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Theater

Jahnstadion: Wetterchaos zum „Abpfiff“

Das Theater Regensburg inszeniert eine Abschiedsgala für das Stadion. Dann rollt eine Unwetterwelle über die Stadt.
Von Helmut Wanner, MZ

Nach einer Open-Air-Veranstaltung auf der Walhalla bei Donaustauf und einem Philharmonie-Konzert im Steinbruch des Walhalla-Kalkwerks ließ das Theater Regensburg nun bereits bei einer dritten Freiluft-Großveranstaltung einen außergewöhnlichen Spielort erklingen.

Regensburg.„Abpfiff“ für das Jahnstadion: Bevor die altehrwürdige Arena in der Prüfeninger Straße der Abrissbirne zum Opfer fällt, hatte das Theater Regensburg dort am Samstagabend eine aufsehenerregende Abschiedsgala inszenieren wollen.

Gemeinsam mit zahlreichen Künstlern eröffneten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und Intendant Jens Neundorff von Enzberg um 17 Uhr die Veranstaltung am späten Nachmittag mit einem „Einzug der Nationen“. Danach führte das Tanzensemble des Theaters Regensburg das von Yuki Mori choreografierte Stück „Die 113. Minute“ auf, als Reminiszenz an das WM-Finaltor von Mario Götze, bevor sechs Mannschaften auf dem Kleinfeld um die Fußballkrone stritten. Auch die Comedian Harmonists brachten dem Stadion noch ein Ständchen. „Gib mir den letzten Abschiedskuss“ - dann aber brach um 19.45 Uhr ein schweres Unwetter herein, das um 20.05 Uhr in Starkregen, Sturm und Hagel überging. Das Wetterspektakel dauerte über eine Stunde.

Der Moderator bat galgenhumorig um Applaus für den „stärksten Regen, den das Jahnstadion je erlebt hat.“ Die Lichttechnik mühte sich, Farbe in die Regenwand zu zaubern. Ein Flitzer sorgte für Heiterkeit, er lief mit nacktem Oberkörper über den Platz.

Sinfoniekonzert gibt es gratis

Zum Abschied vom Jahnstadion feiert das Theater Regensburg dort ein Fest – und manch einer schlüpft in ungewöhnliche Kostüme.
Zum Abschied vom Jahnstadion feiert das Theater Regensburg dort ein Fest – und manch einer schlüpft in ungewöhnliche Kostüme. Foto: Lex

Doch die meisten der rund 1600 Gäste auf der alten Jahn-Tribüne und der Nordtribüne waren wegen des Philharmonischen Orchesters gekommen, das Ausschnitte aus Operetten sowie populäre Fußballhymnen zum Besten geben sollte.

Die große Bühne war nach Westen ausgerichtet und stand voll im Hagelwetter. So musste der zentrale Teil der Gala abgesagt werden. „Die Gäste dürfen stattdessen nun gratis ein Symphoniekonzert in der nächsten Spielzeit besuchen“, versprach Intendant, Jens Neundorf von Enzberg, der die Idee zum „Abpfiff“ hatte. Sowohl der Intendant als auch Wolbergs, als OB auch Chef des Wasserwerks, standen dem Unwetter machtlos gegenüber.

Unterdessen versammelten sich eine Handvoll mutiger Regensburger in Rot-Weiß am Parkplatz vor dem Jahnstadion. OB Joachim Wolbergs hatte um 17 Uhr bei der sogenannten Stadtwette gegen Intendant von Enzberg gewettet, dass er 126 rot-weiß gekleidete Regensburger auftreiben würde, die im Laufe des Abends im Stadion mit dem Cantemus-Chor die Ratisbona-Hymne singen (bekannt aus dem „Sommernachtsalbtraum auf St. Emmeram“). Die Stadtwette soll beim Theaterfest Mitte September wiederholt werden.

Jahn gewinnt Abschiedsturnier

Schwere Unwetter sind am Samstagabend über Regensburg hereingebrochen.
Schwere Unwetter sind am Samstagabend über Regensburg hereingebrochen.Foto: Lex

Auf den Rängen gab es vereinzelt Kritik an der Entscheidung, die ersten beiden Stunden des „Abpfiffs“ für ein Freundschaftsturnier zu verwenden, dessen Unterhaltungswert als fragwürdig eingestuft wurde, obwohl dort Prominente wie Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Schauspieler Marcus Mittermeier mitkickten. Das Turnier entschied nach einem Penaltyschießen übrigens die Jahn-Geschäftsstelle für sich. Torhüter Josef Späth vereitelte dabei zwei Treffer des Turnierzweiten Campus-Asyl.

So werden sich die meisten Besucher an das Wetter erinnern, wenn sie einmal auf den „Abpfiff“ am 27. Juni 2015 im Jahnstadion zu sprechen kommen. Und daran, wie sie barfuß auf dem Rasen des altehrwürdigen Jahnstadions zu „Sympathy for the Devil“ getanzt haben.

Kult trifft auf Hochkultur: "Abpfiff" im Jahnstadi

Radny seit 61 Jahren Jahn-Fan

Alt-Rocker Günther V. Radny schaffte es, mit seinen „Mystic Eyes“ den Schlussakzent zu setzen. Doch gleich bei der zweiten Nummer fiel kurzzeitig der Strom aus. Die Bühne lag im Dunkeln, die Band hatte keinen Saft mehr. Radny hatte gleich den richtigen Kommentar: „Haben s’ vielleicht wieder die Stromrechnung ned zahlt“.

Das Regensburger Urgestein ist nicht nur einer, der seit 1967 ununterbrochen auf der Bühne steht. Er gilt auch als einer der längsten Besucher des alten Jahnstadions. Radny: „61 Jahre gehe ich schon raus.“ Sein erstes Mal im Stadion an der Prüfeninger Straße war mit fünf Jahren an der Hand seines Vaters. Später war an der Vortribüne sein Platz. Durchs Fenster der Gaststätte Jahntribüne ließ er sich das Bier rausreichen.

Bei seinem letzten Mal ging „gleich über der Musik“ ein prächtiger Regenbogen auf. Die Regensburger Altrocker von Mystic Eyes spielten bis 22 Uhr und versöhnten mit Nummern wie „Brown Sugar“ und „Allright now“ am Ende viele, die ins Stadion gekommen waren. Sie setzten den hoffungsfrohen Schlussakkord im 89 Jahre alten Fußballstadion. Kommende Woche wird dort bereits die Tribüne abgebaut. Nach einem Open-Air auf der Walhalla und einem Konzert im Walhalla-Kalkwerks ließ das Theater Regensburg nun bereits den dritten außergewöhnlichen Spielort erklingen – dass diesmal gleich der gesamte Hauptteil ausfiel, damit konnte niemand rechnen.

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