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Mangel

Das Kindergarten-Problem bleibt

Immer mehr junge Familien ziehen nach Schwabelweis. In dem Regensburger Stadtteil gibt es nur 78 Kindergartenplätze.
Von Daniel Steffen

Mit 78 Mädchen und Jungen ist der Kindergarten St. Georg voll belegt. Hier spielen Mädchen aus der Sternengruppe eine Runde „Uno“. Foto: Steffen
Mit 78 Mädchen und Jungen ist der Kindergarten St. Georg voll belegt. Hier spielen Mädchen aus der Sternengruppe eine Runde „Uno“. Foto: Steffen

Regensburg.Die Anwohner in Schwabelweis müssen Nerven wie Drahtseile haben, anders ist die Ist-Situation kaum zu ertragen. Denn: Nach wie vor ist für junge Familien im Stadtteil keine Aussicht auf Besserung in Sicht. Wenn sie ihre Töchter und Söhne in den Kindergarten schicken wollen, dann ist eine Absage der Regelfall. Auch wenn Schwabelweis mittlerweile auf über 2000 Anwohner angewachsen ist und vor allem viele Familien zuziehen, gibt es dort weiterhin nur einen Kindergarten – und der platzt seit geraumer Zeit aus allen Nähten.

Drei Gruppen mit je 26 Kindern zählt der katholische Kindergarten St. Georg, eine räumliche Ausdehnung ist an der Hochstiftstraße 24 nicht mehr möglich. Allein für das laufende Kindergartenjahr musste Leiterin Andrea Böhmer Dutzenden Eltern absagen. Immerhin: Um den Engpass in Schwabelweis zu beheben, hatte die Stadt kurzfristig eine zusätzliche Kindergarten-Gruppe im Gewerbepark ins Leben gerufen.

„Auch wir wissen nicht, wo unsere Kinder hinkommen.“

Anwohnerin Dr. Monika Schanderl

Bei örtlichen Versammlungen wurde viel darüber diskutiert, was man tun könne, um die Situation zu entschärfen. So wie im April im Pfarrheim „Naglkiste“: SPD-Stadtrat Hans Holler plädierte dafür, das Pfarrheim als Kindergarten-Provisorium herzunehmen, andere schlugen eine Container-Behelfslösung vor. Eine fruchtbare Lösung zeichnete sich jedoch nicht ab. Auch mussten Vertreter der Stadtverwaltung Kritik dafür einstecken, ein Baugebiet auszuweisen, ohne dafür einen Kindergarten einzuplanen.

„Bedarf unzureichend ermittelt“

„Wenn nicht bald etwas geschieht, haben Sie in Schwabelweis 40 Kinder, die auf einen Platz warten“, hieß es an die Adresse von Anton Sedlmeier, dem Leiter des Amts für Stadtentwicklung. Er wurde dafür kritisiert, dass die Stadt den Bedarf an Kindergartenplätzen in Schwabelweis nur unzureichend ermittelt habe. Konkret bezogen sich die Anwohner auf das neue Wohnquartier nördlich der Michelerstraße und die Neubauten entlang der David-Funk-Straße, wo der Familienzuzug besonders groß ist.

Der Eingang des Kindergartens befindet sich an der Hochstiftstraße. Foto: Lex
Der Eingang des Kindergartens befindet sich an der Hochstiftstraße. Foto: Lex

Einige berichteten damals über ihre vergebliche Suche nach einem Kindergartenplatz. So hatte die zweifache Mutter Karina Bajus in 29 Kindergärten „persönlich nachgefragt“ – und jedes Mal eine Absage erhalten. Zudem habe sie drei schriftliche Absagen über das städtische Elternportal Kita-Planer bekommen. Selbst in Neutraubling, Tegernheim und Wenzenbach sei die 36-Jährige nicht fündig geworden. Zu der Veranstaltung eingeladen hatte die Schwabelweiserin Dr. Monika Schanderl. Bis auf den letzten Platz füllten sich damals die Reihen.

Allerdings plant die Stadt zwei Maßnahmen zur Entschärfung der Lage in Schwabelweis: So werden jeweils ein Kinderhaus im Zentrum des Stadtteils und am Brandlberg gebaut. Der zweite Schwabelweiser Kindergarten entsteht neben dem Nahversorger Lidl und sollte laut Stadt ursprünglich 2018 fertig werden. Geplant sind eine Kindergartengruppe für 25 Kinder sowie 24 Krippenplätze.

Was ist 2017 in Regensburg passiert? Klicken Sie sich durch unsere Chronologie:

Am 21. November ruderte Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer zurück und teilte bei einer Bürgerversammlung mit, dass die Kindergarten-Eröffnung nicht vor 2019 zu erwarten sei. Eine exakte Begründung gab es nicht, allerdings erfuhren die Anwohner, dass für das Bauvorhaben noch eine öffentliche Ausschreibung erfolgen muss. Der Betreiber steht demnach noch nicht fest. Eine Baugenehmigung hat der Grundstücksinhaber schon: Es handelt sich um die Schwabelweiser Gärten GmbH & Co. KG. Die Nachricht von der zeitlichen Verschiebung der Eröffnung nahmen die Bürger verärgert zur Kenntnis.

Was bleibt, ist Verunsicherung. „Auch wir wissen nicht, wo unsere Kinder hinkommen“, sagt Monika Schanderl im Gespräch mit unserem Medienhaus. Ihre beiden Kinder sind im Alter von einem beziehungsweise zwei Jahren. Sohn Alexander (2) wird im nächsten Jahr einen Kindergarten besuchen. Die Befürchtung ist, dass der Junge weit vom Wohnort entfernt einen Kindergartenplatz bekommt. „Dort wird er mit Mädchen und Jungen spielen, mit denen er später nicht zusammen auf die Schule geht.“ Nach dem Kindergarten wird Alexander die Grundschule Schwabelweis besuchen. Daher hoffen seine Eltern, dass er zumindest am Brandlberg einen Platz im Kindergarten bekommt.

Schwabelweis

  • Einwohner:

    Am Stichtag 30. Juni 2017 zählte Schwabelweis 2228 Einwohner. Am 31. Dezember 2012 lag die Einwohnerzahl im Stadtteil noch bei 1862.

  • Eingemeindung:

    Die dörflichen Strukturen sind trotz Eingemeindung nach Regensburg (im Jahr 1924) gut erhalten geblieben. Der Stadtbezirk grenzt im Westen an Weichs, im Norden an Keilberg und im Osten an Tegernheim. (mds)

Das dort im Bau befindliche Kinderhaus wird nach derzeitigem Stand im September 2018 eröffnet. Zwei Kindergartengruppen mit je 25 Kindern und zwei Kinderkrippengruppen mit je 12 Kindern entstehen. Betrieben wird die Einrichtung von den Johannitern. „Leider ist diese Einrichtung noch nicht im Kita-Planer eingetragen“, bemängelt Monika Schanderl. Johanniter-Regionalleiter Martin Steinkirchner bestätigt das: „In den Kita-Planer kommt der Eintrag erst, wenn die Einrichtung in Betrieb ist. Die Daten im Planer müssen ja täglich aktualisiert werden.“ Aktuell seien zum September 2018 „noch mindestens 20 Kita-Plätze“ am Brandlberg frei, teilt Steinkirchner mit. Er freue sich über jede Bewerbung. Lange warten solle man damit besser nicht. „Es gehen täglich Anrufe von Eltern bei uns ein.“

Reichen die Hortplätze noch?

Auch das Thema Hortplätze bereitet den Schwabelweisern zunehmend Sorgen. Aktuell gibt es im Gebäude des Kindergartens 20 Hortplätze. Da die Grundschule Schwabelweis im kommenden Schuljahr wohl zwei erste Klassen haben wird, befürchten einige Schwabelweiser, dass die Hortplätze für die Schulkinder nicht mehr ausreichen werden. Andrea Böhmer hat allerdings eine frohe Kunde: „Für September 2018 haben wir noch sechs Hortplätze frei“, sagt sie. Den frühen Nachmittag können betroffene Schulkinder auch an der Grundschule Schwabelweis verbringen. Dort gibt es in Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes drei Gruppen für die Mittagsbetreuung. In zwei Gruppen werden dort die Kinder bis 14 Uhr betreut – und in einer Gruppe bis 15.30 Uhr.

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