und ihr Publikum verzaubern, herrscht hier rege Betriebsamkeit. Die Servicekräfte des Restaurants „Vitus“ und des Festspielrestaurants „David & Goliath“, die die Gäste im Schloss verwöhnen, müssen den Park auf Vordermann bringen. Zu ihnen gehört auch Olivia Zawolski vom „David & Goliath“-Team. Es klirrt und klappert, als sie nach einer großen, roten Kiste mit Gläsern greift, die ihr ein Kollege über den Bartresen reicht. Ob es die Sitzplätze auf dem Rasen sind, die Bistrotische oder der Sockel der Sphingenskulptur, die im fürstlichen Park steht – überall haben die Gäste ihre Gläser und Teller zurückgelassen. Geschirr, das das Team um Zawolski nun einsammeln und reinigen muss. Ein Kollege fragt sie nach den Getränkebeständen in der Bar, für die sie zuständig ist. Die müssen bis zur Konzertpause wieder aufgefüllt sein. Er hat einen großen Handwagen dabei, mit dem er Nachschub bringt. Andere Teamkollegen rücken die Bestuhlung der Tische auf dem Rasen zurecht. „Bis zur Pause muss alles wieder auf Vordermann gebracht sein“, sagt Zawolski. Die Freude über diesen Kraftakt ist jedoch von kurzer Dauer: nach 30 Minuten Konzertpause sieht alles wieder aus wie vor Konzertbeginn und das Team muss von vorne beginnen. Denn auch nach dem Konzert erwarten die Gäste einen gepflegten Park. „Bis dahin muss wieder alles picobello sein“, sagt Zawolski.

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