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Ermittlungen

Wieder Durchsuchungen im Krematorium

Im Regensburger Krematorium haben Ermittler nach Unterlagen gesucht – und ein Mitarbeiter hat Vorgesetzte angezeigt.
von Bettina Mehltretter und Heike Haala, MZ

Im Regensburger Krematorium soll der Ofen in einem desolaten Zustand sein. Foto: Sina Walterbach
Im Regensburger Krematorium soll der Ofen in einem desolaten Zustand sein. Foto: Sina Walterbach

Regensburg.Seit Februar ist der Verdacht bekannt, dass im Regensburger Krematorium illegal fremde Körperteile mitverbrannt worden sein sollen. Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt seither gegen mehrere Mitarbeiter. Nun hat es in der vergangenen Woche wieder Durchsuchungen gegeben. Dabei haben die Ermittler Unterlagen gesucht. Das bestätigte Theo Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft, unserem Medienhaus.

Details zu Inhalt und Umfang nannte Ziegler aus ermittlungstaktischen Gründen nicht, wie die Rundschau, die in unserem Medienhaus erscheint, zuerst meldete. Die Durchsuchung hat laut Ziegler im Zuge der bereits bekannten Vorwürfe stattgefunden. „Inzwischen gibt es Spuren, woher die verbrannten Körperteile stammen könnten“, sagte Ziegler. Welche Spuren das sind, sagte er aber nicht. Knackpunkte der Ermittlungen sind unter anderem, ob es sich in dem Fall um eine Störung der Totenruhe handelt und ob jemand dadurch einen finanziellen Vorteil hatte. In diesen Punkten hat sich die Staatsanwaltschaft laut Ziegler noch nicht festgelegt.

 Mitarbeiter des Krematoriums sollen bei Feuerbestattungen auch Körperteile anderer Menschen mitverbrannt haben. Foto: dpa
Mitarbeiter des Krematoriums sollen bei Feuerbestattungen auch Körperteile anderer Menschen mitverbrannt haben. Foto: dpa

Für weiteren Wirbel sorgt die Nachricht, dass Anfang August ein Mitarbeiter des Krematoriums zwei der städtischen Vorgesetzten angezeigt haben soll. Er soll ihnen mehrfache vorsätzliche Körperverletzung vorwerfen. Wie die Rundschau berichtet, nennt der Mitarbeiter in diesem Zusammenhang die hohe Kohlenmonoxidbelastung, der er und seine Kollegen ständig ausgeliefert seien sollen. Grund für die hohe Kohlenmonoxidbelastung soll der schlechte technische Zustand der Ofenanlagen sein. Die Gase sollen sich dort ausgebreitet haben, wo sich die Anlagenführer aufhielten. Aufgrund der Gase sollen die Krematoriumsmitarbeiter unter ständiger Müdigkeit und häufigem Kopfschmerz leiden. Der Mann, der die Anzeige gestellt haben soll, liste allein bis Anfang August 115 Überschreitungen des Kohlenmonoxidwertes auf. Den Vorgesetzten sei der Missstand zwar bewusst, handeln würde aber niemand, so die Vorwürfe des Mannes. Die Staatsanwaltschaft geht der Sache nun ebenfalls nach, um zu klären, ob etwas an diesen Vorwürfen dran ist. Ob dem wirklich so ist, konnte Ziegler aber nicht bestätigen.

„Der Stadt Regensburg liegt derzeit keine Strafanzeige vor“, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. „Ein angeblicher Ausstoß von Kohlenmonoxid in die Innenräume des Krematoriums ist der Stadt nicht bekannt“, schreibt die Pressesprecherin. Jeder Mitarbeiter der Stadt habe einen Anspruch auf einen gesunden Arbeitsplatz bei der Stadtverwaltung. „Wenn ein Mitarbeiter gesundheitliche Probleme hat, kann er sich an seinen Vorgesetzten, Amtsleiter, Referenten oder an die Fachstelle für Arbeitssicherheit und Unfallverhütung wenden. Dies ist bis dato nicht geschehen“, so Roenne-Styra.

Stadtrat Markus Jobst sitzt für die CSU im Umweltausschuss und fordert Aufklärung. Jobst hatte bereits im Mai eine Anfrage an die Stadt gestellt, die sich mit den Emissionswerten des Krematoriums auseinandersetzt. Damals kam heraus, dass einer von zwei Öfen Probleme macht. Die Grenzwerte waren höher als erlaubt. Die Stadt stellte damals in Aussicht, dass eine nachhaltige Verbesserung dieser Situation erst nach der Sanierung der Anlage zu erwarten sei. Die Mittel dafür wurden für das Investitionsprogramm für das Jahr 2020 angemeldet.

Wie die Rundschau von Ziegler erfuhr, sei mit einem Abschluss der Ermittlungen bis Jahresende zu rechnen.

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