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Gesundheit

Erste Vorboten: Die Grippe kommt

Februar ist Influenza-Saison. Vor einem Jahr kam die Grippewelle wie ein Tsunami. Auch nun gibt es mehr Fälle in Regensburg.
Von Heinz Klein, MZ

Derzeit wird viel geschnäuzt und geniest. Neben den grippalen Infekten kündigt sich auch die Influenza an.
Derzeit wird viel geschnäuzt und geniest. Neben den grippalen Infekten kündigt sich auch die Influenza an. Foto: dpa

Regensburg.Die Erinnerung ist noch wach und war den Klinikärzten eine Lehre. In den ersten Februartagen 2015 rollte eine Grippewelle heran, die so viele Patienten mit schweren Krankheitsverläufen in die Krankenhäuser spülte, dass diese dem Ansturm kaum mehr Herr wurden. „Es war wie ein Tsunami, die Dynamik der Grippe war gewaltig, die Notaufnahme des Regensburger Universitätsklinikums wurde richtig überrannt“, erinnert sich Privatdozent Dr. Wulf Schneider, der Leiter der Klinischen Bakteriologie und Hygiene des Klinikums. Die Krankenhäuser verhängten selektive Aufnahmestopps und ganze Berufszweige mit viel Kunden-Kontakt waren nahezu lahmgelegt, wie etwa die Münchner Verkehrsbetriebe, die den Personennahverkehr nur mehr eingeschränkt wahrnehmen konnten.

Wiederholt sich das heuer? „Die Vorboten der Influenza sind da, aber richtig sagen kann das erst nach dem Sturm“, sagt Dr. Schneider. Die Daten des Robert-Koch-Instituts verdeutlichen den Anstieg. 31 gemeldete und abgeklärte Fälle von echter Grippe in Regensburg Stadt/Land im Januar kann Dr. Matthias Pregler, der Chef des Gesundheitsamts, vermelden – mit klar steigender Tendenz in der zweiten Monatshälfte. Diese Zahl der gemeldeten und abgeklärten Influenzafälle stellt freilich nur einen Teil der Erkrankungen dar – und das auch nur mit zeitlicher Verzögerung.

Die Influenza kommt rasend

Am Uniklinikum müssen erste Grippe-Fälle auf der Intensivstation beatmet werden. Auch im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder gibt es stationäre Einweisungen. „Wir testen jeden Tag zwischen fünf und zehn Fälle“, berichtet Prof. Dr. Jan Braess, medizinischer Direktor des Krankenhauses an der Prüfeninger Straße. Die Viren hätten sich auf ihrem Weg von der Südhalbkugel der Erde zu uns genetisch nicht sehr verändert, weshalb die Grippeimpfung heuer wahrscheinlich besser wirke. Jetzt noch zu impfen sei aber nur noch bei Risikopatienten sinnvoll, rät Dr. Pregler.

Schniefen und Schneuzen hört man es allerdings überall. Doch das sind meist grippale Infekte. Die echte Grippe legt ihre Opfer binnen Stunden ins Bett. „Wenn du unten im Skilift gesund einsteigst und oben als Kranker wieder aussteigst, ist es die echte Grippe“, erzählte ein Hausarzt.

Ich habe Grippe – Von wegen!

  • Grippe oder nicht?

    Nicht jede Grippe ist eine Grippe. Vielen, die bei Kopf- und Halsschmerzen gleich von „Grippe“ sprechen, ist der Unterschied zum grippalen Infekt oder einer Erklältung oft nicht klar. Das Robert Koch-Institut definiert die Influenza als „eine durch das Influenzavirus hervorgerufene, vorwiegend durch respiratorische Sekrete in tröpfchenform übertragene Erkrankung.“

  • Impfung empfohlen

    Symtome sind der plötzliche Beginn, hohes Fieber, Muskel- oder Kopfschmerzen. „Schwere Verlaufsformen“ können in jedem Lebensalter auftreten, vorwiegend aber bei älteren Menschen. Die Influenza ist eine meldepflichtige Krankheit und tritt in sogenannten Grippewellen auf – in Deutschland meist im Januar oder Februar. Impfungen werden dringend empfohlen. (gi)

Die Anzahl der Grippeviren ist in der akuten Phase gigantisch – über eine Million pro Milliliter Flüssigkeit. Die Tröpfchen fliegen beim Niesen weit. Und wer sich in die Hand hustet und danach Hände schüttelt, hat alles für eine Weiterverbreitung getan, warnt der Bakteriologe Dr. Schneider. Deshalb: In die Armbeuge niesen und oft und ausgiebig Hände waschen! Im normalen Gespräch reicht ein Meter Sicherheitsabstand, um einer Tröpfcheninfektion zu entgehen.

Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder hat man eine Lehre aus der Influenza-Welle des Vorjahres gezogen. Wenn mehr als 10 Prozent der Patienten einer Station an Grippe erkranken, wird das gesamte Klinikpersonal Mundschutz tragen, kündigt Professor Jan Braess an. Dieser Schutz habe sich im vergangenen Jahr gut bewährt, um Infektionswege zu unterbinden und Personal und auch Patienten zu schützen. Auch am Uniklinikum bewahrte der Mundschutz das Klinikpersonal. Trotz des gewaltigen Ansturms erkrankte nur ein Mitglied im Team der Notaufnahme.

Die Hitliste der Keimbelastung

Die Hitliste der Keimträger (von links, oben beginnend): Telefon, Handydisplay, Computermaus, Aufzugknopf, EC-Karte, Tisch
Die Hitliste der Keimträger (von links, oben beginnend): Telefon, Handydisplay, Computermaus, Aufzugknopf, EC-Karte, Tisch Foto: Klein

Oft setzt sich beim geschwächten Patienten auf die Grippe noch eine bakterielle Erkrankung oben drauf. Bakterielle Superinfektionen kommen aber in der Regel durch die eigenen Bakterien im Mund-Rachenraum zustande. Die MZ hat Dr. Schneider gebeten, Allerweltsgegenstände auf bakterielle Belastung untersuchen zu lassen.

Bakterien werden durch Berührung übertragen. Deshalb weisen vielfach berührte Gegenstände eine hohe bakterielle Besiedlung auf. Natürlich spielt auch das Material eine Rolle. Metalle haben eher antibakterielle Eigenschaften als etwa Plastik. Und so ergibt sich auch die Hitliste der Gegenstände, auf denen Bakteriologen des Regensburger Uniklinikums die höchste Besiedlung mit Keimen fanden: Der Telefonhörer mit geschätzt 50 Bakterienkolonien, das Handydisplay mit 25 Kolonien, gleichauf mit der Computermaus, gefolgt vom Aufzugknopf (20), der EC-Karte und einer Geldmünze (15). Das Papier des Geldscheins ist dagegen mit zwei Kolonien weit weniger belastet. Als nahezu keimfrei erwies sich mit ebenfalls zwei Kolonien eine Klobrille, als völlig keimfrei ein regelmäßig gewischter und ansonsten trockener Tisch. Als berüchtigtes Bakterienbiotop gilt dagegen erfahrungsgemäß der Spüllappen in der Küche, denn Keime lieben Feuchtigkeit und Wärme.

Die Vermehrung findet in rasendem Tempo statt. Ein Bakterium verdoppelt sich unter günstigen Bedingungen etwa alle 20 Minuten, so dass im Brutschrank aus einem Bakterium nach 24 Stunden eine Kolonie mit mindestens einer Million Keime entstanden ist. Die Keimzahl kann beim Händewaschen auch mit normaler Seife dramatisch reduziert werden.

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