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Telekom kappt Regensburger die Leitung

Engpass im Verteilerkasten: Ein Techniker steckte Karl Kaisers Anschluss einfach aus – offenbar zugunsten eines Neukunden.
Von Micha Matthes, MZ

Karl Kaiser betrachtet einen Verteilerkasten in der Wollwirkergasse. Sein Telefonanschluss wurde – offenbar zugunsten eines Neukunden – ausgesteckt.
Karl Kaiser betrachtet einen Verteilerkasten in der Wollwirkergasse. Sein Telefonanschluss wurde – offenbar zugunsten eines Neukunden – ausgesteckt. Foto: mt

Regensburg.Am 13. September ist die Leitung tot. Kein Internet, kein Telefon: Karl Kaiser wendet sich sofort an die Service-Hotline der Telekom. Die erste Version, die er dann hört, lautet: Es sei ein Schaden in einer Erdleitung. Dazu müsse aufgegraben werden. „Die Verteilerkästen gehören der Stadt Regensburg. Da könne die Telekom nichts machen, haben sie mir gesagt – obwohl auf den Kästen ja ,Deutsche Post‘ steht.“ Zwei Tage später kommt ein Techniker zu Kaiser, testet die Leitungen und geht auf Verteilerkasten-Suche. Schließlich sagt er: „Sie sind ausgesteckt worden.“ Weil er keine „Zuordnung“ dabei habe, müsse Kaiser sich noch gedulden. Und Kaiser wartet weiter, verbringt wieder Stunden in der Warteschleife der Hotline – vergeblich. Schließlich stellt er selbst Nachforschungen an und stößt auf einen Grund, für den er absolut kein Verständnis hat. „Mir wurden viele Lügen erzählt“, sagt er.

Abgeklemmt für einen Neukunden

Kein Anschluss unter dieser Nummer: Am Regensburger Herrenplatz gibt es offenbar zu wenige Telefonanschlüsse für zu viele Kunden.
Kein Anschluss unter dieser Nummer: Am Regensburger Herrenplatz gibt es offenbar zu wenige Telefonanschlüsse für zu viele Kunden. Foto: mt

Als eine Woche vergeht und Kaiser seine Mails noch immer nicht abrufen kann, spricht er mit Fernmeldetechnikern, Mitarbeitern in Telefonläden und konfrontiert die Service-Kräfte an der Telekom-Hotline mit den neu gewonnenen Informationen. Schließlich findet er heraus, dass für seinen Telefon- und Internetanschluss am Herrenplatz ein Verteilerkasten Am Singrün zuständig ist. Der davorliegende Oberverteilerkasten steht in der Wollwirkergasse, gegenüber der Gaststätte Locanta.

„Am frühen Morgen des 13. September sollte in diesem Verteilerkasten ein Neukunde angeschlossen werden“, sagt Kaiser. „Der Fernmeldetechniker stellte fest, dass für Neuanschlüsse keine Ports mehr frei waren und klemmte einfach kurzerhand meinen Anschluss ab, um den Neukunden zu bedienen.“ Seither ist Kaiser nur noch über ein geliehenes Handy erreichbar. Um seine Mails abzurufen, muss er ins Internetcafé gehen.

In einem Geschäft in den Arcaden erhält Kaiser den Rat, den Telekom-Vertrag zu kündigen. „Ich hätte ein Sonderkündigungsrecht, wurde mir gesagt.“ Allerdings könnten auch alle anderen Anbieter keinen Anschluss herstellen, weil die Leitung ja der Telekom gehört. „Ich könnte aber auch darauf hoffen, dass bald wieder ein Anschluss frei wird.“ Ansonsten bliebe Kaiser nur noch die Option Kabel Deutschland über „Fernsehkabel“. Karl Kaiser ist seit 32 Jahren Kunde bei der Telekom beziehungsweise dem Vorgänger Deutsche Bundespost. Seinen Anschluss am Herrenplatz hat er seit 23 Jahren. Altersmäßig könne er durchaus noch leicht 20 Jahre Telekomkunde sein. „Aber das interessiert nicht“, sagt er. „Dieser Konzern lebt immer noch von seinem guten Image als zuverlässiger Staatsbetrieb. In Wahrheit interessiert aber wohl nur die Bilanz.“

Der Mitarbeiter eines anderen Anbieters gibt ihm den Rat, besser doch bei der Telekom zu bleiben, da sein Unternehmen selbst kaum Druck auf die Telekom ausüben könne. Der Mitarbeiter hätte schon von solchen Fällen gehört, aber dabei habe die Telekom jeweils die Kunden anderer Anbieter abgeklemmt, erzählt Kaiser. „Ich bin wohl etwas ganz Besonderes, weil ich als Telekom-Kunde ausgesteckt wurde.“ Auch im Internet recherchiert der 55-Jährige und stellt fest, dass es in anderen Städten vergleichbare Fälle gibt. Die Telekom wolle offensichtlich nicht wegen nur einem Anschluss in die Erweiterung des Verteilerkastens investieren, vermutet Kaiser. „Das bedeutet wohl, dass zumindest auf der Achse Wollwirkergasse/ Am Singrün mittelfristig keine neuen Telefonanschlüsse zur Verfügung gestellt werden.“

Kaisers letzter Status bei der Hotline lautet: „Der Vorgang liegt vor und müsse noch geklärt werden.“ Er findet das eine Frechheit. „Die vollen Zusammenhänge sind der Telekom seit dem 15. September bekannt“, sagt er. „Ich werde auch gar nicht mehr zurückgerufen, obwohl mir das versprochen wurde. Wahrscheinlich soll ich mürbe gemacht werden.“ Schließlich wendet sich Kaiser noch mit einer Beschwerde an die Bundesnetzagentur. „Immerhin geht es um einen Verstoß gegen das Telekommunikationsgesetz und – wie ich finde – auch um Nötigung. Ganz zu schweigen von Unkosten und meinem Aufwand.“

Telekom sucht freien Port

Ein Mann überprüft ein Glasfaserkabel für Hochgeschwindigkeitsinternet in einem Verteilerpunkt.
Ein Mann überprüft ein Glasfaserkabel für Hochgeschwindigkeitsinternet in einem Verteilerpunkt. Foto: dpa

Auf Nachfrage unserer Zeitung bei der Telekom wird klar, dass die Bundesnetzagentur Kaisers Anliegen schon weitergeleitet hat. „Unsere Nachfrage beim technischen Kundenservice hat ergeben, dass die Kundenbeschwerde dort bekannt ist. Auch hat sich die Bundesnetzagentur diesbezüglich bereits an uns gewandt“, sagt ein Sprecher. „Zur Zeit wird geklärt, warum Herr Kaiser vom funktionierenden Port weggeschaltet wurde, was wir sehr bedauern und wofür wir uns entschuldigen.“ Das Unternehmen versuche nun kurzfristig einen freiwerdenden Port zur Verfügung zu stellen. „Sobald eine Lösung gefunden wurde, werden wir Herrn Kaiser dazu erneut kontaktiert und uns auch noch mal in aller Form entschuldigen“, sagt der Sprecher.

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