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Streit

Taxifahrer mit Flasche attackiert

Ein Fahrgast wollte seinen Transfer zum Schnapskauf in Regensburg nicht zahlen. Da kam es zum Kampf zwischen den Männern.
Von Marion von Boeselager

Ein kampfsporterprobter Taxifahrer wehrte sich gegen einen Mann, der für die Fahrt nicht zahlen wollte. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa weltweit
Ein kampfsporterprobter Taxifahrer wehrte sich gegen einen Mann, der für die Fahrt nicht zahlen wollte. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa weltweit

Regensburg.Nach einem Streit um das Fahrgeld soll ein 24-jähriger Mann in Tegernheim mit einer vollen Wodkaflasche auf einen Taxifahrer losgegangen sein und ihn gewürgt haben. Dank Kampfsporterfahrung des 62-jährigen Chauffeurs blieb dieser, bis auf Schmerzen und Schluckbeschwerden, bei dem Vorfall an einem Dezemberabend im Jahr 2017 unverletzt. Am Dienstag, 20. November, stand der Angreifer wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Körperverletzung vor dem Regensburger Amtsgericht.

Taxi in Hecke gesteuert

Der Fahrgast hatte nach eigenen Angaben schon zehn Bier intus, als ihm zu Hause der alkoholische Nachschub ausging. Der Tegernheimer rief sich ein Taxi und ließ sich zur Tankstelle in Schwabelweis fahren, wo er unter anderem Wodka erstand. Mit den Getränken in einer Plastiktüte stieg er wieder ins Taxi und ließ sich zurück nach Hause chauffieren.

Am Ziel erklärte der Mann jedoch, dass er nicht zahlen wolle. Der Taxler reagierte resolut: Er ließ den Gast nicht raus, sondern gab Gas und steuerte den Wagen so gegen eine Hecke, dass die Beifahrertür von den Ästen blockiert wurde. Dem 24-Jährigen gelang es dennoch, hinauszuschlüpfen.

„Er griff in die Scherben und schnitt sich damit an der Hand. Er blutete sehr stark und schmierte dann fleißig sein Blut an mein Taxi.“

Der Taxifahrer

Was dann geschah, darüber gingen die Angaben auseinander: Der Taxifahrer will sich dem Flüchtenden in den Weg gestellt haben. „Da zog er die Wodkaflasche aus der Tüte und holte zum Schlag aus“, so der Zeuge vor Gericht. „Ich konnte den Schlag aber abblocken und die Flasche fiel ihm aus der Hand.“ Auf Frage von Richter Moosburner, ob das nicht schmerzhaft gewesen sein, meinte der taffe Taxler: „Nein, ich hab Kampfsport gemacht. Wenn man den Arm anspannt, tut es nicht weh.“ Danach drückte der Angeklagte den Fahrer gegen das Taxi, packte ihn am Hals und drückte zu, berichtete der Geschädigte. Auch diesen Angriff konnte er abwehren. „Am Taxi war der Abdruck meines Rückens zu sehen“, fügte er hinzu. Dann setzte er sich in den Wagen und rief die Polizei.

Unterdessen legte der Fahrgast, in dessen Blut zwei Promille Alkohol kreisten, nach Worten des Zeugen ein seltsames Verhalten an den Tag: „Er griff in die Scherben und schnitt sich damit an der Hand. Er blutete sehr stark und schmierte dann fleißig sein Blut an mein Taxi.“ Beim Anblick des Szenarios erschraken die Polizeibeamten und befürchteten Schlimmeres. Der Fahrer zeigte zum Schluss sogar Verständnis für den Angeklagten: „Ich hab danach erfahren, dass kurz zuvor seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hatte.“

„Er packte mich und schubste mich ins Gebüsch.“

Der Angeklagte

Der Angeklagte schilderte den Vorfall indes völlig anders: Nachdem er sich durch die Hecke ins Freie gekämpft hatte, habe sich der Taxifahrer auf ihn gestürzt. „Er packte mich und schubste mich ins Gebüsch. Dabei rutschte ich aus und fiel auf die Tüte. Die Flasche ging kaputt und ich schnitt mich an den Scherben.“ Daraufhin habe er den Taxifahrer am Kragen gepackt und selbst mit Anzeige wegen Körperverletzung gedroht. Das Fahrgeld habe er nicht zahlen wollen, so der Angeklagte, „weil mich der Fahrer die ganze Zeit provoziert hat.“

Der Zeuge von der Polizei hatte den Streit zwar nicht beobachtet. Er bestätigte aber den Körperabdruck des Taxifahrers an dem Wagen. Dessen Kleidung habe keine Blutspuren aufgewiesen. Auf dem Boden hätten Scherben mit einem Wodka-Etikett gelegen und die Tüte habe an der Hecke gehangen.

Spurenbild klärte Fall

Das Spurenbild widerlegte schließlich die Version des Angeklagten: „Hätte der Fahrgast den Taxifahrer mit blutenden Händen am Hals gepackt, hatte das an seiner Kleidung Spuren hinterlassen“, meinte die Staatsanwältin. Ihr Antrag: Neun Monate ohne Bewährung für den einschlägig vorbestraften Angeklagten, der unter offener Bewährung stand. „Ich habe nicht in seine Richtung geschlagen“, beteuerte der 24-Jährige in seinem letzten Wort.

Richter Moosburner entschied: „Die Angaben des Taxifahrers lassen sich gut mit den Spuren vor Ort vereinbaren, etwa die Stelle am Boden mit den Scherben – außerhalb der Tüte.“ Er schickte den Angeklagten für acht Monate hinter Gitter.

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