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Wie Dr. Wunderer sein Museum verzauberte

Der Biologe hat es geschafft, in seinem Haus Kunst und Naturwissenschaft zu versöhnen. Das danken ihm Musiker und Literaten.
Von Helmut Wanner, MZ

„Noch ein paar Jährchen“: Dr. Hansjörg Wunderer, Leiter des Naturkundemuseum, sitzt auf der freihängenden Wendeltreppe des Herzogspalais.
„Noch ein paar Jährchen“: Dr. Hansjörg Wunderer, Leiter des Naturkundemuseum, sitzt auf der freihängenden Wendeltreppe des Herzogspalais. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Man kann ins Schwärmen kommen bei diesem Blick in den Herzogspark auf die Zeder, die Pyramideneiche, die Blutbuche. Aber wenn Dr. Hansjörg Wunderer erzählt, setzt die Fantasie zum Höhenflug an. „Wo wir hier sitzen, im Herzogspark, war einmal eine Lagune eines warmen Tropenmeers. Das seichte Wasser hatte nie unter 25 Grad. Der Alpenriegel hatte sich noch nicht aufgebaut. Man hatte freie Sicht auf das Urmittelmeer.“

„Die Adler schauten zum Seitenfenster raus.“

Dr. Hansjörg Wunderer

Als Leiter des Naturkundemuseums kennt er die Geschichte des Lebens- und Naturraums Ostbayern rauf und runter. Schwester Aquinata von der Kreuzschule war mit ihren Klassen Stammgast am Prebrunntor 4. Sie hatte Dr. Wunderers vernetztes Lebensraum-Konzept überzeugt.

Arbeitsplatz in der Herigoyen-Villa

Wäre der ehemalige Assistent von Professor Helmut Altner in Regensburg Lehrstuhlinhaber geworden, säße er jetzt im Betonbunker. So aber ist Dr. Wunderers Arbeitsplatz seit 25 Jahren eine der schönsten Villen von Regensburg. Ritter von Müller hatte sie 1804 erbaut. Der Finanzmanager des Fürsten war schwerreich. Er leistete sich ein Haus aus der Feder des Regensburger Star-Architekten Emanuel Joseph von Herigoyen. Kernstück ist eine freitragende schwebende Wendeltreppe aus Eichenholz.

Der Direktor residiert nicht. Sein Büro ist eine Art Durchgang im Dienstboten-Trakt unter der Treppe zum Dachboden. Kein Parkettboden knarzt. Bei der Generalsanierung wurde hier Linoleum verlegt. Über seinem Schreibtisch hängt eine ungerahmte Aufnahme aus seinen Jugendjahren. Wunderer hatte einen Storch beim Anflug in den Pfatterer Auen „geschossen“ – mit dem Tele-Objektiv.

Dr. Wunderer vereinigt in seiner Person viele Funktionen: Wissenschaftler, Verwalter, Geschäftsführer, Kulturveranstalter und Redakteur der „acta Albertina“, der Reihe des naturwissenschaftlichen Vereins. Wäre Dr. Wunderer Professor geworden, würde er im Sommer emeritiert werden. „Ein paar Jährchen kann ich anhängen“, sagt der 64-Jährige Freiluft-Biologe mit Schwerpunkt Ornithologie. Jedenfalls will er die Ausstellung von Carsten Linde abwarten: „Kranich - Vogel des Glücks“. Sie ist für den Herbst 2017 terminiert. Darüber hinaus steht noch nichts in seinem Kalender. Sein Arbeitgeber ist der naturwissenschaftliche Verein, geführt von Prof. em. Dr. Gert-Walter Speierer.

Der zweifache Vater sagt, für ihn sei das Museum die richtige Entscheidung gewesen. Und auch die Stadt, die seine Wissenschaftlerstelle zahlt, hatte 1991 mit ihm eine gute Wahl getroffen. Dr. Wunderer war einer von hier. Seine oberfränkische Mutter ließ ihn Hansjörg taufen, aber Freunde kennen ihn als „Johnny“. „Schon in der Hans-Herrmann-Schule war das so“, sagt der Absolvent des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums (Abi 1971).

Das Naturkundemuseum befindet sich im Herzogspalais am Herzogspark. (MZ-Infografik)
Das Naturkundemuseum befindet sich im Herzogspalais am Herzogspark. (MZ-Infografik)

2008 ein Höhenflug mit den Adlern

Die Stadt hatte Glück. Damals waren in Deutschland viele Biologen auf dem Arbeitsmarkt. Man kann sagen, dass unter Dr. Wunderers Ägide das Haus am Herzogspark aus dem Dornröschenschlaf erwachte. Jahrelang war es geschlossen gewesen. Die Regensburger hatten es schon fast vergessen. Nach der Gesamt-Eröffnung 1996 stiegen die Besucherzahlen stetig. 2008 war ein Ausnahmejahr für das Naturkundemuseum. Es zählte mehr Besucher als das Historische Museum am Dachauplatz (30 000). Entscheidend waren die Ausstellung „faszinierende Welt der Spinnen“ und das Projekt „Adler flieg“. In seinem Familienauto hatte Dr. Wunderer 15 Stuttgarter Adler nach Regensburg transportiert. Auf der Autobahn zog das Fahrzeug alle Blicke auf sich. „Die Adler schauten zum Seitenfenster raus.“

Zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum versammelten sich Regensburger Künstler im historischen Saal zu einer unvergesslichen Spontanfeier. Dr. Wunderer bewirkte dies Wunder, dass man sie einmal alle gemeinsam in einem Raum sehen konnte: Multiinstrumentalist Heinz Grobmeier, die Musiker von La Sfera und Zeitenspiel, Stefan Rimek, Rolf Stemmle, Werner Steinmassl, Milorad Romic, Susanne Hoffmann und Benedikt Dreher… alle freuten sich, ihrem bescheidenen Förderer etwas zurückgeben zu können.

„Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen. Und haben sich, eh man es denkt, gefunden“: Im Sinne Goethes hat Dr. Wunderer das Naturkundemuseum zu einem Haus der Kunst gemacht. Literaten, Schauspieler und Musiker geben sich hier im historischen Saal regelmäßig ein Stelldichein. Der Raum verfügt über eine ausgezeichnete Akustik. „Man kann hier Konzerte mit leisen Instrumenten veranstalten“, sagt Geigen- und Sitarspieler Wunderer. Und als zartes Echo wächst das Interesse am Museum.

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Die Highlights im Museum

  • Eröffnung:

    Das Herzogspalais am Prebrunntor wurde 1991 für 5,6 Millionen Mark generalsaniert. 1996 war die Gesamt-Eröffnung als Naturkundemuseum. Nach 25 Jahren steht eine Neueinrichtung an. Der will Dr. Wunderer nicht im Weg stehen.

  • Besuchermagnet:

    Während der Sonderschau „die faszinierende Welt der Spinnen“ waren 2008 35 lebende Arten von Spinnen und Skorpionen zu sehen. Zusammen mit dem Projekt „Adler flieg“ lockte das über 30 000 Besucher ins Naturkundemuseum.

  • Umweltpädagogik:

    Der pensionierte Biologielehrer Christoph Goppel macht junge Menschen mit der Natur vertraut. Goppel leitet ehrenamtlich das Umweltzentrum Regensburg. Das hat seinen Sitz im Naturkundemuseum und leistet die Museumspädagogik.

  • Kunsthaus:

    Milorad Romic(rechts) bei einem Gitarrenkonzert im historischen Saal des Herzogspalais. Dr. Hansjörg Wunderer hat das Naturkundemuseum für die Kunst geöffnet. Es gibt zahlreiche Lesungen und Konzerte für ein kleines Publikum.

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