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Wohnen

Eine Großfamilie in der Margaretenau

Im August bekommen Benni und Nicole Blank ihr erstes Kind. Sie wissen: Ihr Sohn wird in ein Netzwerk der Nähe hineingeboren.
Von Helmut Wanner

Großfamilie aus der Margaretenau. Die vierte Generation kommt im August zur Welt. Die werdende Mutter Nicole und ihr Mann Benjamin Blank, mit den Großeltern Brigitte und Bernhard Zick sowie Vater Herbert Blank Foto: Wanner
Großfamilie aus der Margaretenau. Die vierte Generation kommt im August zur Welt. Die werdende Mutter Nicole und ihr Mann Benjamin Blank, mit den Großeltern Brigitte und Bernhard Zick sowie Vater Herbert Blank Foto: Wanner

Regensburg.Der jüngste Bewohner der Margaretenau schaukelt vorerst noch im Bauch der Mama. Ein Pferdchen, eine Wippe, ein Sandkasten und eine Doppelschaukel – alles im Hof des neuen familienfreundlichen Blocks Lindenstraße 16/18 wartet auf ihn, den Prinzen der Margaretenau.

Aber da sind noch mehr, die warten: Ur-Oma Brigitte, Ur-Opa Bernhard, die Großeltern Herbert und Michaela, die Eltern Nicole und Benni sowie einige Onkel und Tanten und Cousinen und Cousins. Die wohnen nicht verstreut irgendwo, sondern einen Block weiter oder gleich ums Eck in der Margaretenau. Alle freuen sich auf die vierte Generation der Blanks in dem Viertel, wo die Ur-Oma Brigitte bereits geboren ist.

Eine Liebe aus der Margaretenau

Lindenstraße 18 mit „Oma in spe“, Michaela Blank. Sie wuchs hier auf. Foto: Blank
Lindenstraße 18 mit „Oma in spe“, Michaela Blank. Sie wuchs hier auf. Foto: Blank

Benjamin und Nicole, die werdenden Eltern, sind beide 30 und glücklich, wieder in der alten Margaretenau gelandet zu sein. Nicole ist Erzieherin in einer Einrichtung des Thomas Wiser Hauses und studiert Sozialpädagogik im Fernstudium. Benni Blank arbeitet als Baumaschinenmechaniker bei der Firma Beutlhauser. Der Handwerker ist in Vorgängerbau Lindenstraße 18 aufgewachsen. „Ich war witzigerweise auf der Baustelle, als das Haus abgerissen wurde, weil ein Kran defekt war. Ich hab ihn repariert.“ Vergangenes Jahr ist er wieder ins Haus seiner Kindheit eingezogen, auf 88 solid sanierte Quadratmeter mit Balkon. Und die Blanks haben sich in der Kleingartenanlage Ratisbona, gleich ums Eck, einen Garten gemietet. Onkel Hans ist Vorsitzender.

Klingeln Sie auch bei den Nachbarn von Familie Blank und erfahren Sie mehr über das Leben in der Margaretenau:

Die Blanks wurzeln in der Margaretenau. Doch im lichtdurchfluteten Flur hat Nicole Blank, die liebend gerne und gut bastelt, jeweils 30 Herzen aus Landkarten ausgeschnitten, auf Papier geklebt und hinter zwei Glasrahmen ausgestellt. Jedes Herz symbolisiert ein Land oder eine Stadt, in der sie schon gemeinsam waren: die am meisten exotischen Ziele sind Marrakesch und Mexiko. Im Esszimmer, das mit seinen Möbeln aus rohem Holz an eine spanische Finca erinnert, hängt überm Tisch in Großbuchstaben „Family“, die Großfamilie, in Wort und vielen Bildern. „Familie? Das ist unser Anker. Wir sind so aufgewachsen und das ist uns auch ganz wichtig“, sagt Nicole Blank. „Und ich glaube, dass das auch wieder mehr kommt. Auch hier in der Margaretenau. Es gibt Ansätze.“

Blechbüchsen am Roller

So sieht die Lindenstraße 16/18 heute aus. Foto: Wanner
So sieht die Lindenstraße 16/18 heute aus. Foto: Wanner

Die Gartenvorstadt bietet die besten Voraussetzungen dazu. An manchen Nachmittagen sieht Nicole Blank acht bis zehn Kinder durch die Straßen und über die Höfe der Margaretenau radeln. Ja, es gibt wieder Kinder. Im Haus werden es bald eine ganze Handvoll. Sie haben das Glück, gemeinsam aufwachsen zu können. Dass auf den Pflastersteinen im Hof Kästchen für Seilhüpfspiele aufgezeichnet sind, sehen übrigens auch die älteren Anwohner gerne. Für sie eröffnet es eine Zukunftsperspektive und ist ein Blick in die eigene Vergangenheit. Der Kinderreichtum hatte hier auch für Konfliktstoff gesorgt. Karl Löbl, der mit Margaretenau-Gründervater Georg Herbst (1883 bis 1934) im Vorstand saß, schreibt rückblickend von der Klage einer Bewohnerin: „Eine Gruppe von Kindern sauste in einem Rennen um den Block Lindenstraße, natürlich mit Geschrei, und die Kinder hatten zur Lärmverstärkung an die Roller Blechbüchsen gehängt.“

„Oma, Opa, Eltern, Onkel, Tanten, alle freuten sich, als wir letztes Jahr wieder in die alte Margaretenau runtergezogen sind.“

Benni und Nicole Blank

Michaela Blank heute – in ihrem Ratisbona-Garten Foto: Wanner
Michaela Blank heute – in ihrem Ratisbona-Garten Foto: Wanner

Beim gemeinsamen Aufwachsen kann sie auch blühen: die Blume der Liebe in der Margaretenau. Nicole und Benni sind solche Kinder der Au. Gemeinsam waren sie in Herz Marien in einer Firmgruppe. Aber zusammen gekommen sind sie durch einen Kumpel von Benni, der in Nicoles Haus wohnte. „Über ihn haben wir uns kennengelernt“, sagt Nicole Blank.

Ein gutes Indiz für Kinder: Plasterbilder in der Einfahrt Foto: Wanner
Ein gutes Indiz für Kinder: Plasterbilder in der Einfahrt Foto: Wanner

Die beiden legten später eine Wohnungskarriere hin, die für Außenstehende sensationell erscheint, aber für Leute aus der Margaretenau nichts Außergewöhnliches darstellt. Sie sind mehrmals umgezogen, ohne die Margaretenau ein einziges Mal verlassen zu müssen. Nicole Blank ist in der Georg Herbst Straße aufgewachsen. Mit 19 zog sie von Zuhause aus in die Margaretenau 5. Dort zog ihr Freund Benni ein. Das war der größte Ausbruch ihres Lebens. Er wurde gesteigert durch ein gemeinsames Zwischenspiel von vier Jahren in einer ehemaligen Eisenbahner-Wohnung der Margaretenau am Eisbuckel. „Aber das war nicht das Milieu, das wir kannten. Oma, Opa, Eltern, Tanten, alle freuten sich, als wir letztes Jahr wieder in die alte Margaretenau runtergezogen sind.“

Ihre Kinder Benjamin und Stefanie spielen hier im Garten der Ratisbona. Foto: Blank
Ihre Kinder Benjamin und Stefanie spielen hier im Garten der Ratisbona. Foto: Blank

Runter in die alte Margaretenau. Wenn das Kind da ist, spielt die Nähe des Wohnviertels ihre stärksten Trümpfe aus. Die Nähe der Eltern. Die können aufpassen auf den Prinzen. Es ist ein Geben und Nehmen. Ob Oma, Mama oder Tochter: Einer kocht für alle. Die Blanks essen unter der Woche reihum in den Wohnungen. Und am Sonntag treffen sich alle. Dann stößt regelmäßig Bennis Schwester Stefanie dazu. Sie ist als Lehrerin in Freising gelandet. Am Schnapszahl-Termin 18. 8. 18 heiratet sie in St. Fidelis. Die größte Hoffnung für Brigitte Zick ist, „dass meine Enkelin danach auch wieder in die Margaretenau zurückkommt.“ Ihre Augen glänzen, als sie das sagt.

Die Blanks wissen, dass nicht jeder auf dieser Welt mit dieser Nähe zurechtkommen könnte. Auch Nicole Blank hatte einen Schock, als sie bei ihrem Benni zum ersten Mal zu einer Geburtstagsfeier eingeladen war. Er hatte sie als ganz kleine, private Geschichte angekündigt. „Als ich dann die Türe aufgemacht habe, saß die gesamte Verwandtschaft um den Tisch, samt Tante, Taufpate, Cousin und Großcousin – alle aus der Au.“ Die Nähe der Großfamilie tut ihr nun wohl. Sie wird verstärkt durch wachsame Nachbarn in Straßen, die Namen von deutschen Bäumen tragen. Passieren kann dem kleinen Prinzen nichts. Wie seinen Eltern Nicole und Benni damals schon nichts passieren konnte. „Hinter jedem Vorhang steht einer und passt auf.“

Lesen Sie bitte auch: Ein Stadtviertel wird 100, die Prinzessin von der Au und das Fenster zur Margaretenau

MZ-Serie: 100 Jahre Margaretenau

  • Die Serie:

    Vor 100 Jahren gründete der Bezirksoberlehrer und Bodenreformer Georg Herbst (1883 bis 1934) mit Gleichgesinnten die Genossenschaft Margaretenau. Das außergewöhnliche Jubiläum dieses Wohnviertels im Westen der Stadt begleitet das Medienhaus mit einer Serie.

  • Familie:

    Im heutigen Teil geht es um eine der Familien, die die Margaretenau prägen. Vorstand Georg Herbst hatte schon im Siedlungsführer prophezeit: „Und Kinder wachsen in diesen Siedlungen weit vor den Toren der Stadt heraus, frisch und rotwangig wie Äpfel im Gärtchen.“

  • Weiter:

    Am kommenden Mittwoch lesen Sie einen Bericht über einen Sohn der Stadt, der durch die Margaretenau wieder nach Regensburg gefunden hat: Rainer Klofat (82). Der ehemalige Reiseredakteur bei Merian hatte 1968 das berühmte erste Regensburg-Heft herausgebracht.

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