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Montag, 18. Juni 2018 26° 2

Infrastruktur

Verkehrsplanung im Dauerstau

Verzögerungen bei der Regenbrücke und das Aus der Westtrasse machen Regensburger Politikern Sorgen. Hartl fordert Auskunft.
Von Heike Haala, MZ

Stau auf der A 93 beim Pfaffensteiner Tunnel – für Pendler gehören Szenen wie diese fest zum Arbeitsweg dazu.
Stau auf der A 93 beim Pfaffensteiner Tunnel – für Pendler gehören Szenen wie diese fest zum Arbeitsweg dazu. Foto: Lex

Regensburg.Frankenstraße, Lappersdorfer Kreisel und A 93 beim Pfaffensteiner Tunnel – dort zu den Stoßzeiten unterwegs zu sein, ist für jeden Autofahrer ein Albtraum. Es sind derart viele Fahrzeuge auf der Straße, dass es regelmäßig zu Autoschlangen und Unfällen kommt. Keine Frage, Regensburg steckt im Dauerstau. Die Wirtschaftsexperten der Industrie- und Handelskammer oder der Wirtschaftsunion warnen seit langem vor einem Verkehrsinfarkt in Regensburg. Sie fordern echte Bypässe und eine visionäre Verkehrsplanung.

In den vergangenen Wochen aber hat die Verkehrsplanung für die Region Regensburg stattdessen zwei heftige Rückschläge einstecken müssen, die sie um Jahre zurückwirft. Die Westtrasse ist faktisch gestorben. Mit der Brücke beim Eisernen Steg sollte eine Parallele zur Steinernen Brücke für Fußgänger, Fahrräder und den Busverkehr geschaffen werden. Die ist seit 2008 für Busse gesperrt. Doch die Planungen für die Ersatztrasse erwiesen sich als Gefahr für den Welterbetitel, deswegen hat die Stadt sie nun begraben. Zudem stellte sich kürzlich heraus, dass ein Umweltverträglichkeitsgutachten für die Sallerner Regenbrücke fehlt. Diese sollte eigentlich den Verkehr im Stadtnorden entlasten. Das Projekt wird sich nun aber verzögern.

OB und Landrätin schweigen

Wie es mit den gemeinsamen Verkehrsplanungen für Regensburg unter diesen Vorzeichen weitergeht, dazu wollten sich weder Landrätin Tanja Schweiger noch Oberbürgermeister Joachim Wolbergs äußern. Welche Konsequenzen die jüngsten Entwicklungen haben werden, das will sich Wolbergs nun erst einmal in Ruhe ansehen. Landrätin Schweiger visiert in der ersten Jahreshälfte 2016 einen Termin mit Wolbergs zu dem Thema an.

So könnte die Sallerner Regenbrücke aussehen.Animation: Stadt Regensburg
So könnte die Sallerner Regenbrücke aussehen.Animation: Stadt Regensburg

Die Parteien in Stadt und Landkreis aber wollen jetzt keine Zeit mehr verstreichen lassen. Norbert Hartl, der Fraktionschef der SPD im Stadtrat, wird am Montag in Sachen Verkehr aktiv: Er möchte jetzt wissen, wie es mit der Verkehrsplanung für die Region weitergehen soll. Die ins Stocken geratene Planung der Sallerner Regenbrücke habe verheerende Auswirkungen auf viele andere Verkehrsprojekte in Regensburg. Die Nachricht hat ihn schockiert: Davon hänge nicht nur die Verträglichkeitsprüfung für eine Parallelbrücke in Pfaffenstein ab, sondern auch der Lärmschutz an der Nordgaustraße oder die Entlastung der Lappersdorfer Straße. Deswegen wird er am Montag im Koalitionsausschuss einen Antrag stellen: OB Wolbergs und Planungsreferentin Christine Schimpfermann sollen im Planungsausschuss Auskunft darüber geben, wie die Stadt mit der Nachricht umzugehen gedenkt. Sollte Hartl diesen Antrag durchbekommen, wird Wolbergs sich also bald äußern müssen.

Josef Zimmermann, stellvertretender CSU-Fraktionschef im Stadtrat, sieht die Überprüfung des RVV-Liniennetzes und die Suche nach Alternativen für eine Donauquerung als dringende Aufgaben für Wolbergs und Schweiger. Peter Aumer, Oppositionsführer im Kreistag, bereitet gerade eine gemeinsame Sitzung der CSU-Fraktionen aus Stadt und Landkreis zu den Verkehrsprojekten vor. Von Landrätin Schweiger und OB Wolbergs fordert er ebenfalls eine gemeinsame Sondersitzung: und zwar eine von Stadtrat und Kreistag zu den Verkehrsprojekten.

Aumer kritisiert Vorgehen

Nach Aumers Ansicht muss die Zusammenarbeit bei Verkehrsthemen zwischen Stadt und Landkreis jetzt ohnehin vollkommen überdacht werden – damit meint er etwa das Vorgehen in den Verwaltungsapparaten. Außerdem stört ihn, dass die Verhandlungen dazu ausschließlich zwischen dem OB und der Landrätin geführt werden. Die aktuellen Entwicklungen machen es in Aumers Augen zudem notwendig, die Verkehrsmaßnahmen neu zu priorisieren. Seine Fraktion wird deswegen am Montag kurzfristige Maßnahmen für den Lappersdorfer Kreisel in der Kreistagssitzung vorschlagen.

So hätte die Westtrasse aussehen können. Animation: Stadt Regensburg
So hätte die Westtrasse aussehen können. Animation: Stadt Regensburg

Landrätin Schweiger hat das Aus für die Westtrasse und die Auswirkungen für den Regionalverkehr aus dem nördlichen und westlichen Landkreis nun erst einmal auf die Tagesordnung einer GFN-Sitzung setzen lassen. Das Unternehmen ist für den Busverkehr im Landkreis zuständig. Bei der Sitzung am Freitag soll es um Kompensationsmaßnahmen gehen. Schweiger spricht etwa von einer Umsteigemöglichkeit bei Etterzhausen, Busbeschleunigungsspuren in der Frankenstraße oder einer Donauquerung bei Kneiting.

So könnte die Kneitinger Brücke aussehen. Animation: Stadt Regensburg
So könnte die Kneitinger Brücke aussehen. Animation: Stadt Regensburg

Damit gräbt sie ein altes Streitthema zwischen Stadt und Landkreis aus: Während die Stadt die Kneitinger Brücke von der B 8 in den Stadtwesten weiter ablehnt, weil sie auf ein Naherholungsgebiet treffen und den Verkehr in ein Wohngebiet führen würde, stellt sie für Schweiger die Favoritin unter den angedachten Donauquerungen dar. Ebenfalls im Gespräch sind eine Parallele zur Pfaffensteiner Brücke und ein Brückenschlag von Sinzing nach Prüfening.

Die Bauprojekte

  • Die Regenbrücke bei Sallern:

    In der vergangenen Woche rügte der Verwaltungsgerichtshof (VGH), dass den Plänen für die Brücke (Animation: Stadt Regensburg) ein Umweltverträglichkeitsgutachten fehlt. Brückengegner haben am VGH eine Klage gegen das Projekt am Laufen. Das Umweltverträglichkeitsgutachten, das nachgeliefert werden muss, könnte den Bau um Jahre verzögern. SPD-Fraktionschef Norbert Hartl sieht die Finanzierung der Brücke durch den Bund in Gefahr.

  • Die Westtrasse:

    Die Brücke (Animation: Stadt Regensburg) war eigentlich als Parallele zur Steinernen Brücke beim Eisernen Steg gedacht. Lange wartete die Stadt auf eine Stellungnahme des Internationalen Rats für Denkmalpflege, ob der Bau den Welterbetitel in Gefahr bringen könnte. Mitte November gaben die Experten nun bekannt, dass die Westtrasse wegen ihrer zentralen Lage in der Kernzone den universellen Wert des Ensembles gefährden könnte.

  • Die Kneitinger Brücke:

    Sie ist neben der Parallelbrücke bei Pfaffenstein und dem Brückenschlag von Sinzing nach Prüfening eine von drei möglichen Donauquerungen, die im Gespräch sind.Die Verträglichkeitsstudie zur Pfaffensteiner Parallelbrücke wird OB Joachim Wolbergs aber erst machen lassen, wenn die Sallerner Regenbrücke gebaut ist. Das Projekt verzögert sich aber nun wegen der fehlenden Umweltverträglichkeitsstudie. (la)

Einen Disput zwischen ihr und Wolbergs aber gebe es nicht, sagte Schweiger. Auch Wolbergs betonte, dass er mit der Landrätin gut auskomme. Beide räumten allerdings ein, dass sie bei der Kneitinger Brücke weiterhin unterschiedlicher Meinung sind. Es werde auch nicht einfach, dafür eine Lösung zu finden, das nehme Zeit in Anspruch. Schweiger: „So ein schwieriges Thema gehe ich doch nicht am ersten Tag im Amt an.

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