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Urteil

Rottweiler bekam Maulkorb verordnet

Bisher durfte der Rüde in Regensburg auch ohne Leine laufen. Doch dann ging er auf eine Hundehalterin und deren Hund los.
Von Marion von Boeselager

Manche Rottweiler müssen einen Maulkorb tragen, auch wenn der Rottweiler nicht als Kampfhund eingestuft ist. Symbolfoto: Karl Mittenzwei/dpa
Manche Rottweiler müssen einen Maulkorb tragen, auch wenn der Rottweiler nicht als Kampfhund eingestuft ist. Symbolfoto: Karl Mittenzwei/dpa

Regensburg.Der Rottweiler Oskar (Name geändert) ist kein Kampfhund, und dank eines „Negativattests“, das dem Rüden keine gesteigerte Aggressivität bescheinigt, darf sein Besitzer ihn in Regensburg halten. Die Stadt verpflichtete ihn aber, sich an einige Auflagen wie „Leinenpflicht auf öffentlichem Verkehrsgrund mit regem Verkehr“ zu halten.

Doch im August 2018 kam es in Graß zu einem Vorfall, der Zweifel an der Harmlosigkeit des Tieres aufkommen ließ: Die Eltern des Halters führten Oskar ohne Leine auf einem Feldweg spazieren. Plötzlich sprintete der Rottweiler los und stürmte auf eine 50 bis 200 Meter entfernte Frau los, die mit ihrem Vierbeiner im Wohngebiet hinter den Hausgärten unterwegs war. Die Eltern konnten den Rüden nicht zurückrufen. Es kam zu „Drohgebärden“ und zum Gerangel zwischen den großen Hunden. Die Frau griff in den Tumult ein und trennte die Tiere. Dabei zog sie sich eine Verletzung an der Hand zu, deren Ursache sich nicht völlig klären ließ. Hatte Oskar zugebissen? Auch ein Gelenk war offenbar betroffen. Die Ärztin konnte zwei Wochen ihrer Tätigkeit nicht nachgehen.

Stadt verschärfte Haltungs-Bedingungen

Die Stadt verschärfte daraufhin die Bedingungen für Oskars Haltung: Von nun an musste das Tier außerhalb des Hauses rund um die Uhr an einer maximal 1,5 Meter langen Leine mit schlupfsicherem Halsband geführt werden – auch auf verkehrsarmen Wegen und sogar auf dem Haltergrundstück. Anders als bisher war freier Auslauf außerhalb öffentlicher Wege und bewohnter Gebiete nur noch mit einem stabilen Maulkorb erlaubt.

Tiere

Wie gefährlich ist der Hund?

Der Australian Shepherd, der in Regensburg ein Kind biss, war früher bereits auffällig und auch beim Ordnungsamt bekannt.

Gegen den Bescheid zog der Halter vor das Verwaltungsgericht. Seine Vertreterin erklärte, der Vorfall sei „nicht hinreichend aufgeklärt“ worden. Unklar sei, wer das Gerangel begann und ob überhaupt ein Hund zubiss. Die Verletzung der Geschädigten sei geringfügig. Die neuen Anordnungen seien nicht verhältnismäßig. Die Vertreterin der Stadt konterte, es sei „ein Entgegenkommen“ der Stadt an die Kläger, dass „Oskar“ mit Maulkorb noch frei laufen dürfe.

Von dem Hund gehe „konkrete Gefahr“ aus

Auch das Gericht kam zum Ergebnis, die schärferen Anordnungen der Stadt seien – bis auf eine Ausnahme – angemessen. Der Vorfall habe gezeigt, so die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung, dass von Oskar „konkrete Gefahr“ ausgehe. Er sei auf die Geschädigte und ihren Hund zugelaufen und habe das Gerangel ausgelöst. Es sei „nicht entscheidend“, ob er dabei zugebissen habe. Es sei „dem Tierwohl geschuldet“, dass der Rottweiler außerhalb bewohnter Gebiete auch frei laufen dürfe, dann aber nur mit Maulkorb.

„Das wird den Schrecken für den, auf den der Hund dann zuläuft, zwar nicht ganz aufheben, aber doch verringern.“ Auf dem Haltergrundstück, so die Entscheidung, darf Oskar sich aber nach wie vor ohne die kurze Leine aufhalten. „Der Halter muss aber dafür sorgen, dass der Hund nicht unkontrolliert das Grundstück verlässt“ – etwa durch einen Zaun oder eine lange Schleppleine.

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