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Politik

Europa als Friedensprojekt

Stefan Ehrenpreis skizzierte die Situation in Südtirol.
Von Bernhard Gietl

Stefan Ehrenpreis (rechts) berichtete über Südtirol. Foto: Bernhard Gietl
Stefan Ehrenpreis (rechts) berichtete über Südtirol. Foto: Bernhard Gietl

Grass.Gibt es noch eine Südtirolfrage? Italienisch- und Deutschsprachige haben sich doch längst arrangiert, die Provinz überragt alle anderen in Italien, was die Autonomie und die erfolgreiche Wirtschaft angeht. Dass diese Beschreibung nur oberflächlich ist und dass in naher Zukunft ganz andere Fragestellungen anstehen, zeigte Prof. Dr. Stefan Ehrenpreis von der Universität Innsbruck. Die Kulturey hatte ihn dazu nach Oberisling eingeladen. Die örtlichen Schützen sind seit Langem der Schützenkompanie Vintl freundschaftlich verbunden.

Ehrenpreis zeigte den historischen Werdegang des heutigen Urlaubslandes als Basis für späteren Unfrieden auf: In den Vorortverträgen 1919 wurde der Brenner als Grenze festgelegt. Dabei hätten die meisten Staaten eher die Sprachgrenze zwischen Tirol und dem Trentino akzeptiert, aber Italien setzte sich durch.

1946 wurde zwar ein Autonomiestatut geschlossen, von Italien allerdings unterlaufen. Erst durch die Klage Österreichs vor der UNO wurde 1972 das 2. Autonomiestatut erzwungen, so dass bis zur offiziellen „Streitbeilegung“ 1992 Südtirol in weiten Bereichen Autonomie erhielt. Gefördert wurde die gute Stimmung zusätzlich, als Österreich der EU beitrat, die Schlagbäume abmontiert wurden und der Euro gemeinsame Währung war.

Mit der derzeitigen Situation ist sogar die italienischsprachige Bevölkerung zufrieden, die in Bozen 70 Prozent ausmacht. Die Region ist also doch ein Musterland und erlebt „Europa als Friedensprojekt“.

Wie aber sieht die aktuelle politische Situation aus? Die Südtiroler Volkspartei SVP kann nicht mehr alleine regieren, sondern braucht einen Koalitionspartner, derzeit die Lega. Junge Südtiroler, die „Freiheitlichen“, forderten in den letzten Jahren vehement einen Zusammenschluss mit Österreich, befeuert vom Rechtsruck im nördlichen Nachbarland. Bei den letzten Wahlen bekamen sie freilich Konkurrenz: Sie wurden von der „Südtiroler Freiheit“ überholt, die jetzt ebenfalls zwei Sitze im Parlament hat. Deren Forderung ist nicht der Blick nach Wien, sondern die Selbstständigkeit, mit oder ohne Trentino.

Der Blick in die Zukunft zeigt, dass noch ganz andere Fragen anstehen: Der Klimawandel verursacht Wassermangel, den Rückzug der Gletscher und damit Felsstürze. Da Obst in immer höheren Lagen gedeiht, müssen die Bergbauern den Plantagen weichen. Diese Probleme seien, so Ehrenpreis, sicher nur international zu lösen. Genauso wie das derzeitige Verkehrsprojekt, das „kein Ruhmesblatt für Deutschland“ ist: Der ökologisch wichtige Brenner-Basis-Tunnel sei nur wegen der in Deutschland ungelösten Probleme ins Stocken geraten. (mtl)

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