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Geschichte

Die Geburt der Arbersiedlung

Vor 100 Jahren gründete sich in Reinhausen eine Baugenossenschaft – gegen die Wohnungsnot kinderreicher Familien.

Die ersten Häuser der Arbersiedlung an der Alten Waldmünchener Straße – im Haus Nummer 34 wohnte die Familie des späteren bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel mit ihren neun Kindern. Foto: Archiv Bürgerverein
Die ersten Häuser der Arbersiedlung an der Alten Waldmünchener Straße – im Haus Nummer 34 wohnte die Familie des späteren bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel mit ihren neun Kindern. Foto: Archiv Bürgerverein

Regensburg.Höhepunkt der Frühjahrsversammlung des Bürgervereins „Roahausen“ war der Vortrag „100 Jahre Gemeinnützige Baugenossenschaft Stadtamhof und Umgebung“. Rosalinde Hocke, Vorstandsmitglied der Genossenschaft, informierte über die Entstehung der Arbersiedlung in Reinhausen: „Nach dem 1. Weltkrieg war die Wohnungsnot bei den kinderreichen Familien in Reinhausen, dem damals größten Dorf der Oberpfalz, besonders groß. Um diese Not zu lindern, gründeten am 7. Mai 1919 48 mutige Männer unter dem Vorsitz von Dr. Reiner, dem damaligen Vorstand des Bezirksamts Stadtamhof, im Saal der St.-Mang-Brauerei in Stadtamhof die ‚Gemeinnützige Baugenossenschaft für Kleinsiedlung und Kriegerheimstätten eGmbH Stadtamhof und Umgebung‘“.

Bei der ersten Versammlung wurde der Schlosser Hans Hayder als 1. Vorsitzender und der Bäckermeister Ludwig Goppel, Vater des späteren bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel, als 2. Vorsitzender sowie der Lokführer Josef Baumgartner als Beisitzer gewählt. Neben vielen anderen Persönlichkeiten war im Aufsichtsrat auch Josef Wimmer, der erste Pfarrer von Reinhausen, eingebunden.

Gesunde und billige Wohnungen

Der Zweck des Unternehmens war ausschließlich, den sozial schwachgestellten und kinderreichen Bevölkerungsschichten in Reinhausen gesunde, billige und zweckmäßig eingerichtete Kleinwohnungen zu verschaffen. Von der St.-Katharinen-Spitalstiftung konnten fünf Tagwerk Baugrund zu günstigem Preis erworben werden. Dieser lag östlich des Reinhausener Friedhofs und trug den Flurnamen „Im Elend“.

Zur Finanzierung der ersten Einfamilien-Reihenhäuser mit 30 Wohnungen, deren Grundsteinlegung im August 1919 erfolgte, stellte Fürst Albert I. von Thurn und Taxis ein Startkapital von 225 000 Reichsmark. Durch eine Geldsammlung bei den Einwohnern der Vororte von Regensburg und Anteilszahlungen von Genossenschaftsmitgliedern kamen 138 645 Reichsmark zusammen. Am 7. Juli 1920 waren die ersten Wohnungen bezugsfertig. Die Referentin schilderte auch die weitere Entwicklung der Baugenossenschaft: „Da ab 1972 die Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau gekürzt wurden und keine geeigneten Baugrundstücke mehr zur Verfügung stehen, liegt jetzt der Schwerpunkt der Aktivitäten bei Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen.“

Der erste Vorsitzende, Dr. Bernhard Mitko, hielt bei der Versammlung außerdem Rückschau auf das Vereinsgeschehen im letzten Halbjahr. Ein besonderer Höhepunkt war die „12. Roahauserer Raunacht“ am 4. Januar. Mit den Spenden der Besucher wurde ein Erlös von 542,83 Euro erzielt. Den Betrag hat der Bürgerverein auf 600 Euro aufgestockt und dann je zur Hälfte der Pfarrei St. Josef Reinhausen und dem Trachtenverein Regensburg „Stamm“ zur Förderung der Jugendarbeit übergeben.

Zum Vorgang „Bauliche Veränderungen in Reinhausen“ stehe die Antwort der Stadtverwaltung noch aus. Mitko berichtete, dass der Verein Verbindung mit dem neuen Leiter des Stadtplanungsamts, Andreas Burr, aufgenommen habe.

Kulturfahrt nach Püchersreuth

Schriftführer Albert Galli informierte über die anstehenden Termine und stellte das Ziel für die Kulturfahrt vor. „Auf den Spuren von Architekt Heinrich Hauberrisser“ geht die Fahrt am 26. Juni nach Püchersreuth im Oberpfälzer Wald. Hier hat Hauberrisser 1910 die katholische Kirche St. Peter und Paul neu gebaut. Auf dem Programm steht auch der Besuch der barocken Wallfahrtskirche St. Quirin und die Einkehr im Landgasthof Miedl in Ilsenbach. Am 12. Oktober findet das beliebte Weinfest statt.

Galli teilte außerdem mit, dass der Bürgerverein den Leiter der Abteilung Bestattungswesen bei der Stadtverwaltung zu einem Gespräch auf den Friedhof in Reinhausen eingeladen hat. Dabei soll über neue Möglichkeiten für Urnenbestattungen und die Gestaltung des Friedhofs diskutiert werden.

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