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Stadtgrün

Gartenschau: Der Traum ist geplatzt

Die Stadt Regensburg und das Fürstenhaus konnten sich nicht einigen. Damit wird das Pürkelgut dem Verfall preisgegeben.
Von Marion Koller, MZ

Leider passé: Für die Landesgartenschau wäre das Pürkelgut saniert worden. Doch die kommt nicht.
Leider passé: Für die Landesgartenschau wäre das Pürkelgut saniert worden. Doch die kommt nicht. Foto: Archiv

Regensburg.Der stark verkehrsbelastete Regensburger Südosten braucht dringend mehr Grünflächen. Stadt und Bürger haben große Hoffnungen auf die Landesgartenschau 2024 gesetzt. Jetzt ist das Prestigeprojekt von Umweltbürgermeister Jürgen Huber geplatzt. „Es wird keine Landesgartenschau 2024 in Regensburg geben“, sagte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs am Dienstag auf MZ-Anfrage. „Wir konnten die Verhandlungen mit dem Fürstenhaus nicht erfolgreich abschließen.“ Den genauen Grund nannte er nicht.

Auch die Thurn und Taxis Immobilienverwaltung hielt sich bedeckt. „Dazu geben wir keine Auskunft“, sagte Mitarbeiterin Marianne Grudzinski nach Rücksprache mit ihrem Chef.

Bei den Verhandlungen ging es um den Ankauf eines großen Geländes rund um das heruntergekommene Pürkelgut im Stadtosten. Offenbar konnten sich das Fürstenhaus und die Stadt nicht über den Kaufpreis einigen.

Das Scheitern bedeutet nicht nur für Huber einen herben Rückschlag, sondern vor allem für die Bewohner, die schon lange für mehr Grün- und Erholungsflächen kämpfen. Das Viertel hat Nachholbedarf: Dort wohnen viele Menschen, aber es gibt nur wenig grüne Oasen und Spielplätze. In den kommenden Jahren wird dort gebaut, weitere Neubürger werden zuziehen. Höchste Zeit also, um den Stadtteil aufzuwerten. Das wollten die Regensburger Grünen mit der Gartenschau erreichen. Im verkehrsgeplagten Osten zwischen Landshuter Straße, Odessaring und den Bahngleisen sollte auf 40 Hektar ein weitläufiger Landschaftspark entstehen.

Bürgerverein reagiert enttäuscht

Vor genau einem Jahr hatte Jürgen Huber die Bewerbung angekündigt. Sein Job sei, die Lebensqualität der Regensburger zu erhöhen, sagte er damals zur MZ. Rund um das Pürkelgut werde – besonders aus Gerechtigkeitsgründen für das Kasernenviertel und den Südosten der Stadt, die die größte Lärmbelastung durch Straßen und Eisenbahn tragen – ein schöner öffentlicher Park entstehen, der über die Landesgartenschau hinaus erhalten bleibe.

Bürgermeister Jürgen Huber
Bürgermeister Jürgen Huber Foto: Archiv

Der Park werde das ganze Stadtklima beeinflussen. Auch Schloss Pürkelgut werde man damit vor dem endgültigen Verfall retten, sagte er 2015. Nach dem Scheitern am Dienstag meldete sich Bürgermeister Huber trotz Rückrufbitten der MZ nicht.

Der Bürgerverein Süd-Ost macht sich seit Jahrzehnten für mehr Grün und bessere Lebensbedingungen in dem Wohngebiet stark. Auf das Aus für die Gartenschau reagierte Vorsitzender Johann Brandl am Dienstag enttäuscht. „Sehr bedauerlich“, sagte der 61-Jährige. Er hoffe, dass die Stadt für einen Ausgleich im Viertel sorgen werde.

Bislang existierten im Südosten keine sehr hochwertigen Grünareale. Brandl plädiert dafür, den Ostpark an der Landshuter Straße aufzuwerten. Dieser habe zwar eine schöne Größe, sei aber lediglich eine „grüne Wiese mit Baumbestand drum herum“. „Man könnte mehr daraus machen“, wünschen sich Brandl und weitere Mitglieder des 40-köpfigen Bürgervereins.

Als gelungenes Beispiel einer Erholungsfläche nennt Brandl den Burgunderring an der Nordseite der Nibelungenkaserne. Dieser werde sehr schön gestaltet: mit Streuobstwiese, Bolzplatz und Sitzgelegenheiten. Im Osten schließe sich der gut dazu passende Dirt-Park für Geländeradfahrer an, daneben liegen eine Skaterbahn und ein Basketballfeld. Beim Jugendzentrum Arena (Unterislinger Weg) entstehe ein Bauspielplatz.

Eine Hoffnung fürs Viertel gibt es

„Weitere Grünflächen sind dringend erforderlich“, betonte Johann Brandl. Schon als Ausgleich für die Verkehrsbelastung, die ein „Riesenthema“ für die Bewohner sei.

Eine Hoffnung gibt es für das Viertel: OB Wolbergs hat vor, die Bewerbungsmappe für die Landesgartenschau trotzdem dem Stadtrat vorzulegen. „Wir wollen, dass im Osten eine Erholungs- und Grünfläche entsteht.“ Die im Konzept beschriebenen Ziele betrachte er als Richtschnur für die Weiterentwicklung des Stadtteils, unterstrich der OB. Besonders das Thema Naherholung werde weiter verfolgt. Auch eine erneute Bewerbung für eine Landesgartenschau schloss der OB nicht aus. Das wäre aber erst für 2026 möglich.

Auf der Facebookseite der MZ bedauerten etliche Regensburger das Scheitern der Verhandlungen.

In #Regensburg wird es im Jahr 2024 keine Landesgartenschau geben. Die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Fürstenhaus sind gescheitert.

Posted by Mittelbayerische on Dienstag, 12. Januar 2016

Bis 2026 keine Chance

  • Alle zwei Jahre:

    In Bayern werden seit 1990 im Zweijahresrhythmus Landesgartenschauen veranstaltet. In den Zwischenjahren gibt es kleine Schauen unter dem Motto „Natur in der Stadt“.

  • 2020 in Ingolstadt:

    Die Veranstaltungsorte stehen bis 2020 (Ingolstadt) fest. Wenn Regensburg in einigen Jahren noch einmal den Mut fasst, könnte es sich bewerben – für 2026 oder 2028.

  • Besucher:

    Millionen Besucher kommen. Die Landesgartenschau im Jahr 1990 in Würzburg hatte mit 2,5 Millionen Gästen die bislang größte Resonanz.

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