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Projekt

Ort der Nachbarschaftskultur

Viele Regensburger feierten die Eröffnung der Grünen Oase. Beim Fest war auch die Kritik an der öffentlichen Veranda Thema.
Von Davina Lang, MZ

In der Regensburger Obermünsterstraße eröffnete Transition Town einen Innenstadtgarten - die Grüne Oase.

Regensburg.Tanzende Paare, lachende Kinder und schmissige Latino-Klänge: Wer am Samstagabend die Obermünsterstraße passierte, der konnte die pure Lebensfreude in gelöster Atmosphäre kaum übersehen. Grund war die feierliche Eröffnung der Grünen Oase. Bereits den ganzen Nachmittag wurde der von der Bürgerbewegung Transition Regensburg e.V. initiierte Freisitz mit einem bunten Fest von Mitwirkenden, Nachbarn und Anwohnern gebührend eingeweiht.

Bevor die öffentliche Veranda am Abend zu einem Salsa-Parkett umfunktioniert wurde, eröffnete Oberbürgermeister Joachim Wolbergs gemeinsam mit dem dritten Bürgermeister, Jürgen Huber, die Grüne Oase ganz offiziell. Oberbürgermeister Wolbergs positionierte sich klar für das alternative Projekt der Regensburger Transition-Bewegung. „Wir brauchen mehr Grün in dieser Stadt und wir brauchen Teile, die nicht so g’schleckt sind“, sagte er. „Wenn wir auf Dauer gut in dieser Stadt leben wollen, muss Regensburg auch eine urbane Stadt sein“, bekräftigte Wolbergs. Und ein urbanes Leben fordere auch mal etwas „Schräges“.

Bereits drei Gemeinschaftsgärten

Für Regensburg vielleicht anfangs noch etwas „schräg“, für viele andere Großstädte auf der ganzen Welt schon seit Jahren etabliert – sogenannte Transition-Projekte. Nachdem die ehrenamtliche Organisation Transition Regensburg bereits drei Gemeinschaftsgärten, das bargeldlose Tauschgeschäft „Wechselwelt“, ein Repair-Café sowie Projekte wie die „Küche für alle“ oder ein Bikesharing in der Stadt verwirklichte, schufen die Anhänger der Nachhaltigkeitsbewegung mit der Grünen Oase „einen Ort der Nachbarschaftskultur“, um es mit den Worten von Mitinitiator Klaus Burkard auszudrücken. Die Grüne Oase steht allen Bürgern zum Gärtnern, Gestalten und Genießen zur Verfügung.

Eine bunte Mischung an Altstadtbewohnern weihte die Grüne Oase in der Obermünsterstraße ein.
Eine bunte Mischung an Altstadtbewohnern weihte die Grüne Oase in der Obermünsterstraße ein. Foto: Lang

Was anfangs von Kritikern als „Sperrmüll“ abgetan wurde, hat nach Fertigstellung durch etwa 60 Freiwillige durchaus seinen eigenen Charme. Hier und da sind die recycelten Latten der Blumenbeete, die um die Veranda herum zusammen gezimmert wurden, vielleicht etwas schief geraten und für den ein oder anderen Blumenkübel wurde eher unkonventionelles Material wie etwa alte Munitionskisten verwendet, aber genau das macht das Transition-Projekt zu etwas Einzigartigem.

Den Kritikern der letzten Tage, die fehlende Parkplätze oder die Optik der Selfmade-Veranda zum heißen Diskussionsgegenstand gemacht haben, steht Burkard insgesamt äußerst versöhnlich gegenüber. „Viele Menschen merken, dass Lebensqualität nicht unbedingt heißt, das jeder 24 Stunden täglich einen Parkplatz zur Verfügung hat“, bekräftigte er im Zusammenhang mit dem Verlust der Parkmöglichkeiten in der Obermünsterstraße.

OB hofft auf Geduld

Was die von manchen Nachbarn veräußerte mangelnde Optik angehe, vermute Burkard klar ein Missverständnis. „Die Kritik kam, als die Veranda tatsächlich noch eine Baustelle inklusive zahlreichem Gerümpel war“, sagte der Transition-Aktivist. Nun seien Bauzaun, Recycling-Reste sowie andere Arbeitsmaterialien den frisch angebauten Tomaten und blühenden Petunien gewichen und man könne nun endlich gemeinsam feiern, so Burkard.

Auch OB Wolbergs äußerte sich als Vertreter der Stadt zur Diskussion der letzten Tage. So erhoffe er sich etwas Geduld von den Kritikübenden, man solle „erstmal abwarten“. Für den Kritikpunkt, dass für die Gemeinschaftsterrasse vier Anwohnerparkplätze wegfallen, zeigte der Oberbürgermeister kein Verständnis und verwies auf das neue Parkhaus im Petersweg. „Die Obermünsterstraße ist eigentlich traumhaft schön, es stehen nur zu viele Autos rum“, führte er weiter aus.

Die Grüne Oase wurde durch eine befristete Sondernutzungserlaubnis der Stadt zunächst für ein Jahr genehmigt. „Wir erhoffen uns, dass die Grüne Oase ein Pilotprojekt wird. Wir wollen nicht nur selber etwas schaffen, sondern auch andere Menschen inspirieren, ähnliche Projekte in ihren Stadtteilen verwirklichen zu wollen“, sagte Projekt-Mitinitiator Burkard.

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