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Schauspiel

Schonungsloser Blick auf das Menschsein

Die Theatergruppe St. Anton geht in die neue Spielsaison. Auf dem Programm steht Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“.
von Roland Ebner

Kasimir (David Rothfuß) muss die Liebe zu seiner Verlobten Karoline (Felicia Franke) gegen den Nebenbuhler Schürzinger (Konstantin Schmid) verteidigen.Foto: Beate Köferl
Kasimir (David Rothfuß) muss die Liebe zu seiner Verlobten Karoline (Felicia Franke) gegen den Nebenbuhler Schürzinger (Konstantin Schmid) verteidigen.Foto: Beate Köferl

Regensburg. Die Theatergruppe St. Anton ist in die neue Saison gestartet. „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horváth steht auf dem Spielplan im Antoniushaus. Es erwartet die Zuhörer ein Schauspiel, das auf einem Münchner Oktoberfest im Heute angesiedelt ist.

Hauptprotagonisten sind der Chauffeur Kasimir und seine Verlobte Karoline. Ihr ist nach Amüsement zu Mute, doch ihm ist nicht nach Feiern, weil er gerade erst seine Anstellung verloren hat. Deshalb geraten die beiden in Streit und ihre Wege trennen sich. Sie treffen sich jedoch mehrfach wieder, die Versöhnung ist zum Greifen nah, doch ihre Gespräche enden immer wieder im Streit...

Autor Ödön von Horváth, sagt selbst über sein Stück: „Es ist die Ballade vom arbeitslosen Chauffeur Kasimir und seiner Braut. Eine Ballade voll stiller Trauer, gemildert durch Humor, das heißt durch die alltägliche Erkenntnis „Sterben müssen wir alle!“

Große sprachliche Präzision

„Traditions-Regisseur“ Stephan Roggenbuck feiert mit Horvath eine Premiere: Bislang stand der Autor noch nicht auf dem Spielplan, wie die MZ auf Nachfrage erfährt. Roggenbuck: „Aber es ist höchste Zeit geworden, da er ein so genauer Beobachter ist und eine textliche Dichte und Musikalität herzustellen weiß, die immer wieder erstaunt. Dazu zählt auch die Aktualität seiner Sprache und Inhalte.“ Und weiter: „Horvath zeichnet in diesem Stück mit großer sprachlicher Präzision, nicht ohne Komik und mit einem schonungslosen Blick auf das Wesen des Menschen, in seiner Einsamkeit, mit seinen Sehnsüchten und seiner Ichbezogenheit. Und damit könnte das Stück nicht aktueller sein.“

Auch der Ort spiegele die menschliche Existenz wieder. Das Oktoberfest, „ein Ort voller Sehnsüchte, kurzlebiger Sensationen und Ablenkung, sei der rechte Ort dem eignen Alltag zu entfliehen. Doch auch hier werde der Mensch auf seine Existenz, seine Probleme und Unzulänglichkeiten zurückgeworfen.

Deshalb erachtet es Roggenbuck als „nur logisch, dass die Inszenierung die Handlung in die Gegenwart verlegt, aber den Originaltext ohne Modernisierung verwendet“. Letztlich werde dadurch auch die Zeitlosigkeit der Thematik des Stücks deutlich.

Die Umsetzung besorgt wieder die bewährte Mannschaft (u.a. Musik: Hannes Schädler) um Regisseur Stephan Roggenbuck, der dieses Jahr erstmals durch Evi Schreiner unterstützt wurde. Auch erfolgt die Inszenierung wieder mit einem hohen Personalaufwand. Man darf sagen, dass dies fast schon ein Markenzeichen der Theatergruppe St. Anton ist, die vergangenes Jahr mit dem Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz ausgezeichnet wurde (wir berichteten).

Die Hauptrollen werden gespielt von David Rothfuß und Felicia Franke. Sie stehen dabei stellvertretend für die Zusammensetzung des Ensembles aus altgedienten und dem Publikum vertrauten Darstellern und neueren, letztlich auch jüngeren Mitgliedern, „eine gute Mischung“, betont der Regisseur.

Weitere Hauptrollen sind besetzt durch Konstantin Schmid (Eugen Schürzinger), Anneke Sinzinger (Erna) und Teodor Negrea (Merkl Franz). Den Umfang des Ensembles beträgt etwa 35 Darsteller.

Es beginnt mit einer ersten Leseprobe im Juli und dann steht der August unter dem Vorzeichen des Textlernens und der persönlichen Annäherung an die Rolle. In der zweiten Septemberwoche beginnt die eigentliche Probenzeit mit einer Gesamtprobe, in der Bühnenbild, Kostüme und Inszenierungsidee vorgestellt werden sowie das Stück einmal gespielt, improvisiert wird.

Dann folgen die Wochen der Probenarbeit in unterschiedlichen Konstellationen, in der Regel zwei bis dreimal in der Woche. Ab Oktober habe dies sich bisweilen auf bis zu vier Proben gesteigert.

Renovierung steht bevor

Die letzte Probenwoche steht unter der großen Aufgabe die einzelnen Komponenten Spiel, Bühnenbild, Licht und Ton zusammenzufügen, weshalb in dieser Phase nur noch ein probenfreier Tag möglich ist. Diese Intensivierung ist neben der Bereitschaft und der hohen Motivation des Ensembles nur durch eine Erweiterung des Regieteams um Stephan Roggenbuck möglich, indem die langjährige Darstellerin Eva-Maria Schreiner nun auch hier Aufgaben im Probenbereich übernommen hat.

Wie mehrfach berichtet, wird das Antoniushaus in nächster Zeit umfassend renoviert. Die Theatergruppe verliert damit ihre Bühne. Nach der „Gefühlslage von Regisseur und Ensemble angesichts der vorläufig letzten Spielzeit im Antoniushaus, hat die Mittelbayerische deshalb gefragt.

Roggenbuck gibt Auskunft: „Jetzt warten wir erst einmal ab. Wir dachten ja schon letztes Jahr, dass wir 2018 im Saal pausieren müssten, was nicht eingetreten ist. Da ist für 2019 noch alles offen. Außerdem stehen jetzt die Aufführungen im Vordergrund und da muss vieles, auch dieser Gedanke hintenanstehen. Vielleicht genießen wir unser Theaterwohnzimmer, den Großen Saal des Antoniushauses und seine Katakomben nur einfach noch bewusster.“

Für guten Zweck

  • Ein Teil

    des Spendenerlöses geht wieder an eine soziale Einrichtung. Ausgewählt wurde die Regensburger Tafel. Der Eintritt ist frei!

  • Aufführungstermine:

    Samstag, 10. November, 19.30 Uhr; Sonntag, 11. November, 15.30 Uhr; Donnerstag, 15. November, 19.30 Uhr. Dernière: Samstag, 17. November, um 19.30 Uhr. (er)

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