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Sprengkraft

Gefährlicher Fund in Schwabelweis

Bauarbeiter entdeckten eine 250-Kilo-Bombe. Der Stadtteil wurde evakuiert. Erst dann konnte die Entschärfung beginnen.
Von Mathias Wagner, MZ

Am Freitagmorgen stoßen Bauarbeiter auf eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein Großeinsatz der Einsatzkräfte startet. Am frühen Abend gibt es Entwarnung - die Bombe kann ohne Zwischenfälle entschärft werden.

Regensburg.Wieder einmal sorgt der Fund einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg für Aufregung. Gegen 8.15 Uhr am Morgen stößt ein Baggerfahrer bei Bauarbeiten in der Michelerstraße auf einen schweren Gegenstand. Schnell steht fest: Das rund 1,20 lange und 32 Zentimeter breite Monstrum ist eine Bombe, die vor 70 Jahren ihre verheerende Wirkung verfehlte. Eilig machen sich Sprengstoffexperten aus München auf den Weg. Als sie eintreffen und die rund 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe in Augenschein nehmen, ist klar: Ein großer Teil von Schwabelweis muss evakuiert werden, bevor der Sprengtrupp versuchen kann, den hochgefährlichen Fund zu entschärfen. Die Polizei ruft den Bereitschaftsdienst zur Unterstützung herbei, nicht einfach an einem Tag, an dem 17 000 Polizisten beim G7-Gipfel in Elmau im Einsatz sind.

Polizisten gehen von Tür zu Tür

Rund 50 Polizeibeamte und 20 Feuerwehr- und Rettungskräfte werden schließlich am frühen Nachmittag zusammengezogen. Ab 13.40 Uhr fordern sie die Schwabelweiser im Radius von 500 Metern rund um den Bomben-Fundort auf, ihre Wohnungen und den Sperrbereich zu verlassen. Laut Polizeieinsatzleiter Peter Karl sind rund 350 Personen betroffen – sofern sie denn zuhause sind. Während die Feuerwehr Lautsprecher-Durchsagen macht und die Bewohner über die Maßnahmen informiert, gehen Polizisten von Tür zu Tür.

Einsatzkräfte besprechen sich vor der Evakuierung.
Einsatzkräfte besprechen sich vor der Evakuierung.

Die Evakuierung zieht sich unerwartet in die Länge. Während ein Großteil der Schwabelweiser anstandslos die Häuser verlässt, zum Beispiel, um sich den sommerlichen Nachmittag „notgedrungen“ im Biergarten oder im Freibad zu vertreiben, wehren sich vereinzelt Bewohner. Sie wollen ihr Hab und Gut nicht verlassen. Die Polizisten überzeugen schließlich auch sie. Rund 70 Personen werden in die Donau-Arena gebracht, wo die Stadt Regensburg kurzfristig ein Lager eingerichtet hat.

In der Donau-Arena wurden die Schwabelweiser versorgt.
In der Donau-Arena wurden die Schwabelweiser versorgt.

Die Sprengkraft der amerikanischen Fliegerbombe, die im Zweiten Weltkrieg in der Einflugschneise zum Hafen auf Schwabelweis fiel, ist riesig. In ihr befinden sich 120 Kilogramm Sprengstoff.

Nicht nur die Schwabelweiser müssen das Sperrgebiet verlassen. Auch die Donauschifffahrt muss im gefährdeten Bereich eingestellt werden. Mehrere Fahrgastschiffe werden gestoppt. Sie müssen vorläufig außerhalb des Gefahrenbereichs anlegen. Mit knapp einer Stunde Verspätung, um 15.55 Uhr, melden die Einsatzkräfte: Der bei einer ungeplanten Explosion gefährdete Bereich ist komplett evakuiert. Auch die Retter ziehen sich zurück. Zuguterletzt wird der Odessa-Ring für den Verkehr gesperrt. Dann machen sich die beiden Sprengmeister Martin Tietjen und Martin Radons gemeinsam ans Werk. Hochkonzentriert, aber routiniert schrauben sie den Zünder der US-Fliegerbombe, die 1945 nicht detonierte, ab.

Banges Warten an den Funkgeräten

Unterdessen laufen spannende Minuten in der provisorischen Einsatzzentrale unterhalb des Walhalla-Kalkwerks ab. Die Einsatzkräfte warten aufgeregt. Immer im Blick: ihre Smartphones und Funkgeräte.

Um 16.24 Uhr, eine Viertelstunde nachdem die beiden Sprengmeister mit ihrer gefährlichen Arbeit begonnen haben, meldet Einsatzleiter Peter Karl schließlich: „Die Fliegerbombe ist entschärft und verladen. Die Sperrungen können aufgehoben werden.“

Am Bomben-Fundort warten die beiden – trotz aller Routine – sichtlich erleichterten Kampfmittelräumer Tietjen und Radons. In ihrem VW-Transporter liegt die 250-Kilo-Bombe und wartet auf den Abtransport – entschärft und mit Spanngurten festgeschnallt.

Wie gefährlich das Überbleibsel aus der NS-Zeit hätte sein können, zeigt Martin Radons. In der Hand hält er den unversehrten, funktionsfähigen Zünder. Auf ihm ist noch deutlich der eingeprägte Produktionsmonat erkennbar: „1 – 45“.

Bombe in Regensburg entschärft

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