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Ein „Näschen“ für Regensburger Landwein

Dr. Hans Riess hat 1952 den Weinbau in Winzer reanimiert. Eine Regensburger Radiologin und ein HNO-Arzt halten das Erbe hoch.
Von Helmut Wanner, MZ

  • Im Hintergrund die Domtürme: Dr. Hans Riess mit einem Gläschen Müller-Thurgau in seinem Weinberg in Oberwinzer. Foto: Sammlung Gahleitner
  • Vier Regensburger Winzer unter sich (von links): Drs. Erich und Elisabeth Gahleitner, Hans Dietrich Krätschell, Stadtgartenamt, und Oswald Zitzelsberger auf der Terrasse des Weinguts Dr. RiessFoto: altrofoto.de

Regensburg.A bisserl Grinzing weht alle zwei Jahre durch den Stadtpark. Am letzten Juli-Wochenende wird’s Naserl sei Freud haben, weil es ihn schon kilometerweit riechen kann, den Regensburger Landwein. Weil der Zecher über Wein, Weib und Gesang bestimmt die Rikola-Frage vergisst, „wer hat’s erfunden?“, sei schon jetzt des Riess Hans gedacht.

„Denke ich an Sommer, dann denke ich an Pflücken“,

Dr. Elisabeth Gahleitner

Der Radiologe Dr. Hans Riess hat in Winzer den Weinanbau wiederbelebt, er hat den Namen „Regensburger Landwein“ für die ganze Region bis hinunter nach Tiefenthal durchgekämpft. Dr. Theodor Häußler, der Landwirtschaftsdirektor a. D. und Pentlinger Winzer, hat es in „Der Baierwein“ geschrieben. „Eine Spielerei war es, als der Röntgenologe Dr. Hans Riess 1952 begann, den vor mehr als 80 Jahren in Niederwinzer eingestellten Weinanbau zu neuem Leben zu erwecken.“ Das war eine Kulturleistung. Die Winzerer Höhen gelten als die ältesten schriftlich nachweisbaren Weingärten in Altbayern. Auf diesen Hängen wurde 1913 der erste Müller-Thurgau Deutschlands angebaut.

Ein Fresko von Otto Baumann

Wenn man in diesen Tagen auf der Schillerwiese auf seinem Handtuch liegt, kann man hinüberschauen auf das Weingut Dr. Riess. In Winzer steht das Haus sehr markant am Kagerer Weg. Seit fast 70 Jahren streckt es seine Fassade der Sonne entgegen, dahinter steigt steil der terrassierte Weinberg an. Das Fresco an der Sonnenseite des 50er-Jahr-Hauses hat der Regensburger Künstler Otto Baumann (1901 bis 1992) angebracht. Es zeigt den Fuchs aus der Fabel, der sagt, dass ihm die Trauben zu sauer sind.

Dr. Riess, heißt es, sei ein Urviech gewesen, mit wuchernden Augenbrauen. „Es ist das Verdienst von Dr. Riess gewesen, dass die Qualitätsbezeichnung Regensburger Landwein zu einer Marke wurde“, stellt der Baierwein-Experte Dr. Häußler fest.

„Mein Vater war ein gebürtiger Amberger. Er stammt aus einer bäuerlichen Familie. Den Umgang mit der Erde brauchte er.“ Tochter Dr. Elisabeth Gahleitner hat 1987 das väterliche Erbe komplett angetreten: Sie ist Radiologin, sie ist Winzerin. Und sie hat den Mann geheiratet, mit dem der Vater damals sofort auf einer Wellenlänge war. Einen richtigen Doktor aus dem Weinland Österreich. Der HNO-Arzt Dr. Erich Gahleitner stammt aus Linz. „Tu felix Austria nube“, zitiert er selbstironisch den Spruch über die Habsburger, die sich ein Weltreich erheiratet haben. Der Mediziner ist durch Heirat Winzer geworden. Mit seiner angenehmen, prägnanten Stimme und seinem Wissen hat er schon einige Degustationen moderiert. Seine Frau ruft er „Bibi“. „Wir haben uns in Innsbruck in der Pathologie kennengelernt. Am Seziertisch. Ich interessierte mich schon damals für den Kopf, sie mehr für den Bauch,“ sagt er auf der Terrasse. Sein Witz ist trocken wie sein neuer Secco.

Weinpioniere im Bier-Regensburg

Überall stecken Erinnerungen. Im Haus, im Garten. Den mächtigen Nussbaum im Hof hat Dr. Riess gepflanzt. Das Schild Weingut Dr. Riess an der Einfahrt ließ er schmieden. Von Dr. Riess’ Frau stammt die schöne Steinsammlung auf der Terrassenmauer. Diese hat sich am Abend mit Sonne vollgesogen.

Alles, was als prominent galt in den 50er- und 60er-Jahren, ist auf dieser Terrasse gesessen und hat den Ausblick genossen. Stilvoll Wein zu trinken war im Nachkriegs-Regensburg wenigen vorbehalten. Man bedenke: Bis weit in die 70er-Jahre schenkte man im HB den Wein im Bierglas aus.

Sommer heißt für sie: Pflücken

Von hier oben ist die Aussicht auf Donautal und Dom unbeschreiblich. Man könnte sagen: Ein Paradeblick bietet sich aufs Welterbe. „Im Weinberg ist sie noch besser“, sagen die Drs. Gahleitner und gehen voran. Die alten Weinstöcke in der ersten Reihe hat noch der Vater gepflanzt, zu einer Zeit, als die Donau noch nicht in ihrem Kanalbett lag. Die Schienen der stillgelegten Bergbahn, ihrem Spielzeug, sind vom Gras überwuchert. „Bibi“ ist an diesem Berg mit ihrer Schwester aufgewachsen. „Denke ich an Sommer, dann denke ich an Pflücken. Erst waren es Pfirsiche, Aprikosen, Johannisbeeren, dann war Müller Thurgau und Bacchus, das ist es immer noch.“ Wie zur Bekräftigung zieht fast überfallartig seitlich ein intensiver Duft überreifer Mirabellen durch den Weinberg.

Eine Spielerei war es zuerst. „Ein Patient hat meinen Vater erst auf die Idee mit dem Weinbau gebracht“, sagt Dr. Gahleitner. „Wenzel hieß er mit Vornamen. Es war ein Donauschwabe, ein Ungar.“ Das nötige Wissen brachte er sich nach und nach bei. Mit Dr. habil. Hans Breider, dem Direktor der Bayerischen Landesanstalt für Wein-, Obst und Gartenbau in Veithöchsheim, verband ihn eine produktive Freundschaft.

Kooperations-Partnerschaft wird noch heute gepflegt: Das Weingut Rossdeutscher aus Nordheim schickt Leute zum Schneiden und Abfüllen. Bei der Lese arbeiten alle mit. Die Reben werden im Keller des Weinguts Dr. Riess gepresst und ausgebaut. Die Vermarktung ist komplett in der Hand der Gahleitners. Wenn am kommenden Wochenende a bisserl Grinzing durch den Stadtpark weht, ist auch a wengerl Nordheim dabei. Die Winzerfamilie Rossdeutscher ist Mitbetreiberin des Standes des Winzerer Weinguts Dr. Riess.

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Das Weinmusikfest im Stadtpark

  • Das Fest:

    Vom 29. bis zum 31. Juli verwandelt sich das Gelände im Stadtpark hinter dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie in einen stimmungsvollen Schauplatz. Kulturamt und Gartenamt heißen zum traditionellen Wein-Musik-Fest willkommen.

  • Der Erlös:

    Das Standgeld fließt in den Spendentopf zugunsten des Musikinstrumentenfonds im „Haus der Musik“.

  • Das Programm:

    Das gesamte Programm und alle Details zum Wein und Musik-Fest 2016 kann man unter www.regensburg.de/kultur nachlesen.

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