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Pilgerfahrt

Der Papst-Besuch feiert rundes Jubiläum

Nach knapp zehn Jahren erinnert Veranstalter Peter Kittel an das Ereignis und gibt Einblick in die Abläufe der Organisation.
Von Daniel Geradtz, MZ

Tausende von Menschen verfolgten 2006 auf dem Islingerfeld in Regensburg die Papstmesse. Papst Benedikt XVI. besucht bis zum 14. September 2006 seine Heimat Bayern. Foto: dpa
Tausende von Menschen verfolgten 2006 auf dem Islingerfeld in Regensburg die Papstmesse. Papst Benedikt XVI. besucht bis zum 14. September 2006 seine Heimat Bayern. Foto: dpa

Regensburg.Heuer jährt er sich zum zehnten Mal. Beim Besuch des emeritierten kam Papst Benedikt XVI. 2006 zurück an seine ehemalige Wirkungsstätte Regensburg. Es strömte mehr als eine Viertel Million Pilger auf das Islinger Feld, wo die Heilige Messe abgehalten wurde.

Peter Kittel organisierte mit seinem Veranstaltungsservice Regensburg (VSR) das Ereignis. Er berichtete am Mittwochabend bei einem Vortrag über das „Jahrhundertereignis“, wie er es seither bezeichnet. „Ich habe über das Thema schon viele Vorträge gehalten, aber heute erzähle ich eine sehr persönliche Geschichte“, kündigte Kittel an.

Im Januar 2006 erhielt der Veranstalter den Auftrag durch das Bistum. „Natürlich dachte ich im Dunkeln, dass der Papstbesuch eine Rolle spielen würde“, so Kittel über den unvermittelten Anruf. Innerhalb weniger Tage arbeitete er mit seinen Mitarbeitern ein Grobkonzept. Im Zentrum aller Planungen stand das Highlight des gesamten Besuchs: die Heilige Messe auf dem Islinger Feld. „Dort hatten wir keine Infrastruktur. Ich organisierte daher das Konzept einer Sternwallfahrt“, so Kittel. Die Pilger sollten aus allen Himmelsrichtungen über verschiedene Pilgerwege in den Bereich strömen.

Der Papst-Besuch in Zahlen

  • 500 Millionen TV-Zuschauer

    Neben den rund 260 000 Pilgern vor Ort, wurde das Ereignis weltweit von 500 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt. Zur Heiligen Messe standen auch Arbeitsplätze für 1200 Journalisten zur Verfügung.

  • 100 Tonnen Bananen

    Als Versorgung wurden auf dem Islinger Feld jeweils 90 000 Müsliriegel und Wasserflaschen ausgegeben. Für die Besucher standen zudem 100 Tonnen Bananen zur Verfügung. Das Mineralwasser wurde mit einem dreiprozentigen Zusatz von Lemmon-gras versetzt, damit von den Pfandbestimmungen ausgenommen werden konnte.

  • Sanitär und Zäune

    2500 mobile Toiletten dienten den Pilgern als Sanitäreinrichtung. Eingegrenzt wurde das Gelände mit einer Fläche von 500 000 Quadratmetern durch Bauzäune von eine Gesamtlänge von 7000 Metern .

Doch dazu musste die nahe gelegene Autobahn 3 gesperrt werden, was im Bayerischen Innenministerium auf wenig Gegenliebe stieß. Peter Kittel schilderte die Verhandlungen mit Günther Beckstein, der damals die Funktion als Staatsminister des Innern innehatte. Kittel argumentierte: „Was passiert, wenn ein mit Benzin beladener Lkw genau an dieser Stelle verunglückt?“ Es wäre gar nicht auszumalen, gewesen, unter welchen Voraussetzungen dann die Bergungsmaßnahmen hätten ablaufen sollen. Dieser Gedanke sei seine „Trumpfkarte“ gewesen. Nach langen Verhandlungen wurde dem Veranstalter eine Sperrung der Autobahn für drei Stunden zugestanden. Das war für ihn nicht ausreichend – er brauchte eine 18-stündige Sperrung.

Autobahn als Wendehammer

Denn die Straße sollte als Parkplatz dienen. Die ankommenden Reisebusse sollten darauf parken. Sie mussten weit vor dem Beginn der heiligen Messe eintreffen und erst lange danach wieder abreisen. Um einen reibungslosen Abreiseverkehr zu ermöglichen, griff Kittel tief in die Trickkiste. Seine Idee: Die Autobahn sollte in beiden Fahrtrichtungen bis zum Islinger Feld für die ankommenden Busse passierbar sein. Im Vorfeld wurden in diesem Bereich die Mittelleitplanken entfernt, sodass die Busse umkehren konnten und in „Fluchtrichtung“ in der Gegenfahrtrichtung abgestellt werden konnten. Mit einem entsprechenden Verkehrsgutachten konnte Kittel schließlich auch die Sperrung zwischen 0 und 18 Uhr bewirken.

Dieses Konzept war laut Kittel bis dahin noch nicht angewendet worden. „Das hatte noch keiner gewagt“, beschrieb er bei seinem Vortrag, den er auf Einladung der CSU-Stadträte Dr. Armin Gugau, Hans Renter und Dagmar Schmidl hielt. Gugau zeigte sich dankbar dafür, dass seine Wünsche nach einer Würdigung des Papstbesuches inzwischen Gestalt angenommen haben.

Nachdem der „Durchbruch“ erzielt wurde, konnte Kittel die Maßnahmen am Islinger Feld vorantreiben. Wichtig war, dass das landwirtschaftlich genutzte Gebiet wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden sollte. Dazu wurden die angelegten Straßen in Geotextil gepackt. Darauf konnten die Wege angelegt werden, ohne den Untergrund zu beschädigen.

Papstbesuch erfordert Sicherheit

Am Tag der Veranstaltung wurde das Islinger Feld zur Sicherheitszone. „Es war vergleichbar, als wenn der US-Präsident kommt. Der Papst ist ein Staatsmann der ersten Kategorie“, führte Kittel aus. Aus diesem Grund waren für die vielen VIPs, die sich angekündigt hatten und die sich im Gefahrenbereich befanden, Sicherheitskontrollen durch Beamte des Bundeskriminalamts erforderlich.

Schon im Vorfeld ließ Kittel jede Erdbewegegung dahingehend absichern, dass die Arbeiten von Sprengstoffspürhunden begleitet wurden: „Damit wollte ich vorbeugen, dass einer am Veranstaltungstag mit einer Drohung aufschlägt.“

Letzten Endes verlief die Veranstaltung ohne größere Probleme ab. „Nur eine Reisegruppe von 54 Personen fand ihren Bus nicht mehr, weil er umgeparkt wurde“, lautete Kittels Bilanz. Zudem hätte während der Heiligen Messe eine Person versucht, den Sicherheitsbereich zu betreten. Sie konnte überwältigt werden.

Dass die Organisation des Papstbesuchs derart reibungslos ablief, kam Kittel an anderer Stelle zugute: 2011 veranstaltete er auch den Besuch des Pontifex im thüringischen Eichsfeld.

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