MyMz
Anzeige

Mobilfunk

Dritter Funkmast: Nachbarn sind sauer

Anwohner protestieren. Doch der Besitzer der Augsburger Straße 37 c+d in Regensburg nimmt den Sendemasten gern aufs Dach.
Von Susanne Wiedamann, MZ

  • Protestierende Nachbarn vor dem Gebäude Augsburger Straße 37 c+d. Ihnen reichen zwei Sendemasten auf dem Dach des Nachbarhauses. Fotos: sw
  • Die zwei bestehenden Sendemasten sind weithin zu sehen. Foto: Wiedamann
  • Komponist Till Rölle sagt in Bezug auf den dritten Sendemasten: „Regensburg ist so eine schöne Stadt, aber das geht gar nicht!“ Foto: Wiedamann

Regensburg.Neun Personen haben an diesem Donnerstagmorgen um 7.30 Uhr vor der Augsburger Straße 37 c+d Stellung bezogen. Geduldig stehen sie da und halten die Protestschilder Passanten und den Autofahrern entgegen, die den Ziegetsberg herunterkommen oder von der Autobahn stadteinwärts auf die Augsburger Straße abbiegen. Max Urban ist einer von ihnen. Der 54-Jährige hat den Protest „angezettelt“. Denn ihm reicht es jetzt. Auf dem Haus in seinem Rücken soll ein dritter Sendemast installiert werden. „Als ob zwei nicht schon genügen würden. Wir haben hier doch einen guten Empfang“, schimpft der Angestellte eines Beleuchtungsunternehmens.

„Ich weiß, dass wir rechtlich nichts tun können“, sagt er, der mit seiner Familie nur ein Haus weiter wohnt. Aber wenigstens informieren will er, und hat darum im ganzen Viertel Infozettel in die Briefkästen gesteckt, um den nachbarschaftlichen Widerstand zu mobilisieren. Jetzt sind es nur neun Anwohner, die bis zum Eintreffen des Immobilienbesitzers vor dem Grundstück protestieren wollen, am Nachmittag sollen es schon um die 40 sein, schätzt er. Und er will weitermachen, an anderen Tagen.

Option eingeräumt.

Max Urban will weiter gegen das Überhandnehmen von Sendemasten protestieren.
Max Urban will weiter gegen das Überhandnehmen von Sendemasten protestieren. Foto: Wiedamann

Im Frühjahr habe ihm der Hauseigentümer, McDonald's-Chef Frank Mosher, eröffnet, dass Vodafone angefragt hätte, ob das Unternehmen nicht einen Sendemasten auf dem Dach des Hauses einrichten könnte. Mosher habe ihm gesagt, dass er Vodafone eine Option eingeräumt habe. Vergangene Woche wurde Urban von Mosher informiert, dass Vodafone die Option nun wahrnehmen möchte. „Das kam dann zu einem Wortwechsel“, sagte Urban. „Ich weiß, ich kann das nicht verhindern, weil er sich im Rechtsrahmen bewegt. Aber ich möchte mir nicht von meiner Enkeltochter einmal nachsagen lassen, dass ich nichts unternommen habe.“

Urban findet, dass das Areal mit zwei bereits vorhandenen Mobilfunkmasten (UMTS und O2) bereits ausreichend belastet ist. „Schon bei der Einrichtung des zweiten Masten sind wir heftig aneinandergekommen.“ Urban kann nicht verstehen, weshalb es zulässig ist, in diesem Mischgebiet, in dem sich eine Kinderkrippe, ein Kindergarten und die St. Wolfgangsschule befinden, einen weiteren Sendemasten aufzustellen. „Ich finde das unmöglich“, wettert seine Frau Petra. „Bei jeder sonstigen Veränderung an einem Gebäude, wenn die Gaube oder so etwas vergrößert wird, brauche ich die Zustimmung der Nachbarn und eine Baugenehmigung. Und hier kann man das still und heimlich draufstellen.“ „Es gibt hier viele Personen, die haben noch Babys und Kleinkinder. Es ist eine Schule in der Nähe. Man weiß nicht, wie schädlich das für die Gesundheit ist“, sagt Montserrat Sans Ruiz, die zwei Häuser weiter wohnt.

Der Sendemast

  • Das Projekt

    Vodafone plant die Errichtung einer Mobilfunkbasisstation auf dem Gebäude in der Augsburger Straße 37 c+d, teilte eine Sprecherin des Unternehmens der MZ mit. Die Errichtung dieses Mastens ist laut Vodafone erforderlich, da die nächste Vodafone-Basisstation rund 800 Meter entfernt ist. Vodafone benötige einen weiteren Standort in diesem Bereich, damit die Versorgung der Kunden sowohl mit Sprach- als auch mit Datendiensten in guter Qualität gewährleistet werden kann, so die Sprecherin.

  • Planung

    Der Standort wurde in Hinblick auf die Eignung von Vodafone geprüft. Nun folgen die konkrete Bauplanung und die Genehmigung. „Die Stadt ist über das Vorhaben rechtzeitig informiert worden und hat gemäß Mobilfunkpakt keine Einwände gegen diese Anlage“, betonte die Unternehmenssprecherin. Der Bau der Sendeanlage sei für Dezember geplant, in Betrieb werde diese voraussichtlich im Februar 2016 gehen. Die Immissionen dieser Sendeanlage sind laut Vodafone mit anderen vergleichbar. „Die Grenzwerte werden eingehalten.“

Den meisten der Protestierenden geht es um mögliche gesundheitliche Risiken. Aber auch der Wertverlust der Immobilie ist ein befürchtetes Risiko, gibt Urban zu. Eine Nachbarin, die an Brustkrebs erkrankt ist, hat schlichtweg Angst, dass sich die Strahlenbelastung negativ auf ihre Erkrankung auswirkt.

Eine andere strahlende Zukunft

„Das nimmt hier einfach überhand“, sagt Michael Bücherl, der auch im Viertel wohnt. „Niemand weiß, was die Strahlen auslösen können“, sagt Bücherl. Komponist Till Rölle, der als Gast in einem Nachbarhaus kampiert und derzeit am Theater Regensburg eine Premiere vorbereitet, versteht nicht, wie man so einen Masten aufs Dach stellen kann, ohne die Nachbarn einzubinden: „Wir wünschen uns eine andere strahlende Zukunft!“

Frank Mosher ist für einen weiteren Mobilfunkmasten auf seinem Haus.
Frank Mosher ist für einen weiteren Mobilfunkmasten auf seinem Haus. Foto: Archiv

„Wenn ich das nicht mache, macht es ein anderer“, sagt Frank Mosher. „Vodafone möchte das gerne machen. Und wenn nicht hier, dann eben 150 Meter weiter. Dadurch ist nichts gewonnen. Ob zwei oder drei Sendemasten, das ist doch egal.“ Mosher versteht Urbans Widerstand nicht. Er verweist auf Urbans (ironisch gehaltenes) Protestschild „Verkaufe Haus an Mobilfunkfan“ und bemängelt: „Urbans Motivation ist: Er fürchtet um den Wert seines Hauses. Aber meine Immobilie ist viel größer, und ich habe keine Angst, dass sie an Wert verlieren könnte.“ Mosher hält die Debatte für überflüssig: „Jedes Kind ab 12 Jahren hat ein Handy, auch Herr Urban hat eines.“ Dazu gehöre eben auch eine Infrastruktur mit Mobilfunkmasten. Dass er den Standort aus pekuniären Gründen für die Installation eines Masten anbietet, sei kein Geheimnis. „Sonst würde ich das nicht machen!“

Vonseiten der Stadt gibt es gegen die Errichtung eines dritten Sendemasten durch Vodafone, das seinen Plan 2014 am „Runden Tisch Mobilfunk“ der Stadt bekanntgegeben habe, keine Einwände, informiert Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra. Bei Messungen im Umkreis der Augsburger Straße 2012, zum Beispiel im nahen Kindergarten, sei herausgekommen, dass sich die Emissionsbelastung durch die beiden Sendemasten nur im niedrigen Prozentbereich des zulässigen Grenzwerts bewegte. „Man geht davon aus, dass sich der Emissionswert nur geringfügig auf vier oder maximal fünf Prozent des zulässigen Werts erhöht.“

Max Urban will dennoch weiter Widerstand leisten. „Wir können dieses Projekt nicht verhindern. Vielleicht aber das nächste!“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht