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Radfahrtrasse

Regensburg: Streit um Steg neu entfacht

Die Stadt sagt, dass sich viele den Holzgartensteg wünschen. Anwohner Walter Cerull befürchtet am Gries die Zerstörung.
von Daniel Steffen

Der geplante Holzgartensteg verbindet Weichs mit Stadtamhof und würde in den östlichen Gries münden. Foto: Steffen (4), Gruber
Der geplante Holzgartensteg verbindet Weichs mit Stadtamhof und würde in den östlichen Gries münden. Foto: Steffen (4), Gruber

Regensburg.Sein Protest bei der Bürgerversammlung war lautstark: „Lassen Sie es! Es hat keinen Sinn! Der Steg bringt nichts und zerstört den Gries“, rief Walter Cerull Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer zu. Seine Stimme klang in der Aula der Willi-Ulfig-Mittelschule auch deshalb erbost, weil er erfahren hatte, dass die Planung für den „Holzgartensteg“ zwischen dem Gries und Weichs weiter vorangehen soll. Am 18. September hatte der Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen einstimmig beschlossen, einen Planungswettbewerb für den Stegbau durchzuführen. Davon fühlte sich der Anwohner und Vorsitzende des Vereins Donauanlieger geradezu geplättet: „Ich bin schon lange bei der Diskussion dabei und war auch bei der Verwaltung. Keiner hat gewusst, was geplant ist“, sagte er, den Behörden fehlende Informationsbereitschaft vorwerfend.

In seinen Augen ist solch ein Steg fehl am Platz, weil er den Gries zerstöre: „Der hat eine Länge von 120 Metern. Das muss ein riesiges Bauwerk werden“, befürchtet Cerull, der bereits mehrfach Protest gegen das Bauvorhaben eingelegt hatte. Und weil er am Mittwochabend das Gefühl hatte, in seinem Anliegen von Stadtspitze und der Verwaltung nicht ausreichend gehört zu werden, kündigte er eine eigene Bürgerversammlung an. Um solch eine einzuberufen, werde er Unterschriften sammeln, sagte Cerull.

Der geplante Holzgartensteg verbindet Weichs mit Stadtamhof und würde in den östlichen Gries münden. Foto: Steffen
Der geplante Holzgartensteg verbindet Weichs mit Stadtamhof und würde in den östlichen Gries münden. Foto: Steffen

Die Stadtspitze widersprach der Meinung des Donauanlieger-Vorsitzenden vehement. „Es gibt sehr viele Menschen, die den Steg fordern“, hielt die Bürgermeisterin dagegen. Sie halte den Steg für „die günstigste Entscheidung“, Stadtamhof an den Stadtteil Weichs anzubinden – auch deshalb, weil viele Radfahrer nicht an der Frankenstraße entlang radeln wollten. Es sei der „erklärte politische Wille“, solch eine Radverbindung herzustellen, hieß es. Maltz-Schwarzfischer erklärte sich dazu bereit, die Bürger über die weiteren Schritte zu informieren. Eine Gelegenheit dazu sei die nächste Bürgerversammlung in Stadtamhof, die am 13. März 2019 stattfindet.

Grieser Steg mit auf der Trasse

Ein anderer Teilnehmer der Bürgerversammlung wollte den Steg in noch größerer Form haben. Ob man denn die Brücke nicht weiter bis zum Unteren Wöhrd führen könne, wollte er wissen. Tiefbauamt-Chef Peter Bächer verneinte: „Aus gestalterischen Gründen ist das ausgeschlossen“, sagte er. Vielmehr wolle die Stadt den Grieser Steg für die Radfahr-Trasse „unbedingt halten“. Diesen rundum zu erneuern, wurde von der Stadt ebenfalls am 18. September beschlossen. Auch hierbei handelte es sich um einen einstimmigen Beschluss zur Initiierung eines Planungswettbewerbs.

„Der hat eine Länge von 120 Metern. Das muss ein riesiges Bauwerk werden.“

Walter Cerull, Anwohner

Aus Sicht der Stadt nimmt das Projekt Holzgartensteg „einen besonders hohen Stellenwert“ ein, wenn es darum geht, den Radfahrverkehr und die Nahmobilität zu fördern. „Mit einem Brückenschlag vom Neubaugebiet Holzgartenstraße zum Grieser Spitz kann der Lückenschluss im städtischen Radwegenetz auf der hoch frequentierten Nord-Süd-Relation gelingen“, heißt es in der Beschlussvorlage vom 18. September. So verlaufe die Route von der Donaustaufer Straße aus über die Naabstraße und den zu bauenden Holzgartensteg weiter in Richtung Süden.

Als weitere Verkehrswege wurden der Grieser Steg, die Eiserne Brücke und die Galgenbergbrücke genannt. Auf diese Weise seien wichtige Punkte wie das DEZ, das Alex-Center und die Maschinenfabrik Reinhausen im Norden mit der Altstadt sowie dem Stadtsüden verbunden. Als wichtige Punkte im Süden nennt die Stadt etwa die Universität und die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH). Durch den neuen Steg verspricht sie sich auch eine Stärkung des Einzelhandels und der Gastronomie im Bereich Altstadt/Stadtamhof.

Planung

Brücke zum Grieser Spitz soll kommen

Ein Anwohner im Regensburger Stadtteil Stadtamhof machte seinem Ärger über den geplanten Fahrradsteg Luft – und blitzte ab.

Riesen-Rampe befürchtet

Über die baulichen Daten des geplanten Stegs sind mehrere Details bekannt. Die nutzbare Breite solle laut Stadt 5 Meter betragen, ferner soll der Steg beleuchtet werden. Um die Höhendifferenz zwischen der Fahrbahn und bestehenden Wegen zu überwinden, will die Stadt Rampen bauen lassen. Besonders bei diesem Punkt schlagen bei Walter Cerull die Alarmglocken: „Die Rampe muss an der Grieser Seite einen Höhenunterschied von etwa zehn Metern überwinden“, teilt er in einem Schreiben mit. Laut seiner Berechnung wäre die Rampe auf der Grieser Seite dann mindestens 140 Meter lang. Auch deshalb, weil der Spazierweg am Grieser Spitz ausgebaut und dem noch zu bauenden Hochwasserschutz angepasst werden muss, befürchtet er erhebliche Einschränkungen für das Naherholungsgebiet.

„Es gibt sehr viele Menschen, die den Steg fordern.“

Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Bürgermeisterin

Die Stadt äußert sich zu diesen Punkten in der Beschlussvorlage folgendermaßen: „Mit der geplanten Brückenbaumaßnahme und den vorgesehenen Veränderungen im Wegesystem wird sich der ruhige Charakter der Grünanlage deutlich ändern.“ So würden Erholungssuchende, die die „Stille und Abgeschiedenheit des Landschafts- und Naturraums suchen“, Radfahrern begegnen, die die Grünfläche als „Transitraum auf dem Weg von A nach B nutzen“.

Die Höhe des geplanten Stegs fällt gemäß Beschlussvorlage auf der Grieser Seite niedriger aus: Dort sei eine Differenz von sechs Metern zu überwinden. Die Rampenlänge beziffert die Stadt auf gut 100 Meter. Im Vorfeld der Steg-Planung hatte sie fünf Trassenvarianten untersuchen lassen und einen Standort favorisiert. Demzufolge führt das nördliche Ende des Stegs zum Maria-Beer-Platz, das östliche Ende indes mündet in den östlichen Grieser Spitz.

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