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Banken

Sparkasse plant Schließung von Filialen

Niedrigzinsniveau und verändertes Kundenverhalten zwingen zu Maßnahmen: Im Raum Regensburg könnten 17 Filialen bedroht sein.
Von Josef Pöllmann und Andrea Fiedler, MZ

Am Samstag spricht der Verwaltungsrat der Sparkasse über die künftige Strategie.
Am Samstag spricht der Verwaltungsrat der Sparkasse über die künftige Strategie. Foto: Sparkasse

Regensburg.Mit welchen Maßnahmen kann die Sparkasse Regensburg fit für die Zukunft gemacht werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich Vorstand und Verwaltungsrat bei der jährlichen Strategieklausur, die dieses Wochenende in der Continental-Arena stattfand. In der Diskussion ging es am Samstagnachmittag erstmals auch um die Frage von Filial-Schließungen. Die sind besonders bei einigen Landkreis-Bürgermeistern umstritten.

Die Information unserer Zeitung, wonach 17 Filialen im Einzugsgebiet der Sparkasse bedroht sein könnten, bestätigte Joachim Wolbergs. Der Oberbürgermeister ist aktuell Vorsitzender des Verwaltungsrats. Alle Banken, aber besonders die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, seien gehörig unter Druck. „Das dauerhafte Niedrigzinsniveau und das veränderte Kundenverhalten zwingen die Banken dazu, sich neu aufzustellen.“

„Wichtig ist mir, dass es auch im Fall von Filialschließungen keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird.“

Joachim Wolbergs

Nach den Worten von Wolbergs liegt ein Vorschlag des Vorstands auf dem Tisch, der mittelfristig die Schließung von 17 Filialen enthält, in denen die Kundenfrequenz sehr niedrig ist. Andererseits beinhalte das Papier auch die Idee, neue Kundenberatungscenter aufzubauen. Dieses Konzept könne er angesichts der Rahmenbedingungen nachvollziehen. „Wichtig ist mir, dass es auch im Fall von Filialschließungen keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird.“ Es könne aber sein, dass Stellen, die altersbedingt auslaufen, nicht nachbesetzt werden – das sei übrigens bei der Stadt Regensburg auch der Fall.

Am Samstagnachmittag diskutierte der Verwaltungsrat der Sparkasse das Strategiepapier. Es sei eine vernünftige Diskussion gewesen, erklärte Wolbergs. „Im Kern waren sich alle einig, dass man am Filialnetz etwas machen muss.“ Die Mitglieder debattierten über die Anzahl betroffener Filialen sowie den Zeitraum einer Umsetzung des Vorhabens. Ein Ergebnis habe es am Samstag aber nicht gegeben, sagte Wolbergs. In den kommenden Wochen bleibt dem Gremium Zeit, sich über die Strategie zu informieren. In der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats am 10. März sind die möglichen Filial-Schließungen wieder Thema.

Landrätin Tanja Schweiger, stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats, will sich zu der neuen Strategie erst konkret äußern, wenn sie alle Fakten auf dem Tisch hat, sagt sie unserer Zeitung am Wochenende. „Bei der Sitzung sind ja viele Fragen gestellt worden, die in diesem Rahmen nicht beantwortet werden konnten.“

Verwaltungsrat Peter Aumer, CSU-Vorsitzender im Landkreis, warf der Landrätin vor, sie sei ihrer Verantwortung als stellvertretende Vorsitzende des Gremiums nicht nachgekommen. „Da kann man sich nicht hinstellen und sagen, man ist überrumpelt worden“, sagte er unserer Zeitung am Sonntag. Schweiger bestritt, von dem Strategiewechsel überrascht worden zu sein. Es liege auf der Hand, „dass die langanhaltende Niedrigzinsphase auch für die Sparkasse Regensburg Veränderungen nötig macht“. Inhaltlich wollte sich Aumer zu den Planungen genauso wenig äußern wie weitere Verwaltungsräte, die wir am Sonntag um einen Kommentar baten.

Stellungnahme der Sparkasse

Die Sparkasse veröffentlichte bereits am frühen Samstagnachmittag eine Stellungnahme auf Facebook, nachdem eine erste Meldung unserer Zeitung bei Kunden und Mitarbeitern für Aufsehen gesorgt hatte. „Unsere Kunden kommen schlichtweg seltener in die Filiale als früher. Sie nutzen immer stärker unsere alternativen Angebote wie Online-Banking, telefonischen Kundenservice, Sparkassen-App oder Internetfiliale. Wir können daher die Schließung von Filialen als Reaktion auf ein sich immer schneller veränderndes Kundenverhalten nicht länger vermeiden“, heißt es darin.

Liebe Kunden, liebe Bürger, liebe Mitarbeiter der Sparkasse Regensburg. Aktuell berichtet die Mittelbayerische...

Posted by Sparkasse Regensburg on Saturday, February 20, 2016

In einer ersten Reaktion erklärte die Sparkasse, sie werde weiterhin mit einem breiten und gut erreichbaren Filialnetz in Stadt und Landkreis Regensburg vertreten sein. Die Bargeldversorgung werde flächendeckend sichergestellt bleiben. Und sie verfolge das Ziel, dass Kunden weiterhin von ihren vertrauten Beratern betreut werden. Sollten Filialen geschlossen werden, wanderten Mitarbeiter und Kunden in die nächstgelegene Filiale.

In der in den sozialen Netzwerken veröffentlichten Stellungnahme heißt es auch: „Standortschließungen haben nicht den Abbau von Arbeitsplätzen zum Ziel.“

„Die Kunden sollen nicht mehr als 15 Minuten Fahrzeit zu einer Filiale einplanen müssen.“

Joachim Wolbergs

Ende März will der Verwaltungsrat endgültig über das Strategiepapier entscheiden, das nicht nur Filial-Schließungen als Maßnahmen enthält. Präsentiert wird unter anderem auch eine umfangreiche Ideensammlung, wie die Sparkasse in Zukunft auf die Folgen der Digitalisierung reagieren kann. Den Zeitplan für mögliche Filial-Schließungen gab der Verwaltungsrats-Chef im Gespräch mit unserer Zeitung vor: „Wenn sich der Verwaltungsrat dafür entscheidet, passiert das Zug um Zug und wird frühestens ab der zweiten Jahreshälfte 2017 umgesetzt.“ Es sei auch überlegt worden, wie weit künftig die Filialen voneinander entfernt sein dürfen. „Die Kunden sollen nicht mehr als 15 Minuten Fahrzeit zu einer Filiale einplanen müssen.“ Welche Orte auf der Streichliste stehen, war am Samstag nicht zu erfahren, denn es sei, sagte Wolbergs, noch keine endgültige Festlegung getroffen worden.

Bürgermeister kritisiert Pläne

Derzeit hat die Sparkasse Regensburg 49 Filialen in Stadt und Landkreis.
Derzeit hat die Sparkasse Regensburg 49 Filialen in Stadt und Landkreis. Foto: Sparkasse

Die Pläne, die in den vergangenen Tag durchgesickert waren, haben vor allem bei Bürgermeistern im Landkreis Regensburg für Aufregung gesorgt. „Der große Vorteil der Sparkasse war bislang, dass sie in den Orten präsent ist“, sagte ein Rathaus-Chef, der anonym bleiben will. Er hoffte darauf, dass Landrätin Tanja Schweiger diesem Konzept nicht zustimme.

Auf der Bilanzpressekonferenz im März 2015 hatte die Sparkasse Regensburg noch bekräftigt, an ihren 49 Filialen weiter festhalten zu wollen. Trotz Zinsflaute und Trend zum Internet-Banking. Mit rund 850 Mitarbeitern zählt sie zu den größten der bayerischen Sparkassen. Im Jahr 2014 wurde erstmals die Bilanzsumme von vier Milliarden Euro überschritten. Die Sparkasse Regensburg betreut nach eigenen Angaben rund 175 000 Kunden – und damit fast jeden zweiten Einwohner in Stadt und Landkreis Regensburg.

Weitere Nachrichten aus der Region Regensburg finden Sie hier.

Sparkassen in Bayern

  • Netz:

    In Bayern gibt es insgesamt 71 Spakassen mit 2327 Geschäftsstellen und 43 936 Mitarbeitern. Die Kunden sparen dort insgesamt rund 146 Milliarden Euro und nehmen Kredite in Höhe von 116 Milliarden Euro in Anspruch.

  • Raum Regensburg:

    Die Sparkasse Regensburg ist vertreten in Stadt und Landkreis Regensburg mit 49 Filialen. Sie zählt mehr als 850 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr stieg die Bilanzsumme erstmals in der 193-jährigen Geschichte über vier Milliarden Euro.

  • Werte:

    Die Kunden haben bei der Sparkasse Regensburg rund 3,23 Milliarden Euro an Einlagen. Gleichzeitig hat das Institut 2,51 Milliarden Euro an Krediten ausgereicht.

  • Engagement:

    Mit mehr als 600 000 Euro ist die Sparkasse auch die größte Sportförderin der Region. Sie unterstützt auch regionale Kunst- und Kulturprojekte und fördert u.a. Jugend musiziert, die Tage Alter Musik, und die Schlossfestspiele.

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