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Polizei

Bombe: 5300 Menschen werden evakuiert

Mit einem 80-köpfigen Krisenstab bereitet sich Regensburg auf Sonntag vor. Dann wird die Bombe im Stadtwesten entschärft.
Von Claudia Böken, MZ

Regensburg.Eine Fünf-Zentner-Bombe ist in Regensburg nichts Ungewöhnliches. Alle paar Monate kommt ein derartiges Kriegsrelikt bei Bauarbeiten zutage. Der Fund vom Montagabend in der Dornierstraße im Stadtwesten ist nur durch seine Lage spektakulär: Zur Entschärfung muss nicht nur ein Stadtviertel mit 5300 Menschen geräumt werden. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder wird komplett evakuiert.

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, der gemeinsam mit dem für den Katastrophenschutz zuständigen Referenten Dr. Wolfgang Schörnig die Einsatzleitung inne hat, gab am Dienstagmittag bei einer Pressekonferenz im Alten Rathaus erste Details bekannt.

Seine Botschaft: Von dem Blindgänger gehe derzeit keine Gefahr aus – so wie auch in den vergangenen Jahrzehnten nicht, als ein Firmengebäude, das jetzt abgerissen wurde, über dem Sprengkörper stand. Deswegen könne man mit der Entschärfung auch bis Sonntag warten. Der Termin ist deswegen günstig, weil man ein Teilstück der Autobahn A 93 sperren muss, das an Allerheiligen erfahrungsgemäß wenig frequentiert sein dürfte. Umleitungspläne würden rechtzeitig veröffentlicht, versprach Wolbergs.

Die Stadt Regensburg erklärte die Maßnahmen bei einer Pressekonferenz. Video: Ratisbona Media

Aufnahmestopp für Patienten

Wichtig ist der zeitliche Abstand aber auch für das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, das nur etwa 200 Meter von der Fundstelle entfernt liegt. Es muss bis Sonntag komplett evakuiert werden, wie Geschäftsführer Dr. Andreas Kestler am Dienstag bekannt gab. Er hat eine eigene Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit den Vorbereitungen der Räumung befasst. Von den 733 Betten in der Klinik sind an Wochenenden normalerweise 75 Prozent belegt. Jetzt wird man einen Aufnahmestopp anordnen und die Patientenzahl auch durch reguläre Entlassungen reduzieren.

Aktuell haben die Barmherzigen rund 75 Intensiv- und Überwachungspatienten, von denen gut 20 beatmet werden müssen. Wie viele es am Sonntag sein werden, konnte er am Dienstag noch nicht sagen. Momentan werde geprüft, wie viele in die Hedwigsklinik und ins evangelische Krankenhaus, die zu den Barmherzigen Brüdern gehören, verlegt werden können, wie viele in den anderen Regensburger Kliniken untergebracht werden. „Kein Intensivpatient, der verlegt wird, darf schlechter versorgt werden“, war Kestlers Credo. Die Kosten für die Evakuierung muss übrigens die Klinik tragen.

Bombe wird tiefer gelegt

Ein Schachzug des Sprengmeisters bewahrt Regensburg vor einer noch viel größeren Aktion. Wie OB Joachim Wolbergs erklärte, hätte ursprünglich für die Entschärfung ein Umgriff von 1000 Metern evakuiert werden müssen. Jetzt wird die Bombe dreieinhalb Meter tiefer gelegt, wodurch sich der Gefahrenradius auf 500 Meter reduziert. Bis zur Entschärfung am Sonntag zu noch nicht festgelegter Uhrzeit wird das Kriegsrelikt, das mit Sand bedeckt wurde, rund um die Uhr von der Polizei bewacht, gab der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Manfred Jahn, bekannt.

Der exakte Radius, in dem die Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen, steht noch nicht fest. An der Feinjustierung wird noch gearbeitet, sagte Rechtsreferent Dr. Wolfgang Schörnig. Er werde rechtzeitig in den Medien und auf der Homepage der Stadt unter www.regensburg.de veröffentlicht. Bis zur Entschärfung richtet die Stadt unter (0941) 507 23 26 ein Bürgertelefon ein, das täglich von 8 bis 18 Uhr besetzt ist. Erst Ende September waren Bauarbeiter im sogenannten Gleisdreieck zwischen Straubinger Straße und An der Irler Höhe auf einen ähnlichen Sprengsatz aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Damals mussten 1400 Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen.

Alle aktuellen Bilder in unserer Fotostrecke:

Bauarbeiter stoßen auf Bombe

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