MyMz
Anzeige

Auszeichnung

Ein Saal, der seinesgleichen sucht

„Bauen im Bestand“: Drei Regensburger Architekten bekamen den höchsten bayerischen Preis für den Burgsaal in Parsberg.
Von Eva Gaupp, MZ

Die Regensburger Architekten Florian Gebauer, Thomas Wittmann und Alexander Wegerer (von links) vor ihrem preiswürdigen Objekt, dem Burgsaal in Parsberg
Die Regensburger Architekten Florian Gebauer, Thomas Wittmann und Alexander Wegerer (von links) vor ihrem preiswürdigen Objekt, dem Burgsaal in Parsberg Foto: Architektengemeinschaft Gebauer Wegerer Wittmann

Regensburg.Mit Golfschlägern gestampfter Beton, als Waschbecken eine Betonmischmaschine und Fernsicht von der Toilettenbrille aus – stille Örtchen mit solchen architektonischen Besonderheiten gibt es weltweit nur auf einem Golfplatz – und zwar in Lauterhofen. Sanitäranlagen „eine zentrale Bedeutung für die Baukultur“ zu verleihen, gefiel auch der Jury, die am Wochenende in München den bayerischen Architektenpreis verlieh. Denn für ihre drei Klo-Häuschen und die Schutzhütte aus Stroh erhielt das Pilsacher Architekturbüro Berschneider + Berschneider den ersten Preis in der Kategorie „Besondere Bauten“.

„Landschaftsbildende“ Toiletten

„Das ist der renommierteste Preis in Bayern“, freute sich Johannes Berschneider beim Pressetermin am Mittwoch zusammen mit seiner Frau Gudrun. Sie war es auch gewesen, die immer wieder nach einem Urlaub festgestellt hatte, dass in Hotels und im Ausland Toiletten sehr viel ansprechender gestaltet werden als in Deutschland. Inzwischen sei der Wert von Bäderarchitektur generell gestiegen und auf dem Golfplatz wirkten die Toiletten-Häuschen „landschaftsbildend“, befanden die Gestalter.

Auch der neue Burgsaal der Regensburger Architektengemeinschaft Gebauer, Wittmann, Wegerer ist enorm frequentiert, fast immer ausgebucht. Ein Veranstaltungssaal, der seinesgleichen sucht, fanden die Mitglieder des Landesverbands Bayerischer Architekten, die letztlich aus den nominierten Projekten die Preisträger bestimmten. So belohnten sie mit einem ersten Preis in der Kategorie „Bauen im Bestand“ den Mut der Parsberger.

Schließlich seien nicht alle sofort von der Idee begeistert gewesen, den traditionsreichen Hirschenkeller, mit dem die Parsberger viele Erinnerungen verbanden, abzureißen. „Das war schon ein Prozess...“, sagte Bürgermeister Josef Bauer.

Doch die Regensburger Architekten hätten nicht nur ihn, sondern letztlich auch den Stadtrat und die Bürger mit ihrem Konzept überzeugt. Die Auszeichnung erst mit dem Regionalpreis und nun mit dem Landespreis verstehe er als Bestätigung. „Der neue Burgsaal ist zwar ein Statement für die moderne Architektur, aber durch die Materialien Glas, Stein und Holz auch wieder zurückhaltend“, sagte Thomas Wittmann. „Es war schon eine Ehre, überhaupt nominiert zu sein“, freute sich Florian Gebauer.

Sie hätten nie damit gerechnet, einen Preis zu erhalten. Vor allem nicht angesichts der namhaften Konkurrenz. Es sei das erste Mal gewesen, dass die Architektengemeinschaft sich mit einem Projekt um den BDA-Preis beworben habe. Doch der Auftrag, im Umfeld einer historischen Burg zu bauen, sei fast einmalig – „da mussten wir es einfach probieren“.

Auch das Umfeld gestaltet

2010 hatte die gemeinsame Arbeit in Parsberg begonnen. Neben dem neuen Burgsaal zeichneten die drei Regensburger für die Gestaltung des Umfelds mit den Burggärten verantwortlich. Und eines sei auch klar: Um nominiert oder gar ausgezeichnet zu werden, müsse man ein ungewöhnliches Projekt anbieten. „Mit einem Einfamilienhaus braucht man da nicht zu kommen“, pflichtete ihm Johannes Berschneider bei.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht