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Wirtschaft

Hannas letzte Semmeln in Steinweg

Frau Sulzmaier schloss nach 21 Jahren „ihre“ Regensburger Bäckerei-Filiale. Für Kunden war sie die „gute Seele“ des Viertels.
Von Julia Ried

Hanna Sulzmaier stand am 23. Dezember zum letzten Mal hinter ihrer Bäckerei-Theke in Steinweg. Foto: Ried
Hanna Sulzmaier stand am 23. Dezember zum letzten Mal hinter ihrer Bäckerei-Theke in Steinweg. Foto: Ried

Regensburg.Schon am Tag vorher kämpfte Hanna Sulzmaier immer wieder mit den Tränen, im Gespräch mit ihren Stammgästen an einem der zwei Cafétische vor „ihrer“ Bäckerei-Theke im Steinweger Discounter-Foyer. Aber hinter der Theke, da lächelte die 57-Jährige mit dem kastanienbraunen Kurzhaarschnitt und der Halbrandbrille den Kunden zu, als sie immer wieder dasselbe erklärte: dass an diesem Samstag ihr letzter Tag ist in dieser Bachmeier-Filiale. Sie leitete sie 21 Jahre lang und sperrte sie am 23. Dezember letztmals ab. Der Laden schloss an diesem Tag.

Nicht nur die Nachbarschaft verabschiedete sich von der „Seele von Steinweg“, so nennt Gottfried Sulzmaier seine Frau. Auch eine Lappersdorferin, die für den Ratsch in Steinweg zweimal in der Woche einen Umweg zur Arbeit fuhr, kam am Freitag zu einem letzten Kaffee in den grauen Discounter-Vorraum mit den „Rauchen polizeilich verboten“-Schildern in Neongelb. „Ich würde nie in die Bäckerei reingehen, wenn die Hanna nicht da wäre“, sagte die 52-Jährige. „Weil das gar nicht auf meinem Weg liegt.“ Die Hanna habe „immer ein offenes Ohr gehabt“. Gerda Monses, 72, aus der Bäckergasse kam am 23. Dezember ohnehin noch einmal. „Schon seit 28 Jahren täglich. Weil wir uns hier halt wohlfühlen. Wir trinken unseren Kaffee, können ein bisschen ratschen.“ Vor ihrer Zeit hinter der Bäckerei-Theke arbeitete Hanna Sulzmaier in der Gastronomie, seitdem sie 1982 aus Rumänien hierherkam. „Mit Leuten umgehen ist für mich alles“, sagte sie am Freitag mit dem Akzent der Donauschwaben.

Filiale lebte von Stammkunden

„Ihre“ Bäckerei lebte von ihren Stammkunden – von der Straße „Steinweg“ aus ist die Filiale im Innenhof nicht zu erahnen. Viele gingen nicht „zum Bäcker“, sondern „zur Hanna“, gerade ältere Kunden wie die 76-jährige Rosmarie Schatz. Sie erzählte beim Vorweihnachts-Einkauf am Freitag: „Es war immer sehr familiär. Über Jahre lernt man sich auch kennen.“ Hanna Sulzmaier sei „eigentlich immer gut drauf, fröhlich und sehr zuvorkommend. Ich mag sie halt einfach.“ Als Hanna Sulzmaier eine Mutter, die sich mit Semmeln eindeckte, „weil es heute in der Kita nur Gemüseauflauf gibt“, über die Schließung informierte, fragte die Kundin: „Was mache ich denn dann?“

Der Platz mit Discounter, Getränkehandel und Motorradbedarf blutete immer mehr aus. Vor zehn Jahren schloss die Metzgerei, vor dreieinhalb der Zeitschriftenladen. Hanna Sulzmaier verkaufte hier schon für drei verschiedene Bäckereien Brot, Semmeln und Süßes. „Da weißt du, was vom Enkel bis zur Oma alles zusammengehört“, sagt die zweifache Mutter und dreifache Großmutter. Die Kinder lasen vor ihr vom Zettel ab, was sie mit nach Hause bringen sollten. „Jetzt kommen von den Kindern schon die Kinder. Du weißt, wie es den Leuten geht, wer in der Familie krank ist.“ Für einen Kunden, einen Mann aus der Nachbarschaft, nahm sie sogar die Rezepte entgegen, die der Arzt schickte.

Sie hat hier auch eine Insolvenz bewältigt. „Da haben wir abends um sechs den Laden ausgeräumt und morgens um vier wieder eingeräumt.“ Nur, dass die Ware dann eine andere war, die Kasse und das Bestellsystem. Petra Bleicher, die Filialbetreuerin der Bäckerei Bachmeier, die am Freitag ebenfalls vorbeischaute, erinnert sich: „Das war dann noch dazu der Gründonnerstag.“

Der Mietvertrag lief aus

Jetzt läuft der Mietvertrag des Hauseigentümers mit der Bäckerei aus dem niederbayerischen Eggenfelden mit bisher fünf Filialen in Regensburg aus. Keine Seite wollte ihn verlängern, sagte Petra Bleicher. Die Bäckerei habe auf eine Sanierung gehofft, und darauf, dass sich wieder neue Läden hier ansiedeln.

Hanna Sulzmaier fuhr 21 Jahre lang mit dem Fahrrad aus der Amberger Straße in „ihren“ Laden. Ab 15. Januar radelt sie ins Donaueinkaufszentrum, wo ihr Arbeitgeber eine Filiale hat. Jetzt macht sie erst einmal Urlaub.

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