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Tiere

Theo hat Null Bock auf Schafe

Das Böcklein mag nicht auf die Weide. Es liebt Zweibeiner, treibt Schabernack in Kager und bandelt mit jedem Wanderer an.
Von Heinz Klein

Hilfe, Schafe! Der kleine Schafbock Theo kehrt seiner Herde den Rücken und rettet sich zwischen die Beine seines „Chefs“. Foto: Klein
Hilfe, Schafe! Der kleine Schafbock Theo kehrt seiner Herde den Rücken und rettet sich zwischen die Beine seines „Chefs“. Foto: Klein

Regensburg.Wenn Ferdinand Schmack durch das idyllische Dorf Kager geht, wuselt ihm ein kleines braunes Fellbündel mit zwei Hörnchen hinterher. Alle im Dorf wissen, wer das ist: Theo. Alle grinsen, wenn sie die beiden sehen und alle fragen: „Ist er wieder nicht auf der Weide geblieben?“

Natürlich nicht. Der kleine Schafbock Theo hat keinen Bock auf Schafe. Und das hat einen Grund. Denn als Theo vor vier Monaten das Licht der Welt erblickte und den ersten Hunger seines jungen Lebens an den Zitzen seiner Mutter stillen wollte, machte Mama die Schotten dicht. Keine Liebe, keine Milch – Mama wollte nicht.

Ferdinand Schmack ist Besitzer der kleinen Schafherde, die über Kager am Rand der Winzerer Höhen grast. Die Tiere gehören zur Rasse der ostpreußischen Skudden, die leider auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen steht. Ursprünglich bestand die Herde der Familie Schmack aus zwei Tieren und war ein Hochzeitsgeschenk. Die zwei Schafe kämpften dienstbeflissen gegen das Aussterben ihrer Art an, und zwar überaus erfolgreich. Nach zehn Jahren sind es nun 35 Tiere, und so wurde Ferdinand Schmack, der als Immobilienentwickler bekannt ist (Candis), zum Schafhalter im „Nebenerwerb“ – und zum „Chef“ von Theo.

„Hören tut er gar nicht“

Immer hinterm Chef her Foto: Klein
Immer hinterm Chef her Foto: Klein

Der kleine Theo wäre aufgrund des Generalstreiks seiner Mama auf der Weide eingegangen, und so griff die Familie Schmack schicksalhaft ein, holte Theo nach Hause und zog ihn mit der Flasche groß. Das wird Theo nie vergessen. Das Schaf hat bei so viel menschlicher Hinwendung seine Liebe zu den Zweibeinern entdeckt und revanchiert sich für die Lebensrettung, indem es sich zur Erheiterung der Menschen allerlei Schabernack einfallen lässt.

Zwar hat Theo im Garten des Schmackschen Anwesens einen kleinen Stall, doch das junge Böcklein hat sich bereits vielfach als Ausbrecherkönig bewährt. Wenn die Barrieren überwunden sind, tapst Theo auf der Suche nach Abenteuern durch Kager. Die großen Gemüsefelder beim Bauer Wittmann gleich gegenüber locken ihn noch nicht, denn Theo bekommt noch zweimal am Tag sein Fläschchen Bio-Ziegenmilch, was seinen Kaloriengrundbedarf anscheinend zu decken vermag. Neben dieser Grundversorgung braucht es nur noch ein paar Leckereien. „Rosenblätter zum Beispiel“, sagt Ferdinand Schmack, der bei Theo von keiner sehr erfolgreichen Sozialisierung sprechen will. „Hören tut er gar nicht“, klagt der Freizeitschäfer. Und wie zum Beweis demonstriert Theo seine beeindruckende Sprungkraft und hüpft aus dem Stand auf den Tisch, ohne Kaffeetassen und Wassergläser in Mitleidenschaft zu ziehen.

Theo macht Pause im Heu. Foto: Klein
Theo macht Pause im Heu. Foto: Klein

„Er will einfach nicht zu seiner Herde“, klagt Ferdinand Schmack. Ein Anflug von Ratlosigkeit schwingt in seinen Worten mit, als er von Theos Ausflügen erzählt. Der Schafbock schließt sich sofort jeder Art von Herde an, wenn es nur keine Schafe sind. Er begleitet Wanderer, Nordic-Walker und Radlfahrer, die am Dorfrand meist innehalten und überlegen, wie sie Theo wieder loswerden können. Das geht eigentlich nur, wenn sie wieder umkehren und versuchen, Theo im Dorf abzugeben.

Nun brechen wir auf. Theo ist mit Begeisterung dabei. Beim Weg durchs Dorf winken Radfahrer, Autofahrer kurbeln das Fenster runter und jeder fragt: „Bleibt Theo wieder nicht oben?“ Ein Nachbar erzählt Theos neueste Abenteuer. Als der Heizöllaster kam, besah sich Theo den Tankvorgang und bandelte dann dermaßen heftig mit dem Lasterfahrer an, dass dem Himmelangst wurde, er würde den Schafbock nicht mehr loswerden.

Nun sind wir bei der Herde angekommen. Schön ist es hier. Strauchwerk bietet Schatten auf dieser Weide, von der aus der Blick über Regensburg göttlich ist. Ferdinand Schmack hebt Theo über den Elektrozaun. Vorsichtig nähert sich die Skuddenherde. Die Schafe schnuppern neugierig an Theo, der sich lieber zwischen die Beine seines Chefs zurückzieht. Nein, Theo hat wirklich Null Bock auf Schafe.

Was kann man da bloß machen? Ferdinand Schmack denkt daran, Theo einfach mal bei der Herde anzubinden. Er würde Theo wohl auch in gute Hände eines Menschen geben, der das Wort Hausschaf sehr wörtlich nimmt und Theo als Haustier behandeln würde.

Kein Job bei der CSU

Theo trifft auf den Landtagsabgeordneten Franz Rieger. Foto: Klein
Theo trifft auf den Landtagsabgeordneten Franz Rieger. Foto: Klein

Als wir den Rückweg antreten, spaziert Theo begeistert das Sträßchen hinunter ins Dorf, wo die lieben Menschen wohnen. Dort kommt uns ein Radler entgegen, der schon von weitem grinst und sich schließlich als Landtagsabgeordneter Franz Rieger entpuppt. Theo ist sofort begeistert und flirtet gleich mal mit dem Politiker. Da stellt sich ganz von selbst die Frage, ob die CSU vielleicht einen Schafbock für den Wahlkampf brauchen könnte. Der Mangel an Begeisterung in Franz Riegers Gesichtszügen braucht keine Worte. Aber für die Politik wäre Theo ohnehin noch viel zu jung.

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Die Schafrasse

  • Bedrohte Rasse:

    Die Ostpreußische Skudde gehört zu den ältesten Hausschafrassen. Sie steht auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war die Skudde das bodenständige Schaf Ostpreußens und des Baltikums.

  • Größe:

    Theo und seine Verwandtschaft gehören zur kleinsten deutschen Schafrasse. Die Widerristhöhe der Böcke beträgt durchschnittlich 55 bis 60 Zentimeter bei einem Lebendgewicht von 35 bis 50 Kilo. Die weiblichen Skudden sind mit 25 bis 40 Kilo erheblich leichter.

  • Vorteil der Rasse:

    Skudden werden heute in erster Linie zur Landschaftspflege eingesetzt. Sie sind bei der Nahrungsaufnahme wenig wählerisch und verschmähen weder Brennnesseln noch Disteln oder Ampfer.

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