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Society

„Sowas wie die Geissens, nur besser“

Karl Heinz Fürst von Sayn-Wittgenstein kehrte für seine erste eigene Doku-Soap zu den Wurzeln zurück – nach Regensburg.
Von Helmut Wanner, MZ

  • Mini-Klassentreffen mit „special guest“ Costa Cordalis (rechts): Peter Maznyk, Karl Heinz Fürst von Sayn-Wittgenstein und Barbara Zaleski vor der Barackenschule, wo sie 1960 eingeschult wurden. Foto: Vox
  • Kirchenzug nach Mater Dolorosa mit Ministranten und Pfarrer Kordick. Im Hintergrund die Barackenschule. Foto: MZ-Archiv
  • Der Fürst als Hartz IV-Empfänger: Von Sayn-Wittgenstein ist in vielen TV-Formaten zu sehen. Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Peter Maznyk sagt, dass es am Hohen Kreuz nur „drei Guade“ gab, die’s geschafft haben. „Der Schels Rudi, der Ruscheinsky Alex und der Porky. Die andern sind alle Haubentaucher.“ Für Maznyk ist und bleibt der aus dem Privat-TV bekannte „Immobilien-Fürst“ der Porky. Der Name kommt von „Schweinchen dick“, der cleveren Comicfigur.

Karl Heinz Sayn-Wittgenstein und Peter Maznyk verbindet eine Geschichte, weit zurückliegt. „Ich hab’s ihm schon dreimal verziehen. Hätte mich der Peter und seine Bande nicht so geschlagen, wäre ich aus dem Viertel wahrscheinlich nicht rausgekommen“, bekennt der Fürst.

Berufswunsch 1960: Millionär

So leben die Wittgensteins heute: In der Colani-Villa in Mallorca.
So leben die Wittgensteins heute: In der Colani-Villa in Mallorca. Foto: MZ-Archiv

„Er war immer schon anders“, meint Barbara Zaleski. Die rote Barbara war ein Schwarm seiner Jugend. „Als uns der Lehrer Pöpperl fragte, was wir einmal werden wollen, hat er geantwortet: Millionär. Das war der Brüller damals.“ So musste sich Porky Schleichwege überlegen, um von der Barackenschule am Hohen Kreuz durch die Kastanienallee zu seiner Oma zu kommen, die neben der Metzgerei Groh am Hohen Kreuz Weg wohnte. Mit goldenen Löffeln im Mund ist Karl Heinz Böswirth nicht aufgewachsen.

Diese Angsträume ist er am Samstag wieder abgelaufen. Er hat sich zur Erinnerung eine Glückskastanie mit nach Mallorca in seine Colani-Villa genommen. Sie ist ihm wertvoller als die goldenen Wasserhähne, die ihm eigentlich nichts bedeuten. Denn die Kastanie stammt aus der Allee zwischen der Schulbaracke, wo er 1960 eingeschult wurde und Mater Dolorosa. Dort hat er vier Jahre unter Pfarrer Kordick ministriert. „Confiteor…“ Er kann das lateinische Hochgebet noch immer aus dem Stand aufsagen. Für eine falsche Antwort auf die Frage, „wann war das Abendmahl?“ bekam er Schläge. „Ich sagte: am Abend.“ Am Samstag stand er in der Sakristei, die noch immer nach Graberde riecht und stellte fest: „Diese Kirche hat sich in den 50 Jahren nicht verändert.“

Dreh für „die Wittgensteins“

Mit seinem Freund Michael Balogh beim Dampfnudel-Uli.
Mit seinem Freund Michael Balogh beim Dampfnudel-Uli. Foto: Vox

Die alte Barackenschule hat sich ins VfR-Vereinsheim verwandelt. Hier ist Drehtermin für seine erste eigene Doku-Soap, die ab 4. Januar bei „vox“ startet. Sie heißt „die Wittgensteins“. „Es wird sowas wie die Geissens, nur besser. Bei mir ist nichts gescriptet, alles ehrlich.“ Sätze wie „mir ist langweilig. Ich geh mal nen Porsche kaufen“, kommen darin nicht vor.

Der Fürst macht keinen Unterschied: Er wird sich für die Serie im November in New York und Los Angeles mit Paris Hilton und Kim Kardashian treffen. Aber am 17. Oktober hat er sich mit Barbara Zaleski und Peter Maznyk verabredet, der Schönen und dem Biest. Der Maznyk Peter wollte diesen Eindruck vermeiden und kam wie auf seine eigene Erstkommunion. Die rote Barbara, Tochter eines in der Nazizeit verschleppten Polen aus Lemberg, erschien stilsicher in Grün und Schwarz und trug dazu Lackstiefel.

„Es war beim Mini-Klassentreffen ein Gefühl wie lange nicht gesehen und sofort wieder gute Freunde“, sagt Barbara Zaleski. „Bodenständig und ohne Allüren“ schildert sie Porky. „Die Kameras haben wir ignoriert. Es war so lustig. An einem Nebentisch saß Costa Cordalis. Und Peter hat gesagt: Costa komm rüber, es kost a nix.“

Frühere TV-Auftritte

  • Immobilienfürst:

    Von Sayn-Wittgenstein war in über 300 Lifestyle-Fernsehformaten zu sehen. Kabel1 widmete ihm 2009/10 das eigene Sendeformat „Der Immobilienfürst“, das in zwei Staffeln wöchentlich zur Hauptsendezeit ausgestrahlt wurde.

  • Secret Millionaire:

    2013 trat er im Reality-TV-Format Secret Millionaire auf. Das Ehepaar besuchte auch Talkshows.

  • Kunst:

    Darüber hinaus ist von Sayn-Wittgenstein Eigentümer der weltweit größten Sammlung von Ölgemälden, Zeichnungen, Skulpturen und Skizzen des Disney-Zeichners Carl Barks.

Andrea von Sayn-Wittgenstein und Costa Cordalis vor der Kapelle des Dampfnudel-Uli.
Andrea von Sayn-Wittgenstein und Costa Cordalis vor der Kapelle des Dampfnudel-Uli. Foto: Vox

Costa Cordalis und der Fürst, muss man wissen, sind wie Brüder, bestätigt der Grieche. „Als ich im Regensburger Riverboat Anita sang, war Karl Heinz Discjockey.“ Sie kennen sich Jahrzehnte. Seit der gemeinsamen Rücken-Reha am Tegernsee kleben der Fürst und Daniela Katzenbergers Schwiegervater „auf Malle“ regelrecht aneinander.

In Berlin haben die Wittgensteins Luxus-Immobilien. Hier ist Gemeindebau der Nachkriegszeit, einst hochgezogen für Flüchtlinge und Vertriebene in Straßen, die nach niederbayerischen Städten benannt sind. „Alle Blocks stehen noch so wie früher“, stellte der Fürst fest, als er durch das Viertel schlenderte, das einmal zwischen Klärteichen, Gleisdreieck und Zuckerfabrik. Wenn man damals die Luft einzog, war der Gestank von brennenden Kupferkabeln in der Luft.

Und dann stand er wieder in seinem Zimmer am Hohen Kreuz Weg. Sein Zimmer ist jetzt die Küche einer Studenten-WG. „Zufällig kamen zum Dreh Eltern, die ihre Tochter besucht haben.“ Da schossen ihm die Tränen in die Augen. Sowas geht ihm nah. Aufgrund schwieriger Familienverhältnisse ist Porky bei seiner Oma aufgewachsen. Die hat bei einem Metzger Balogh in der Malergasse geputzt. Karl Heinz war oft da und hat mit dem Metzgerbuben Michael gespielt. Es war in den Jahren, als er im Viertel geschlagen wurde, sein einziger Freund. Vor den Kameras gab es ein emotionales Wiedersehen nach über 50 Jahren.

Für seine Frau Andrea war das alles sehr berührend. Besonders aber der Moment, als die Tirolerin Porkys Fußabdruck im Zement wiederfand. „Im Ölhafen, bei einem Pfoschten wo die angehängt sind, hab ich den Abdruck gsehn. Da war er a kloaner Stinker von 3 oder 4 Jahren.“

Sein Leben teilt Karl Heinz Sayn-Wittgenstein auch mit der Facebook-Community:

Hallo liebste FB Freundinnen & liebe FB Freunde,seit einigen Wochen haben Andrea und ich so viel an Arbeit wie selten...

Posted by Karl Heinz Fürst von Sayn - Wittgenstein on Wednesday, September 2, 2015

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