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Jahresrückblick

Von Bruchbuden und Neid-Tempeln

Die Jahn-Kicker Thomas Kurz und Oliver Hein erlebten den Quantensprung zum neuen Stadion mit – und erzählen Anekdoten.
Von Norbert Lösch, MZ

  • Fühlen sich im neuen Stadion pudelwohl, auch wenn nicht gekickt wird: die Jahn-Spieler Thomas Kurz (links) und Oliver Hein. Foto: Lösch
  • Die Continental Arena hat im zurückliegenden Jahr ihre große Feuertaufe bestanden. Foto: Gruber

Regensburg.„Früher waren wir die Underdogs und hatten eine Bruchbude. Bei Auswärtsspielen haben wir die schönen Stadien gesehen und Bedingungen, die von uns keiner kannte. Jetzt ist es genau umgekehrt.“ Thomas Kurz und Oliver Hein, die seit Jahren zum Stammpersonal des Jahn zählen, blicken keinesfalls mit Wehmut an die Prüfeninger Straße zurück. Nostalgie sei auch fehl am Platz, wenngleich sie mit dem alten Jahnstadion auch sportliche Erfolge verbinden, die sie in der neuen Continental Arena erst noch erreichen wollen. „Jetzt haben wir zwar ein super Stadion, spielen aber leider nur in der Regionalliga“, fasst Defensivmann Thomas Kurz das Dilemma des Jahres 2015 zusammen.

Vieles ist noch präsent

Die Zeit vor und nach dem Wechsel nach Oberisling lasse sich schlecht vergleichen, meinen die beiden. Während in der Rückschau auf die „Bruchbude“ positive – zum Beispiel der Aufstieg und die Spielzeit in der 2. Liga – und negative – am schlimmsten war der Abstieg in Liga vier – Erlebnisse noch präsent seien, gab es in der neuen Arena von Anfang an „Erfolgsdruck“. „Der Verein und die Stadt haben verständlicherweise hohe Erwartungen, die auf uns Spielern lasten. Das haben wir uns mit dem Abstieg aber selbst eingebrockt, und da müssen wir auch durch“, sagt Kurz.

Der Mittelfeldspieler erinnert sich an kalte Duschen und ausgefallene Heizungen. „Und es kam auch vor, dass da die eine oder andere Maus durch die Kabine gelaufen ist.“ Ein krasses Erlebnis hat Kollege Hein noch in Erinnerung: „Einmal hab’ ich eine Ratte mit dem Badeschlappen eingefangen und rausgeworfen.“

„Einmal hab’ ich eine Ratte mit dem Badeschlappen eingefangen und rausgeworfen.“

Jahn-Spieler Oliver Hein

Die widrigen Bedingungen hätten sie damals aber als gegeben akzeptiert, und sie hätten die Mannschaft eher zusammengeschweißt. „Es war trotzdem eine schöne Zeit, und keiner von uns hat sich wirklich daran gestört“, sagt Hein. „Ich glaube sogar, dass das damals ausschlaggebend für den Aufstieg in die 2. Liga war“, blickt Thomas Kurz zurück. Nach Siegen habe es mittlerweile legendäre „Kabinen-Partys“ gegeben. Eine Verbindung gebe es immer noch: „Die Stadionkneipe, die Jahntribüne, nutzen wir derzeit als Gymnastikraum. Bankdrücken oder Kreuzheben machen wir halt auf einer Bierbank. Das sind noch so Spuren der Vergangenheit“, berichtet Oliver Hein. „Wenn wir dann zum neuen Stadion hochfahren, wird einem der Perspektivwechsel noch einmal voll bewusst.“

Der Absturz in die Viertklassigkeit nagt noch immer an den Spielern. Ausgerechnet in der Saison, in der das neue Stadion fertig wurde. „Denn das ist meiner Meinung nach nicht nur drittligatauglich, sondern sicher noch eine Klasse höher anzusiedeln“, sagt Kurz. Und ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem sich ihr Verein strukturell neu aufgestellt hatte. „Jetzt kommt man sich auch vor wie in einem Profiverein.“

Das erste Heimspiel gegen Aschaffenburg (3:2), das am 16. Juli gleichzeitig das Eröffnungsspiel der Regionalliga Bayern war, erlebten beide auf dem Rasen mit. Thomas Kurz: „Das war schon ein Highlight und ein ganz anderes Feeling, vor so vielen Zuschauern in diesem wunderschönen Stadion aufzulaufen. Es hat einfach Spaß gemacht, und es hat auch durchweg Spaß gemacht in der ganzen Vorrunde. Selbst wenn wie zuletzt nur 4000 Leute da sind, nimmt man das als Spieler ganz anders auf. Das puscht einen.“

„Selbst wenn wie zuletzt nur 4000 Leute da sind, nimmt man das als Spieler ganz anders auf. Das puscht einen.“

Jahn-Spieler Thomas Kurz

„Dieses Stadion ist tatsächlich etwas ganz anderes. Ich weiß nicht, ob wir diese Regionalliga-Saison im alten Stadion mit der gleichen Mannschaft spielen würden. Spieler sind jetzt ungleich leichter für den Jahn zu gewinnen“, sagt Olli Hein. Zuschauer übrigens auch: „Jetzt kommt auch mein Schwiegervater zu jedem Heimspiel. Der war zuvor überhaupt kein Jahnfan“, plaudert Thomas Kurz aus dem familiären Nähkästchen. „Wir erfahren insgesamt mehr Unterstützung von den Rängen, auch wenn es mal nicht so läuft. “

Dass sich in Regensburg in Sachen Fußball etwas entwickelt hat und bei Spielen richtig Stimmung ist, hat sich auch bei Gegnern herumgesprochen. Kurz: „Ich kenne einen Spieler eines Konkurrenten, der zwar geknickt war, weil sein Team verloren hat. Aber er hat zu mir gesagt: ,Das ist phänomenal hier, das ist der Wahnsinn’.“

Die Feuertaufe ist längst bestanden

Die Continental Arena hat im zurückliegenden Jahr ihre große Feuertaufe bestanden. Auch wenn es bei den ersten Spielen noch manchmal an der Logistik haperte oder Schankanlagen streikten, fühlten sich die Zuschauer von Anfang an wohl im neuen Stadion. Komplett ausverkaufte Eröffnungs-, Freundschafts- und Ligaspiele im mehr als 15000 Fans fassenden Rund sind dafür ein klarer Beleg. Und dass die sportliche Leistung bei den Heimspielen meist stimmte, linderte bei vielen den heftigen Schmerz nach dem Abstieg in die Regionalliga. Dort jedenfalls ist der Jahn der „Zuschauerkrösus“: Zu den bisher zehn Heimspielen pilgerten nach offizieller Statistik insgesamt 75685 Fans. Das ist einsamer Liga-Rekord, denn die Konkurrenten erreichten bei ihren Heimpartien nicht einmal die Marke von 20000. Durchschnittlich mehr als 7500 Besucher in der Arena – das ist locker drittligareif.

Den gesamten Jahresrückblick für 2015 finden Sie hier

Beim Jahn schon einiges erlebt

  • Allrounder mit Verlängerungsoption

    Thomas Kurz (27) kam im Sommer 2011 zum Jahn. Der Mittelfeldspieler hat seitdem alle Höhen und Tiefen in drei Spielklassen miterlebt. Kurz gilt als Allrounder. Er hat einen Vertrag bis Saisonende – mit Verlängerungsoption.

  • Mit 25 schon fast ein Urgestein

    Oliver Hein (25) ist schon seit 2007 für den Jahn aktiv und gilt auch bei den Fans als Identifikationsfigur – nicht erst seit seinem umjubelten Treffer gegen die „kleinen Bayern“. Er hat ebenso schon auf diversen Positionen gespielt.

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