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NS-Vergangenheit

Der Name Hans Herrmann verschwindet

Die nach dem früheren Oberbürgermeister benannte Grünanlage heißt bald Albert-Schweitzer-Park. Sein Ehrengrab wird aufgelöst.
Von Mathias Wagner und Micha Matthes, MZ

  • Der Hans Herrmann Park wird wohl bald in „Albert-Schweitzer Park“ umbenannt. Foto: mt
  • Der frühere Regensburger OB Hans Herrrmann Foto: Stadt Regensburg
  • Das Ehrengrab von Hans Herrmann auf dem Unteren Katholischen Friedhof Foto: mt
  • Die Hans-Herrmann-Schulen bekommen neue Namen. Foto: mt

Regensburg.Hans Herrmann ist bald nur noch Geschichte. Bereits seit Dezember ist klar: Die Hans-Herrmann-Schulen in Reinhausen werden umbenannt. Nun soll auch der nach dem umstrittenen Politiker benannte angrenzende Park einen neuen Namen erhalten. Außerdem muss der Stadtrat am 30. Juli darüber entscheiden, ob Hans Herrmann, der während der Nazi-Diktatur Bürgermeister in Regensburg war, aus der Liste der Träger der Silbernen Bürgermedaille und der Ehrenbürger entfernt wird. Das hätte zur Folge, dass auch das Ehrenbürgergrab von Herrmann aufgelöst wird, für dessen Instandhaltung die Stadt momentan noch zahlt.

Am 26. Januar 1954 wurde Hans Herrmann anlässlich seines 65. Geburtstags vom damaligen Stadtrat mit der Silbernen Bürgermedaille ausgezeichnet und fünf Jahre später auch zum Ehrenbürger ernannt. Die Ehrenbürgerwürde ist die höchste Auszeichnung, die die Stadt vergibt. Personen, die sich in außerordentlicher Weise um die Stadt verdient gemacht haben, werden damit geehrt.

Stadt zahlt für das Ehrengrab

Auch Hans Herrmann habe sich unbestrittene Verdienste um die Stadt erworben, heißt es in der Beschlussvorlage der Stadt. Jedoch solle von den ausgezeichneten Personen auch eine Vorbildfunktion ausgehen. „Diesem Anspruch wird die Person Hans Herrmann nach den nun vorliegenden Erkenntnissen nicht gerecht.“ Seine Funktion während des NS-Regimes, seine Mitgliedschaften in NS-Organisationen und sein freundschaftliches Verhältnis zu Otto Schottenheim würden heute dazu führen, ihm trotz der vorhandenen Verdienste keine städtisch Auszeichnung zu verleihen. Daher soll Herrmann auch aus der Liste der Träger der Silbernen Bürgermedaille gestrichen werden.

Das Ehrengrab von Hans Herrmann auf dem Unteren Katholischen Friedhof
Das Ehrengrab von Hans Herrmann auf dem Unteren Katholischen Friedhof Foto: mt

In der Vergangenheit wurde für Ehrenbürger auf Kosten der Stadt Regensburg ein Ehrengrab errichtet. Die Stadt kommt für den Unterhalt des Grabes auf. Erst im vergangenen Jahr wurde auch das Ehrengrab von Hans Herrmann am Unteren Katholischen Friedhof – nach dem normalen Prozedere der Stadt – neu hergerichtet, jetzt soll es zum nächstmöglichen Zeitpunkt, also im August 2021, aufgelöst werden.

Der Hans Herrmann Park wird wohl bald in „Albert-Schweitzer Park“ umbenannt.
Der Hans Herrmann Park wird wohl bald in „Albert-Schweitzer Park“ umbenannt. Foto: mt

Aus der Ausschussvorlage geht außerdem hervor, dass der nach dem Politiker mit NS-Vergangenheit benannte Park eine neue Bezeichnung bekommen soll. Die mit einem Kinderspielplatz und einem Bolzplatz ausgestattete öffentliche Grünanlage an der Ecke Lechstraße/Isarstraße soll demnach künftig „Albert-Schweitzer-Park“ heißen. In diesem Gebiet wurde bereits eine Schule nach Albert Schweitzer benannt. Es liege daher nahe, den Park ebenfalls so zu benennen, heißt es in der Beschlussvorlage.

Name steht seit 2013 auf Prüfstand

Am 9. Juli soll der Ausschuss für Bildung, Sport und Freizeit nun dem Stadtrat empfehlen, die Hans-Herrmann-Grundschule in der Isarstraße in „Grundschule der Vielfalt und Toleranz“ umzubenennen. Die Hans-Herrmann-Mittelschule soll künftig den Namen „Willi-Ulfig-Mittelschule“ tragen. Die Schulleitungen der Hans-Herrmann-Grund- und Mittelschule haben der Stadt bereits formell mitgeteilt, dass Lehrerkonferenz und Elternbeirat den belasteten Namen ablegen möchten. Der Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Wohnfragen soll am 23. Juli die Umbenennung des Parks empfehlen.

Die Hans-Herrmann-Schulen bekommen neue Namen.
Die Hans-Herrmann-Schulen bekommen neue Namen. Foto: mt

Seit Sommer 2013 steht der Schulname auf dem Prüfstand. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus hatte damals ein Schreiben veröffentlicht, das die Namensgeber von fünf Schulen in Bayern hinterfragte, darunter auch den ehemaligen Oberbürgermeister von Regensburg. Als besonders kritisch bewerteten die Verfasser des Schreibens die Rolle Herrmanns bei der „Arisierung“ von jüdischem Eigentum. Es entbrannte eine Debatte darüber, ob der Politiker Schulpate bleiben kann.

Umstrittener Politiker

  • Hans Herrmann

    wurde am 26. Januar 1889 in Regensburg geboren. Im Jahr 1925 wurde er zweiter rechtskundiger Bürgermeister. Er behielt diese Funktion auch während der Zeit der NS-Diktatur.

  • An der Gründung der CSU

    war Herrmann 1945 in Regensburg beteiligt.

  • Oberbürgermeister der Stadt

    Regensburg wurde er 1952. Von 1954 bis 1958 war Herrmann auch Mitglied im Bayerischen Landtag.

  • Am 20. August 1959

    verstarb Hans Herrmann in Regensburg.

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