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Soziales

Michlstift: Schutzhaus verzögert sich

Von der Notunterkunft zum „Menschen-in-Not-Haus“: 800.000 Euro kosten Reparatur und Umbau der Regensburger Anlage am Singrün.
Von Micha Matthes, MZ

  • Ein laminiertes Schild der Familienhilfe Morgenstern hängt notdürftig mit Fäden festgezurrt am Tor des Michlstifts. Eigentlich sollte das Gebäude schon im März in ein „Menschen-in-Not-Haus“ umgewandelt werden. Doch der Startschuss für den Umbau verzögert sich immer weiter. Foto: mt
  • Eigentlich sollte das Michlstift schon im März in ein „Menschen-in-Not-Haus“ umgewandelt werden. Doch der Startschuss für den Umbau verzögert sich immer weiter. Foto: mt
  • Eigentlich sollte das Michlstift schon im März in ein „Menschen-in-Not-Haus“ umgewandelt werden. Doch der Startschuss für den Umbau verzögert sich immer weiter. Foto: mt
  • Eigentlich sollte das Michlstift schon im März in ein „Menschen-in-Not-Haus“ umgewandelt werden. Doch der Startschuss für den Umbau verzögert sich immer weiter. Foto: mt
  • Eigentlich sollte das Michlstift schon im März in ein „Menschen-in-Not-Haus“ umgewandelt werden. Doch der Startschuss für den Umbau verzögert sich immer weiter. Foto: mt

Regensburg.Monatelang diente das Michlstift als hektisch eingerichtete Notunterkunft für 280 Asylsuchende und minderjährige Flüchtlinge. Jetzt hat sich die Lage beruhigt. Am Freitagmorgen hängt der Nebel im Innenhof der Anlage am Singrün. Eine junge Mutter stellt ihr Fahrrad ab und betritt mit ihrer Tochter den Gebäuderiegel, der zur Weitoldstraße zeigt. Die Notfallunterkunft wurde bereits im Juni wieder aufgelöst. Die meisten Flüchtlinge wurden auf andere Unterkünfte – auch überregional – weiterverteilt oder sie zogen von sich aus weiter.

Ein laminiertes Schild der Familienhilfe Morgenstern hängt notdürftig mit Fäden festgezurrt am Tor der Pforte. Langfristig soll das Gebäude in ein „Menschen-in-Not-Haus“ umgewandelt werden. Den Plan wollte die Stadt eigentlich schon im März umsetzen. Zuletzt hieß es dann: das Haus werde ab Januar im Vollbetrieb stehen. Doch momentan deutet darauf noch wenig hin. „Das Verfahren läuft noch, da Umbaumaßnahmen im größeren Umfang durchgeführt werden müssen“, sagt Oberbürgermeister Joachim Wolbergs auf Nachfrage unserer Zeitung. „Weitere Details dazu und auch die genaue Höhe der Kosten werden zurzeit ermittelt. Im Januar sollen dem zuständigen Sozialausschuss voraussichtlich die Ergebnisse vorgelegt werden.“

19 junge Männer leben im Michlstift

Ein laminiertes Schild der Familienhilfe Morgenstern hängt notdürftig mit Fäden festgezurrt am Tor des Michlstifts. Eigentlich sollte das Gebäude schon im März in ein „Menschen-in-Not-Haus“ umgewandelt werden. Doch der Startschuss für den Umbau verzögert sich immer weiter.
Ein laminiertes Schild der Familienhilfe Morgenstern hängt notdürftig mit Fäden festgezurrt am Tor des Michlstifts. Eigentlich sollte das Gebäude schon im März in ein „Menschen-in-Not-Haus“ umgewandelt werden. Doch der Startschuss für den Umbau verzögert sich immer weiter. Foto: mt

Aktuell wird daher nur der Gebäuderiegel an der Weitoldstraße genutzt. Dort sind noch 19 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UmF) untergebracht. Sie werden im Rahmen der Jugendhilfe betreut. „Das sind wirklich gute Jungs“, sagt ein Angestellter des Hauses. „Sie gehen tüchtig in die Schule und wenn man mal Hilfe braucht, packen sie sofort mit an.“ Einen Zwischenfall oder eine Schlägerei habe es noch nie gegeben, seit das Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werde. Sicherheitspersonal vor der Pforte hält die Stadt unterdessen nicht mehr für notwendig.

Flüchtlinge: Lage entspannt

  • Wie ist die Lage bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UmF)?

  • Nur wenige Flüchtlinge kommen derzeit hierher. Die ruhige Lage hat uns etwas Zeit verschafft. Wir brauchen keine Notfallunterbringung mehr und konnten alle 200 UmF, die hier leben, gut versorgen, sie in Schulen unterbringen oder ihnen Ausbildungsplätze vermitteln.

  • Hat sich die Gesetzeslage verändert?

  • UmF werden, wenn sie hier ankommen, nicht mehr in Obhut, sondern vorläufig in Obhut genommen. Dafür gibt es jetzt eine eigene Einrichtung im Regensburger Hof. Von dort aus können die jungen Menschen jetzt auch in die gesamte Oberpfalz weitervermittelt werden. Wir liegen in Bayern noch leicht über unserer Quote. 2017 könnte sich das wieder ändern. Dann nehmen wir eventuell wieder mehr UmF auf.

  • Bereitet den Trägern die Verzögerung des Michlstift-Umbaus Bauchschmerzen?

  • Wir brauchen dieses Schutzhaus – und zwar lieber gestern als heute. Bei den beteiligten Trägern und Einrichtungen muss man aber differenzieren. Bei den Flüchtlingen ist der Druck glücklicherweise im Moment nicht wahnsinnig groß. Für die beiden Gruppen im Haus müssen wir für den Umbau dann wohl vorübergehend einen anderen Platz finden.

  • Was bietet das Kinderschutzhaus?

  • Das Kinderschutzhaus wollen wir schon lange. Ich halte es für einen wichtigen Baustein im Kinderschutz. Es ist kein Kinderheim, sondern zur zwischenzeitigen Unterbringung gedacht. Ein Platz, an dem das betroffene Kind mit hoher fachlicher Qualität versorgt wird, während geprüft wird, was in dem Moment das Beste ist. Diesen Bedarf haben wir – und hier tut die Verschiebung tatsächlich ein bisschen weh.

Zuletzt wurde das Michlstift als Alten- und Pflegeheim genutzt. Laut den Angaben der Stadt entsprach das Bürgerstift aber „nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Pflegeheim“. Vor allem der Brandschutz sei nicht mehr zeitgemäß gewesen. Nun soll das fast 300 Jahre alte Haus anders genutzt werden. Im Einzelnen sind geplant: Ein Kinderschutzhaus für gefährdete Kinder aus „Problemfamilien“ mit sieben Plätzen für Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren, Büroflächen für den Kinderschutzbund sowie den Pflegekinderdienst und die Jugendschutzstelle, betreutes Jugendwohnen in Wohngemeinschaften mit fünf Plätzen für Mädchen im Alter von 16 bis 20 Jahren, Nachfolgegruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Alter von 16 bis 20 Jahren mit insgesamt 60 Plätzen, eine Verselbstständigungsgruppe für UmF im Alter von 18 bis 21 Jahren mit fünf Plätzen, betreutes Einzelwohnen für fünf bis zehn UmF im Alter von 16 bis 18 Jahren, Übergangswohnraum für drei zugewanderte Familien aus Südosteuropa im Rahmen des Projekts HAYDE und Wohnraum mit neun Plätzen für alleinerziehende weibliche Flüchtlinge aus Gemeinschaftsunterkünften.

Maximal werden dann bis zu 110 Personen in dem Gebäude leben. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf der Betreuung von UmF und Flüchtlingsfamilien.

Viel Geld fließt in den Umbau

Viel Geld fließt bis dahin noch in das Michlstift. Die monatelange „Intensivnutzung“ durch fast 300 Personen hinterließ ihre Spuren. Wo sich zuvor zwei Senioren ein Zimmer geteilt hatten, lebten in dieser Zeit bis zu sechs Flüchtlinge. Schäden am Gebäude müssen beseitigt werden. Außerdem muss es für die Umnutzung umgebaut werden. Für die Schadensbeseitigung stellt die Regierung der Oberpfalz 286.000 Euro zur Verfügung, die Stadt Regensburg zahlt 67.000 Euro. Bei den Kosten für die Umnutzung trägt die Katholische Bruderhausstiftung 350.000 Euro und die Stadt steuert 88.000 Euro bei.

Bislang sind nur im Garten des Michlstifts Bauarbeiten im Gange: Dort wird das Interimsquartier für die Realschule am Judenstein errichtet.
Bislang sind nur im Garten des Michlstifts Bauarbeiten im Gange: Dort wird das Interimsquartier für die Realschule am Judenstein errichtet. Foto: mt

Bislang laufen aber nur im Garten des Michlstifts Bauarbeiten. Dort wird das Interimsquartier der Realschule am Judenstein errichtet. „Aktuell werden graue Fassadenpaneele an das zweistöckige Gebäude mit Beschulungsräumen in Modulbauweise montiert“, sagt Wolbergs. Voraussichtlich beginnen in dieser Woche die Dacharbeiten. Bis Ende des Jahres sollen diese Arbeiten vonseiten des Hochbauamtes abgeschlossen sein. „Der Einzug in das Interimsgebäude wird im ersten Quartal 2017 stattfinden. Selbstverständlich wird der Garten nach Abbau des Gebäudes wieder hergestellt.“

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