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Umwelt

Die Stadt fällt Hunderte kranke Bäume

340 Bäume werden in Regensburg abgeholzt. Der Großteil ist morsch oder geschwächt. Frühere Fällaktionen führten zu Kritik.

Diese genehmigte Baumfällaktion an der Bäckergasse sorgte in der Bevölkerung im Februar 2015 für helle Empörung.
Diese genehmigte Baumfällaktion an der Bäckergasse sorgte in der Bevölkerung im Februar 2015 für helle Empörung. Archivfoto: Tino Lex

Regensburg.Die Stadt Regensburg wird bis zum Beginn der gesetzlich besonders geschützten Vogelbrutzeit am 28. Februar rund 340 Bäume fällen. 250 davon im gesamten Stadtgebiet müssen laut Gartenamt deshalb gefällt werden, weil sie in einem so schlechten Gesundheitszustand sind, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben ist. 107 der Bäume fallen unter die Baumschutzverordnung. In der Mehrzahl weisen sie laut städtischer Pressemitteilung Krankheiten oder Morschungen auf. Häufig seien sie von holzzerstörenden Pilzen, wie zum Beispiel dem Brandkrustenpilz oder dem Hallimasch befallen.

Hochwasserschutz braucht Platz

Das Gartenamt versichert, es bemühe sich so lange wie möglich um den Baumerhalt. Dazu werden lebensverlängernde Maßnahmen wie Kronenentlastungsschnitte, der Einbau von Kronensicherungen oder Bodenverbesserungen im Wurzelbereich durchgeführt. Wenn die Bäume aber nicht mehr ausreichend stand- bzw. bruchsicher seien, müssten sie letztlich aus Sicherheitsgründen entfernt werden. Das könne beispielsweise bei totem und morschem Holz oder wegen Baumkrankheiten wie dem Eschen- und dem Lindentriebsterben der Fall sein. Derartige Baumkrankheiten breiten sich laut Gartenamt leider zunehmend aus. Ein Grund dafür seien zunehmende Wetterextreme, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. Generell litten Stadtbäume unter meist schlechten Standortbedingungen. Das mache sie anfälliger für Krankheiten aller Art.

Regelmäßige Baumkontrolle und laufende Pflegearbeiten des Gartenamtes dienten dazu, mögliche Risiken zu mindern und Vorsorge für den städtischen Baumbestand der Zukunft zu treffen, schreibt das Gartenamt. So würden Erkrankungen frühzeitig erkannt – auch wenn sie von außen in manchen Fällen nicht sichtbar sind.

Rund 90 der Fällungen stehen in Zusammenhang mit Bauprojekten, besonders mit dem zweiten Bauabschnitt für den Hochwasserschutz am Aubach. Um die erforderlichen Flächen für die Gewässeraufweitung sowie die Erd- und Brückenbauarbeiten frei zu machen, müssen laut Stadt entlang des Baches zwischen Obertraublinger Straße und Hochwasserrückhaltebecken rund 65 Bäume gefällt werden. Der betroffene Bereich werde nach Abschluss der Tiefbauarbeiten – voraussichtlich ab dem Frühjahr – gemäß dem landschaftspflegerischen Begleitplan für das Projekt neu bepflanzt, versichert Gartenamtsleiter Dietrich Krätschell.

Weitere Bauprojekte, die jeweils vereinzelte Fällungen bzw. Rodungen erforderlich machten, seien etwa der neue Fahrradweg entlang der D.-Martin-Luther-Straße, die Umgestaltung des Dachauplatzes, die Bebauung der ehemaligen Nibelungenkaserne, die Klassenzimmercontainer an der Schule Schwabelweis sowie der neue Fuß- und Radsteg an der Ostumgehung.

Die Regelungen der Baumschutzverordnung gälten selbstverständlich auch für städtische Arbeiten. Die Fällgenehmigung liege für alle Bäume vor, die der Baumschutzverordnung unterliegen. Bei den anderen Bäumen sei keine Erlaubnis nötig. Der Verlust muss durch Pflanzungen ausgeglichen werden. Das Gartenamt kündigt an, es werde die Fällungen ausgleichen, in- dem es bis Jahresende mehrere Hundert Jungbäume pflanzen wird.

Aktionen des Gartenamts

  • Infoveranstaltung:

    Um den Bürgern das Thema Stadtbäume zu veranschaulichen, bietet das Gartenamt am 30. Mai um 18.30 Uhr eine Führung durch den dendrologischen Baumpfad an. Treffpunkt ist der Eingang zum Villapark an der Adolf-Schmetzer-Straße.

  • Aktuelle Arbeit:

    Das Schneiden von Sträuchern und Bäumen gehört im Winter zu den Schwerpunkten der Stadtgärtner. Diese Arbeiten laufen bis 28. Februar, danach beginnt der Vogelbrutschutz, der bis zum 30. September dauert.

BN bescheinigt dem Amt Umsicht

Was Baumfällungen angeht, sind die Regensburger sehr sensibel. Frühere Abholzungen haben oft heftige Bürgerproteste ausgelöst. Doch Kreisvorsitzender Raimund Schoberer vom Bund Naturschutz sagt, er vertraue auf Gartenamtsleiter Dietrich Krätschell. „Er macht vernünftige Arbeit und wird nicht unnötig Bäume fällen lassen.“ Der BN-Kreisvorsitzende Schoberer bedauert es natürlich, wenn abgeholzt wird, doch häufig bleibe der Stadt nichts anderes übrig.

Wenn Äste oder größere Teile herunterfielen, sei die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet. „Die Stadt ist verantwortlich, muss also handeln“, sagt Raimund Schoberer auf Anfrage unseres Medienhauses. Sie müsse zweimal im Jahr eine Baumschau machen und Äste herausschneiden. Wenn sich herausstelle, dass der Baum zu viele Schäden aufweist, muss er gefällt – und ersetzt – werden. „Ich gehe davon aus, dass die Bäume in der Regel wieder ersetzt werden“, betont Schoberer. Bäume im Straßenraum würden nicht besonders alt. Sie hätten zu wenig Wurzelraum. Auch schädige das Streusalz die Wurzeln. Die Bäume würden angefahren, tragen große Schäden in der Rinde davon, die Angriffspunkte für Schädlinge sind.

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