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Sport

Parkour nimmt Anlauf zu neuen Ufern

Der Regensburger Verein macht große Sprünge – unter anderem mit neuen Parkourparks beim IT-Speicher und bei der Conti-Arena.
Von Micha Matthes, MZ

  • Eine Trendsportart im Aufschwung: Seit seiner Gründung vor zwei Jahren verzeichnet der Parkour-Verein enormen Zuwachs. Foto: Parkour Regensburg
  • Mit imposanten Tricks machen Parkour-Läufer die Stadt zum Spielplatz. Foto: Parkour Regensburg
  • 1700 Quadratmeter Spielfläche für Jugendliche: Auf Höhe des IT-Speichers baut die Stadt am Donauufer unter anderem einen neuen Parkour-Park. Foto: Lex
  • Aus Knetmasse modellierten die Jugendlichen Entwürfe für Hindernisse. Foto: Parkour Regensburg
  • Jeden Mittwoch trainieren die Traceure im Von-Müller-Gymnasium. Foto: Parkour Regensburg

Regensburg.Sie springen von Dächern, balancieren über Geländer, ziehen sich an Mauern hoch: Beim Parkour suchen sich die Läufer – Traceure genannt – ganz gezielt Hindernisse im Stadtgebiet, die sie dann möglichst kreativ und effektiv überwinden. Die Steine, die dem Verein Parkour Regensburg zuletzt immer wieder in den Weg gelegt wurden, bereiteten den rund 80 jungen Sportlern allerdings kein Vergnügen.

Neben einem Mittwochs-Termin in der Halle des Von-Müller-Gymnasiums trainieren sie jeden Sonntag auch im Freien an ganz unterschiedlichen Orten. In der Thundorfer Straße, an der Eisernen Brücke oder an der Universität: Im Stadtgebiet gäbe es viele Geländer und Mauern, die sich laut Max Rieder, Vorsitzender von Parkour Regensburg, gut zum Sprungtraining eigneten.

Doch immer wieder werden die Sportler dort von Ordnungsamt, Polizei oder Anwohnern vertrieben. „Das schränkt das Spektrum an Trainingsmöglichkeiten enorm ein“, sagt Rieder. Zumal der Verein seit seiner Gründung vor zwei Jahren einen großen Zuwachs verzeichnet. Allein im Januar traten der Gruppe zehn neue Mitglieder bei.

Sportler erobern Neuland

Doch jetzt ist endlich Land in Sicht. Zwei ganz „legale“ Trainingsplätze sollen für die jungen Sportler entstehen. Während es bei dem Parkour- und Skatepark in Burgweinting – auf Höhe der Continental-Arena –, den der Verein in Zusammenarbeit mit dem Gartenbauamt plant, derzeit jedoch noch Probleme mit der Grundstücksvergabe gibt, werden bei einem weiteren Park im Ufergebiet der Donau – auf Höhe des IT-Speichers – nun bereits konkrete Entwürfe geschmiedet.

Insgesamt soll dort auf rund 1700 Quadratmetern eine Spielfläche für Jugendliche gebaut werden – aufgeteilt auf einen sportlichen Bereich mit Parkour-Park sowie eventuell einer Longboard-Bahn und einen ruhigen Bereich zum Entspannen und Zusammensitzen mit Grillflächen. Zu dieser Spielfläche wurden im Januar Beteiligungs-Workshops mit Jugendlichen abgehalten, bei denen auch der Parkour-Verein seine Ideen einbrachte.

Strohhalme, Knetmasse, Zahnstocher, Schaumstoff: Aus verschiedensten Materialien bastelten die Jugendlichen Modelle für Trainingsgeräte. Der Park wird vor der Hochwassermauer auf Höhe der derzeitigen Beach-Bar liegen. Es soll ein Bereich mit Mauern und Stangen für Präzisionssprünge und kreative Möglichkeiten der Überwindung entstehen. Daneben werde es auch eine Freifläche für Aufwärmübungen und Anleitungen bei Workshops geben, sagt Rieder.

Alle Trainingsgeräte müssten in Fließrichtung ausgerichtet sein, damit sich bei Hochwasser kein Baum, der in der Donau treibt, in den Objekten verkeilen kann. „Der Park sollte vielseitig von allen Seiten in verschiedene Richtungen durchquerbar sein.“ Bei den Hindernissen handelt es sich um statische Objekte. „Damit der Park lange spannend bleibt, brauchen wir ein absolutes Maximum an Kreativität bei der Planung.“

Spielfläche kostet 275 000 Euro

Die Entwürfe wurden an das Berliner Landschaftsarchitekturbüro Rose Fisch übergeben, das nun die Umsetzbarkeit auswertet und verschiedene Materialien für die Hindernisse prüft. Die Kosten für Planung und Bau der kompletten Spielfläche beim Marina Quartier betragen 275 000 Euro. Sie werden zwischen Stadt und Investor aufgeteilt. Die Umsetzung des Projekts wird zwei Jahre dauern.

Es gehe beim Parkour zwar eigentlich darum, dass sich der Traceur der Umgebung anpasst – nicht die Umgebung dem Traceur. Trotzdem sieht Rieder die geplanten Parks als eine gute Lösung. „Sie erleichtern unserem Verein das Leben.“

Die Turnhalle sei schon lange zu klein für die 80 Mitglieder. Oft seien es ältere Herrschaften, die kein Verständnis für die Philosophie der Sportart hätten und sich bei der Polizei beschwerten, wenn sie die Traceure auf einem öffentlichen Platz trainieren sehen. „Sie unterstellen uns immer gleich mutwillige Sachbeschädigungen. Dabei bewegen wir uns nur kreativ über die Plätze“, sagt Rieder. „Wir wollen den Sport im Einklang mit unserer Umgebung praktizieren. Wir respektieren das Eigentum anderer und halten uns an alle Vorgaben. Das ist in unserer Vereinskultur so verankert.“

Die Stadt als Spielplatz

  • Der Franzose David Belle

    erfand Ende der 80er-Jahre die spielerische Fortbewegungsmethode Parkour in der Betonwüste des Pariser Vororts Lisse. Parkour war für ihn mehr als eine einfache Sportart. Es ist Kunst, Kulturphilosophie und Revolte – gegen moderne Antilandschaften und die Kommerzialisierung. Parkour bedeutet die friedliche Rückeroberung des urbanen Raums und die Befreiung von räumlichen Schranken.

  • In Regensburg

    treffen sich seit 2008 Traceure, um gemeinsam zu trainieren. Mit der Unterstützung des Vereins Free Arts of Movement hat sich die Gruppe 2012 zu einem Jugendverein umstrukturiert. Parkour Regensburg versteht sich als Ansprechpartner für Parkour und Freerunning in der Oberpfalz.

Video von kopfkino-kollektiv.de

Parkour from CMashini on Vimeo.

Until Now. - Parkour Regensburg e.V. Sampler (2013) from Parkour Regensburg e.V. on Vimeo.

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