MyMz
Anzeige

Nahverkehr

Walhalla-Bahnhof kommt mit Verspätung

Die 2017 geplante Inbetriebnahme ist hinfällig: Die Stadt Regensburg muss nach dem Ausstieg der Bahn die neue Brücke bauen.
Von Norbert Lösch, MZ

Der verwaiste Bahnhof Walhallastraße soll ein Stück weiter südlich wieder reaktiviert werden.
Der verwaiste Bahnhof Walhallastraße soll ein Stück weiter südlich wieder reaktiviert werden. Archivfoto: Lex

Regensburg.Der Nachfolger des 1984 stillgelegten Bahnhofs Walhallastraße lässt weiter auf sich warten. Die ursprünglich für 2017 geplante Inbetriebnahme der von der Stadt mit dem sperrigen Arbeitstitel „Schienenpersonennahverkehrshaltestelle Walhallastraße“ versehenen Bahnsteige wird sich voraussichtlich mindestens bis 2020 verzögern. Denn zunächst soll die Donaustaufer Straße ausgebaut werden, was wiederum den Neubau der Eisenbahnbrücke zur Folge hat – und auch den muss die Stadt nach dem Ausstieg der Bahn selbst stemmen. „Momentan ist die Stadt dabei, die Unterlagen für das vorher erforderliche Planfeststellungsverfahren zusammenzustellen“, heißt es aktuell aus der städtischen Pressestelle.

Die Euphorie ist verflogen

An diesem Standort zwischen der Unterführung in der Donaustaufer Straße und dem alten Bahnhof sollen neue Bahnsteige gebaut werden.
An diesem Standort zwischen der Unterführung in der Donaustaufer Straße und dem alten Bahnhof sollen neue Bahnsteige gebaut werden. Foto: Gruber

Das klang schon einmal optimistischer, zumal sich die Stadt schon vor Jahren mit dem bayerischen Verkehrsministerium und der Deutschen Bahn AG auf den Bau von zwei 210 Meter langen Bahnsteigen unmittelbar nördlich der Eisenbahnbrücke über die Donaustaufer Straße verständigt hatte. Dort, im Nordosten der Stadt, sollten künftig die Züge von und nach Schwandorf halten – mindestens im Stundentakt. „Damit schließen wir die dynamische Welterbestadt an der Donau noch besser an den ostbayerischen Zugverkehr an, entlasten den Straßenverkehr in und um Regensburg und erhöhen weiter die Standortattraktivität der Region“, hatte der damalige bayerische Verkehrsminister Martin Zeil noch 2012 euphorisch verkündet.

Und die Bahn hatte damals zugesichert, die Bahnsteige barrierefrei zu bauen, weil man mit mehr als 1000 Zu- und Aussteigern täglich rechne. Auch bei der Finanzierung war die Bahn mit im Boot: Der neue Haltepunkt sollte überwiegend aus Bundesmitteln für den Schienenpersonennahverkehr finanziert werden, über deren Verwendung die Deutsche Bahn AG und das bayerische Verkehrsministerium gemeinsam entscheiden. Die Stadt Regensburg sollte dagegen Umfeldmaßnahmen wie neue Bushaltestellen, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sowie die Anpassung des Straßen- und Wegenetzes in der Umgebung übernehmen. Einigkeit bestand auch darin, den Bau der neuen Eisenbahnbrücke unmittelbar nach Abschluss der Arbeiten für die Osttangente zu beginnen.

So steht es in Vereinbarungen zwischen Stadt und Bahn aus den Jahren 2002 und 2012 – die heute längst Makulatur sind. Denn die lange Bauzeit für die Osttangente entzweite die Partner beim Projekt Walhalla-Bahnhaltepunkt. Die DB Netz AG verabschiedete sich von bisherigen Zusagen, nachdem sie die Stadt aufgefordert hatte, die Voraussetzungen zu schaffen, dass die neue Brücke spätestens 2013 gebaut werden kann. Das aber war wegen des zeitgleichen Baus der Pilsen-Allee nicht möglich.

Ende 2013 zog sich die Bahn endgültig aus allen Planungen zurück – mit der Begründung, der Neubau der Bahnbrücke sei ausschließlich eine Folgemaßnahme des bis heute nicht erfolgten Ausbaus der Donaustaufer Straße. Die Stadt sei daher „alleiniger Vorhabensträger und alleiniger Antragsteller für ein straßenrechtliches Planfeststellungsverfahren“.

Beginnt der Ausbau 2018?

„Die Stadt sieht sich vor die Aufgabe gestellt, auch den Neubau der Brücke und die Vergrößerung der Brückenanlage zu stemmen. Dies benötigt natürlich zusätzliche Kapazitäten und vor allem Zeit.“

Die städtische Pressestelle zu den Gründen für die jahrelange Verzögerung

Die Stadt musste diese Kröte schlucken, zumal nur geringe Erfolgsaussichten bestanden, die Erfüllung der Vereinbarungen mit der Bahn notfalls juristisch durchzusetzen. Zum aktuellen Stand teilte die städtische Pressestelle auf Anfrage unserer Zeitung mit, die Stadt sehe sich „vor die Aufgabe gestellt, auch den Neubau der Brücke und die Vergrößerung der Brückenanlage zu stemmen. Dies benötigt natürlich zusätzliche Kapazitäten und vor allem Zeit. Aus diesem Grund ließ sich der ursprünglich erstellte Zeitplan nicht einhalten.“ Das Vorhaben sei nunmehr im gültigen Investitionsprogramm der Stadt für die Jahre 2018 bis 2020 eingeplant.

An der Walhallastraße soll es später gute Umsteigemöglichkeiten zur Buslinie 5 geben, die die Innenstadt mit Tegernheim, Donaustauf und Wörth verbindet. Zusätzlich soll eine neue Buslinie den Haltepunkt Walhallastraße direkt mit den wichtigen Wohn- und Gewerbezentren im Regensburger Osten verbinden. Auch im jüngst vorgestellten Bahnkonzept des Verkehrsclubs (VCD) spielt der neue Haltepunkt eine wichtige Rolle.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de auch über WhatsApp. Hier anmelden: https://www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht