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Akte Isarstraße landet vor Gericht

Das angebliche Opfer muss sich in Regensburg vor Gericht verantworten. Die Frau soll ihre Entführung vorgetäuscht haben.
Von Heike Haala, MZ

Ab 8. August muss sich eine Frau vor Gericht verantworten. Sie hatte im Juli 2014 behauptet, in der Isarstraße entführt und vergewaltigt worden zu sein. Die Folge war ein Großeinsatz der Polizei.
Ab 8. August muss sich eine Frau vor Gericht verantworten. Sie hatte im Juli 2014 behauptet, in der Isarstraße entführt und vergewaltigt worden zu sein. Die Folge war ein Großeinsatz der Polizei. Foto: Wagner

Regensburg.Dieser Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. In der Nacht auf den 27. Juli 2014 meldete sich eine damals 22-jährige Auszubildende bei der Polizei und sagte, Opfer eines furchtbaren Verbrechens geworden zu sein. Als sie um kurz nach Mitternacht in der Isarstraße im Regensburger Stadtnorden spazieren ging, sollen sie drei Männer im Bereich der Heilig-Geist-Kirche in einen dunklen Kombi geschleppt und entführt haben. Nach einer Fahrt von mehreren Minuten sei sie vergewaltigt worden. Anschließend hätte sie das Trio zum Alex-Center gefahren und nackt auf der Straße zurückgelassen. Die Kleidung, die sie zuvor getragen hätte, hätten die Täter behalten.

Anschließend wurde die Frau eine Woche lang in einem Krankenhaus behandelt, weil sie unter schweren Verletzungen litt. In dieser Zeit war die Kriminalpolizei mit aufwendigsten Ermittlungen beschäftigt. Eine eigens gegründete, sechsköpfige Arbeitsgruppe war über Wochen hinweg ausschließlich mit diesen Ermittlungen betraut. Die Ermittler durchpflügten das Gebiet um die Isarstraße. Sie gingen über 100 Hinweisen aus der Bevölkerung zu dem angeblichen Verbrechen nach. Zwei Wochen nach der Tat ließ die Polizei sogar mit Hilfe von Phantombildern nach den Tätern fahnden. Zwischenzeitlich nahm sie auch drei Männer fest, die eine Nacht in Polizeigewahrsam verbringen mussten. Bei den Ermittlungen war auch ein Hubschrauber im Einsatz, dessen Einsatz pro Stunde 5000 Euro kostet. Zweimal stand im Raum, dass der Fall Thema in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ sein wird.

Die Chronologie

  • Juli 2014:

    Die Polizei meldet, dass eine damals 22-jährige Auszubildende Opfer einer Vergewaltigung wurde. Die Frau habe gesagt, von drei Unbekannten mit einem Kombi entführt, vergewaltigt und schließlich nackt aus dem Auto geworfen worden zu sein. Die Kripo nahm ihre Ermittlungen auf.

  • August 2014:

    Zwei Wochen nach der angeblichen Vergewaltigung waren rund 80 Hinweise aus der Bevölkerung zu den drei angeblichen Vergewaltigern bei der Kriminalpolizei eingegangen. Deswegen entschlossen sich die Ermittler zu diesem Zeitpunkt, Phantombilder von Tätern zu veröffentlichen.

  • September 2014:

    Sechs Wochen lang hat die Kripo den vermeintlichen Vergewaltiger und seine Komplizen gesucht. Am 5. September gab das vermeintliche Opfer bekannt, dass es die Vergewaltigung nie gegeben hat. Seither schweigt die Frau, die vorgegeben hatte, vergewaltigt worden zu sein.

  • November 2014:

    Die Akte „Vergewaltigung Isarstraße“ ist geschlossen. Die Staatsanwaltschaft hat zwei Ermittlungsverfahren zu der angeblichen Sextat, die sich im Sommer im Umfeld der Isarstraße ereignet haben soll, eingestellt. Eine Straftat, wie die 22-Jährigen sie schilderte, habe es nicht gegeben. (la)

Zurückrudern bei Vernehmungen

Sechs Wochen nach der Tat aber ruderte die Frau während der Vernehmungen auf einmal zurück. Die Polizei meldete, die Frau habe eingeräumt, dass die Tat, so wie sie sie geschildert hatte, in Wirklichkeit nicht stattgefunden hat. Seither habe sie sich nicht mehr zu den Ereignissen in jener Nacht geäußert. Mitte November hat die Staatsanwaltschaft die „Akte Isarstraße“ geschlossen.

Allerdings wurde nun gegen das angebliche Opfer selbst ermittelt. Ab 8. August muss sich die Frau vor dem Amtsgericht verantworten. Das Verfahren soll öffentlich sein, bisher ist laut Dr. Alexander Guth, Pressesprecher beim Amtsgericht, auch noch kein Antrag gestellt worden, dass die Öffentlichkeit von dem Prozess ausgeschlossen werden soll.

Pressesprecher Dr. Alexander Guth sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Frau wegen Vortäuschens einer Straftat in Tatmehrheit mit Betrug angeklagt wird. Gegenstand der Hauptverhandlung wird auch sein, ob die Angeklagte von einer anderen Person vergewaltigt worden ist und woher ihre schweren Verletzungen stammten. Die für den Prozess zuständige Richterin habe bereits viele Zeugen geladen, die während des Prozesses aussagen sollen. Dazu gehören auch die Polizeibeamten die mit der Vernehmung der Angeklagten betraut waren. Guth äußert sich auch zum Strafmaß. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren. Das ist daran zu erkennen, dass ein Strafrichter für das Verfahren bestellt wurde. Würde die Staatsanwaltschaft von einer höheren Strafe ausgehen, müsste ein Schöffengericht bestellt werden. Laut Strafgesetzbuch wird das Vortäuschen eine Straftat mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren gesühnt, Betrug mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Ein außergewöhnlicher Prozess

Pressesprecher Guth bezeichnet den Fall, um den sich der Prozess ab dem 8. August drehen wird, als außergewöhnlich. Er kann sich an kein ähnlich gelagertes Verfahren erinnern. „Es ist aber auch nicht der erste Fall dieser Art“, sagt er. Immer wieder komme es zu Prozessen, weil Straftaten vorgetäuscht wurden.

Stefan Hartl, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberpfalz, sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die Ermittlungen der Polizei in dieser Sache abgeschlossen sind. Mit ihrer Aussage hat die Frau den Polizeibeamten viel unnötige Arbeit gemacht. Glaubwürdig machten sie zunächst ihre detailreichen Schilderungen. Beispielsweise führte sie die Polizei auf die falsche Fährte, indem sie die angeblichen Täter beschrieb, ihr Auto, die Defekte an dem Fahrzeug oder die Kleidung, die sie an diesem Abend trug.

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