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Spendenaffäre

Wolbergs glättet bei Stadtbau die Wogen

Er kann die Belegschaft offenbar besänftigen. Derweil dementiert Tretzel einen Ausstieg aus dem Bauprojekt Nibelungenkaserne.
Von Micha Matthes, MZ

  • Die umstrittene Personalie des neuen Technischen Leiters hatte bei der Stadtbau-Belegschaft für Unmut gesorgt. Am Mittwoch konnte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs offenbar die Wogen glätten. Foto: mt
  • Die umstrittene Personalie des neuen Technischen Leiters hatte bei der Stadtbau-Belegschaft für Unmut gesorgt. Am Mittwoch konnte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs offenbar die Wogen glätten. Foto: mt
  • Die umstrittene Personalie des neuen Technischen Leiters hatte bei der Stadtbau-Belegschaft für Unmut gesorgt. Am Mittwoch konnte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs offenbar die Wogen glätten. Foto: mt

Regensburg.Am Mittag ist alles ganz ruhig. Immer wieder schlendern Kunden in der Hitze zum Haupteingang der Stadtbau heran und machen dann an der Schiebetür wieder kehrt. Dort hängt der Hinweis: „Wegen einer Belegschaftsversammlung bleibt unser Haus heute ab 13.45 Uhr geschlossen“. Die meisten Mitarbeiter warten schon im Gebäude. Ungefähr sechzig Personen nehmen an der Veranstaltung teil. Einige Mitarbeiter sind im Urlaub, ansonsten ist die komplette Belegschaft anwesend. Der Oberbürgermeister kommt zusammen mit seiner Pressesprecherin pünktlich. Vor der Tür raucht er noch eine Zigarette, dann betritt er das moderne Gebäude, in das die städtische Wohnbaugesellschaft Stadtbau erst vor einem Jahr umgezogen ist. Direkt gegenüber türmen sich Schutthaufen. Bauarbeiter reißen dort die Fassade der ehemaligen Stadtbau-Zentrale ab.

In einer Woche steht bei der Stadtbau wieder eine große Neuerung an. Am ersten September beginnt der neue Technische Leiter mit seiner Arbeit. Die umstrittene Personalie hatte bei der Belegschaft der Stadtbau offenbar für Unmut gesorgt. „Die Neubesetzung des Postens durch den ehemaligen BTT-Geschäftsführer und die damit verbundene umfangreiche Berichterstattung belastet die Belegschaft und die Stimmung in unserem Haus“, hatte Stadtbau-Geschäftsführer Joachim Becker am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung gesagt. Wolbergs hatte daraufhin zugesagt, bei der Belegschaftsversammlung für Transparenz zu sorgen, beziehungsweise „die Wogen zu glätten“ und „Licht ins Dunkel“ zu bringen, wie es Becker ausgedrückt hatte.

Becker: Wieder in Ruhe arbeiten

Das alte Gebäude der Stadtbau in der Prinz-Ludwig-Straße ist unterdessen eine Baustelle.
Das alte Gebäude der Stadtbau in der Prinz-Ludwig-Straße ist unterdessen eine Baustelle. Foto: mt

Und scheinbar gelingt das dem Oberbürgermeister am Mittwoch auch tatsächlich. Als die interne Versammlung nach eineinhalb Stunden vorbei ist, erklärt zumindest Geschäftsführer Becker, dass alles völlig unspektakulär und ganz geordnet verlaufen sei. „Die Belegschaft kann nun wieder ganz in Ruhe arbeiten“, sagt er wörtlich. Wie es im Detail zu dieser Wandlung kommt, bleibt Geheimnis der Stadtbau. Dem Vernehmen nach hatte Wolbergs bei der Versammlung aber noch einmal die gesamte Abfolge des Einstellungsverfahrens für den neuen Technischen Leiter dargelegt. Auch Einzelfragen aus der Belegschaft beantwortete Wolbergs. Becker bestätigte vor den Mitarbeitern viele der Informationen.

Vonseiten der Stadt hieß es bereits im Vorfeld der Betriebsversammlung: „Oberbürgermeister Joachim Wolbergs wird am Mittwoch kein Statement abgeben.“ Am Donnerstag folgt dann die Mitteilung der Stadt: „Da nun schon umfangreich über die interne Mitarbeiter-Veranstaltung bei der Stadtbau in den Medien berichtet wurde, erübrigt sich nach Ansicht von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs eine persönliche Stellungnahme.“

Staatsanwaltschaft sagte ab

Der neue Technische Leiter war bei der hausinternen Versammlung der Stadtbau nicht anwesend, CSU-Stadtrat Erich Tahedl und SPD-Fraktionschef Norbert Hartl, die beide Mitglieder des beschließenden Ausschusses der Stadtbau sind, hingegen schon. „Ich finde es sehr gut, dass der Oberbürgermeister die Mitarbeiter über den genauen Sachverhalt informiert hat“, sagt Hartl am Abend.

Die umstrittene Personalie des neuen Technischen Leiters hatte bei der Stadtbau-Belegschaft für Unmut gesorgt. Am Mittwoch konnte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs offenbar die Wogen glätten.
Die umstrittene Personalie des neuen Technischen Leiters hatte bei der Stadtbau-Belegschaft für Unmut gesorgt. Am Mittwoch konnte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs offenbar die Wogen glätten. Foto: mt

Es hätte viele Gerüchte gegeben. Daher sei es sicher sinnvoll gewesen, dass Wolbergs nun für Transparenz gesorgt habe. „Ich glaube, dass unter der Belegschaft jetzt klar ist, wie alles zustande kam und solange nur ein Anfangsverdacht gegen den neuen Technischen Leiter besteht, ist sicher auch niemand gewillt, den Mann fallen zu lassen.“ Bei der Versammlung sei noch einmal deutlich geworden, dass es Wolbergs immer ausschließlich darum ging, einen „Spitzenfachmann“ einzustellen. „Der Technische Leiter hat in den vergangenen 25 Jahren bei Tretzel hervorragende Leistungen erbracht“, sagt Hartl. „Es ist klar, dass da jetzt ein Zusammenhang hergestellt wird, mit den Spenden die er gegeben hat.“ Hartl behauptet außerdem, der Tretzel-Mann habe der CSU genauso viel gespendet.

Dem Vernehmen nach hatte die Kanzlei, die Wolbergs vertritt, auch die Staatsanwaltschaft zu der Versammlung eingeladen. „Wir gehen da nicht hin“, hatte Dr. Markus Pfaller, stellvertretender Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung gesagt. Die Staatsanwaltschaft ermittle ausschließlich mit den Mitteln, die die Strafprozessordnung vorsehe. „Die Teilnahme an einer Versammlungen stellt keine Maßnahme nach der Strafprozessordnung dar.“

Für den Unmut in der Belegschaft der Stadtbau hatte offensichtlich auch die bekanntgewordene Vorbildung des neuen Technischen Leiters gesorgt. Dem Vernehmen nach hatten einige Mitarbeiter erhebliche Kompetenzzweifel gegenüber dem Mann gehegt. Der Betriebsrat der Stadtbau hatte daraufhin einen umfangreichen Fragenkatalog ausgearbeitet, zu dem Wolbergs dann auch bei der Versammlung Stellung bezog. Auch die angebliche Ankündigung des neuen Technischen Leiters, Klage gegen die Stadtbau führen zu wollen, falls das 100-prozentige Tochterunternehmen der Stadt seinen Arbeits-Vertrag kündigen sollte, hatte für Diskussionen unter den Stadtbau-Mitarbeitern gesorgt.

Tretzel: Keine Rückabwicklung

Die umstrittene Personalie des neuen Technischen Leiters hatte bei der Stadtbau-Belegschaft für Unmut gesorgt. Am Mittwoch konnte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs offenbar die Wogen glätten.
Die umstrittene Personalie des neuen Technischen Leiters hatte bei der Stadtbau-Belegschaft für Unmut gesorgt. Am Mittwoch konnte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs offenbar die Wogen glätten. Foto: mt

Derweil dementiert die Firma Tretzel auch einen etwaigen Ausstieg aus dem Bau-Großprojekt Nibelungen-Kaserne vehement. „Ich würde am liebsten die Grundstücke an die Stadt zurückgeben und die Bauarbeiten einstellen“: So zitierte das Wochenblatt Volker Tretzel am Dienstag vergangener Woche. Auf Nachfrage unserer Zeitung meldete sich nun der Anwalt, der Volker Tretzel vertritt, zu Wort. „An der zuletzt kursierenden Nachricht ist absolut nichts dran“, sagt er am Mittwochnachmittag. „Es kann offiziell für die Firma BTT Bauteam Tretzel dementiert werden. Eine Rückabwicklung steht in keiner Weise im Raum.“

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