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Ehrenamt

Schwitzen und dabei Gutes tun

Junge Engagierte packen beim „Schwitztag“ der Evangelischen Jugend Regensburg im Haushalt an. Der Erlös geht an Geflüchtete.
Von Sarah Sophie Ruppert

  • Max und Jannick machten sich an die Arbeit im Stadtosten. Bei Teresa Kraus putzten sie Gartenstühle, jäteten Unkraut und bepflanzten im Nachgang die Blumenkübel neu. Foto: Sarah Sophie Ruppert
  • In der Altstadt halfen Jonas und Lukas beim Fensterputzen aus. Ute Meyer-Jung nimmt den Dienst schon viele Jahre in Anspruch. Im Anschluss trugen die beiden Männer schwere Taschen voll mit Büchern ins Erdgeschoss. Foto: Sarah Sophie Ruppert
  • Ebenfalls im Stadtosten machten sich Michelle und Fabian an die Arbeit im Garten. Unkraut jäten stand an erster Stelle. Für nächstes Jahr überlegt sich die Auftraggeberin, ob sie die Ehrenamtler zum Holzhacken einteilt. Foto: Sarah Sophie Ruppert
  • Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (im Bild 5.v.r.) verrichteten ein Dutzend junger Menschen unentgeltliche Arbeit bei vorwiegend älteren Leuten. Foto: Sarah Sophie Ruppert

Regensburg.Gemeinsam saß die Jugend im Gruppenraum des Evangelischen Jugend- und Familienzentrums: Die jungen Menschen frühstückten noch schnell zusammen, bereiteten die Vesper vor und holten bei Dekanatsjugendreferentin Kirstin Kuntz-Quedraogo und Projektleiterin Theodora Bruckert letzte Instruktionen ein. Danach ging es zügig weiter, denn die ersten Auftraggeber warteten schon. Es gab einiges zu tun, der Zeitplan beim „Schwitztag“ der Evangelischen Jugend im Donaudekanat Regensburg war straff. Auch dieses Jahr hatten sich viele Interessierte angemeldet und hofften auf den Dienst der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Doch was passiert an diesem Tag eigentlich?

Seit über 15 Jahren richtet das Evangelische Jugendwerk in Regensburg den „Schwitztag“ aus. Das Erfolgsprojekt findet immer wieder neue Ehrenamtliche, die sich einen Tag lang kostenfrei bei Haushalts- oder Gartenarbeiten für meist ältere Menschen, aber auch Familien, engagieren. Umsonst ist es für die Auftraggeber dennoch nicht, sieben Euro pro Stunde und Person legen sie am Ende auf den Tisch – doch nicht für die Helfer. Die jungen Menschen verzichten ganz bewusst auf den Obolus, denn die Einnahmen fließen am Ende des anstrengenden Tages in ein gemeinnütziges Vorhaben.

Integration auf einfache Weise

Heuer findet das soziale Projekt „Gemeinsam verschieden – wir werden Freunde!“ dafür Verwendung. Initiator ist die Evangelische Jugendsozialarbeit in Kooperation mit der Evangelischen Jugend. Jannick Tröbs, dritter Mann im Organisationsteam und Helfer des „Schwitztages“, ist der ehrenamtliche Beitrag wichtig, denn dadurch wird das seit 2016 bestehende Wohnprojekt für junge Geflüchtete im Marienstift unterstützt. Er sieht auch im „Jugendcafé“ eine schöne Möglichkeit der Integration: Kontakte werden auf einfache Weise geknüpft.

An etlichen Stationen packten die jungen Helfer freiwillig und unentgeltlich an. Insgesamt 17 Aufträge waren an diesem Tag im Stadtgebiet und der näheren Umgebung zu erledigen: Fenster und Küchenschränke putzen, Höfe säubern, Balkone und Gärten bepflanzen, Unkraut jäten oder den Schuppen entrümpeln. Ute Meyer-Jung aus der Altstadt gehörte zu den Glücklichen, sie empfing zwei junge Männer zum Fensterputzen. „Ich finde, es ist eine ganz tolle Unterstützung und Erleichterung. Einmal im Jahr werden die Fenster sauber“, lächelt Meyer-Jung, die das Angebot nicht zum ersten Mal annimmt. Unkraut entwurzeln und allgemeine Gartenarbeiten durften Michelle und Fabian im Stadtosten übernehmen. „Die Aktion finde ich cool – von Mensch zu Mensch“, erklärte die junge Helferin. Fabian ist selbst bei der Evangelischen Jugend und war sofort dabei: „Ich kann mir vorstellen, das weiterhin zu machen.“

Teresa Kraus buchte das Unterstützer-Duett bereits im dritten Jahr und zog ihr Fazit: „Es sind meistens Sachen, zu denen ich nie komme.“ Die beiden Helfer wurden zum Schrubben der weißen Gartenstühle eingeteilt. Kraus erhofft sich, dass auch ihre beiden Kinder einmal bei der Aktion mitmachen, wenn diese das Mindestalter von 14 Jahren erreicht haben. Auch in der Kirchengemeinde St. Lukas schlug ein zwei Mann starker Putztrupp auf, der die Gemeindeküche von oben bis unten zum Glänzen brachte. Kirstin Kuntz-Quedraogo weiß, dass es jede Menge Leute gibt, die sich über den Einsatz freuen: „Ich hoffe, ihr könnt eine tolle Hilfe sein.“ Jedes Mal freue sie sich neu auf den schönen Tag, jedes Mal sei er aufregend.

„Ich kann nicht einspringen“

Vor allem ist sie auch angetan von der Hilfe der Sponsoren. Der RVV stattete die jungen Arbeiter mit Tagestickets aus, um schnell von A nach B zu kommen. Labertaler, Schifferl und Rewe sorgten mit Getränken und Proviant für die Energie. Auch Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sprach von einer „tollen Aktion“. Sie wisse, dass es Menschen gibt, die sich freuen, wenn sie Hilfe erhalten, und denke dabei an ihre über 80 Jahre alte Mutter. Am Ende gab es einen kleinen Engpass, da ein Helfer kurzfristig absagte. Maltz-Schwarzfischer heiter dazu: „Ich habe heute leider viele Termine, ich kann nicht einspringen.“ Am Ende des Tages kamen 643 Euro für „Gemeinsam verschieden – wir werden Freunde“ zusammen. Interessenten am „Schwitztag“, ob Auftraggeber oder ehrenamtliche Mitarbeiter, können sich für das kommende Jahr die Website www.ej-donaudekanat.de/ferienfreizeiten vormerken. Das Jahresprogramm ist aber noch nicht freigeschaltet. Weitere Informationen gibt es unter Tel. (0941) 5998972.

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