MyMz
Anzeige

Portrait

Freudenstein: „Es ist Frauenzeit“

Astrid Freudenstein kandidiert für den Bundestag. Viele Regensburger könnten sich die CSU-Frau als OB vorstellen.
Von Marion Koller, MZ

Dr. Astrid Freudenstein erhält beim Regensburg Trend 2017 große Zustimmung von den Bürgern. Foto: Berli Berlinski
Dr. Astrid Freudenstein erhält beim Regensburg Trend 2017 große Zustimmung von den Bürgern. Foto: Berli Berlinski

Regensburg.Beim Fototermin im Medienhaus zögert Dr. Astrid Freudenstein ein wenig. Dabei ist sie mit Blazer und Bleistiftrock perfekt dafür gekleidet. Doch sie hatte nur mit einem Kurzvideo gerechnet. Ansonsten ist die 43-Jährige ein Medienprofi. Freundlich gibt sie Auskunft und flicht immer wieder kleine Anekdoten ein. Zum Beispiel die über Sohn Felix (12), der seinen Eltern die Geburtstagswünsche per Power Point vortrug. Schließlich hat die Wahl-Regensburgerin lange genug beim Bayerischen Rundfunk gearbeitet. Ihren Passauer Dialekt hört man nicht mehr.

Den zweitbesten Wert beim Regensburg-Trend

Die Wähler mögen Astrid Freudenstein. Beim Regensburg-Trend 2017 der MZ hat sie den zweitbesten Wert aller Kommunalpolitiker erhalten. Auch bei der Frage zu einer möglichen OB-Kandidatur erhält sie hohe Zustimmung. 27 Prozent der Befragten würden sie wählen. Dabei kommt die CSU-Abgeordnete selten in den Stadtrat, weil sie in den Berliner Sitzungswochen im Bundestag sein muss. Die 43-Jährige kann nur vermuten, warum sie so hohe Zustimmung genießt. „Vielleicht, weil ich zu den wenigen Politikern zähle, die den Herrn Tretzel nie kennengelernt haben? (Immobilieninvestor, gegen den wegen mutmaßlicher Bestechung ermittelt wird, die Red.) Ich habe keinerlei Verbindung zu dieser ganzen Spendenaffäre.“

„Immer, wenn Männer alles an die Wand gefahren haben, sind Frauen gefragt.“

Astrid Freudenstein

Freudenstein sagt, sie schließe eine künftige OB-Kandidatur nicht aus, doch derzeit stelle sich die Frage nicht. OB Wolbergs belege das Amt. „Es ist Frauenzeit. Was meinen Sie, wie oft ich darauf angesprochen werde!“, sagt sie. „Immer, wenn Männer alles an die Wand gefahren haben, sind Frauen gefragt.“ Trotz ihrer seltenen Anwesenheit im Stadtrat beantwortet Freudenstein jedes Regensburger Bürgeranliegen, das bei den MdB-Sprechstunden an sie herangetragen wird. Die Themen? Vom Busfahrplan über die Schulpolitik bis zum Politikstil.

Ihre eigene Mutter war zuhause, um die fünf Kinder zu erziehen. Die Landwirtstochter Astrid Freudenstein geht einen anderen Weg. Ihr Sohn besucht eine Ganztagsschule, ansonsten kümmert sich während der Sitzungswochen ihr Mann. „Es schadet Felix nicht. Er ist ein sehr vergnügtes Kind“, ergänzt die Politikerin sofort. „Wir haben hier keine Großeltern. Was hätten wir tun sollen?“ Das klingt, als wolle sich die CSU-Frau rechtfertigen, als treffe sie im konservativen Bayern häufig auf Unverständnis. Freudenstein räumt ein: „In der älteren Generation verstehen das viele nicht, wenn man ganztags berufstätig ist.“ Schon vor ihrer Zeit als Berufspolitikerin seien sie und ihr Gatte „gut im Organisieren“ gewesen. Denn als Felix ein Kleinkind war, ergatterten die Eltern erst einmal nur eine achtstündige Krippenbetreuung pro Woche – viel zu wenig. „Es war mühsamer als heute.“ Die Hausarbeit teilt sich das Ehepaar. Er kocht. „Mit mehr Geduld und Hingabe und besser“, urteilt Freudenstein. Sie wäscht.

Alles zum Regensburg Trend 2017 lesen Sie hier!

Das Ehepaar entschied sich bewusst für den Wohnort Regensburg, schließlich ergaben sich auch die Jobs. Freudenstein pendelt ohnehin. Die Bundespolitik ermöglicht ihr einen distanzierten Blick auf die Stadt. „Man schmort nicht im eigenen Saft“, erklärt sie. Regensburg sei selbstzufrieden geworden. Der dauernde Verweis auf die Schönheit des Welterbes reiche nicht, sagt die Frau, die selbst in der Altstadt wohnt. Sie wünscht sich mehr Aufbruchstimmung.

Zur Person

  • In Passau aufgewachsen

    Astrid Freudenstein (43) ist in einer Landwirtsfamilie in Karpfham, Landkreis Passau, aufgewachsen. Sie hat drei Schwestern und einen Bruder.

  • Studium und Volontariat

    Nach dem Abitur absolvierte Freudenstein ein Volontariat bei „unser Radio“ in Passau. Sie studierte in Passau Germanistik, Geographie und ein paar Semester Wirtschaft. Studienbegleitend machte sie ein Volontariat bei der Passauer Neuen Presse.

  • Als Dozentin

    Zwölf Jahre lang arbeitete sie beim Bayerischen Rundfunk. Daneben studierte sie Lehramt an der Uni Regensburg und wurde Lehrbeauftragte. 2009 promovierte sie mit einer medienwissenschaftlichen Arbeit. Seit 2010 arbeitete Freudenstein als Dozentin für Medienwissenschaft an der Uni Regensburg.

  • In der Politik

    Im Stadtrat wirkt sie seit 2008 mit. 2013 zog sie über die CSU-Landesliste in den Bundestag ein.

Barrierefreiheit ist eines ihrer „Lieblingsthemen“. Nur die Bordsteine abzusenken, genüge nicht. Schließlich wächst der Anteil der alten Menschen. Die Stadt müsse die Digitalisierung mutiger aufgreifen. Freudenstein würde gerne eine dauerhafte Bürgerbeteiligung auf Online-Plattformen ermöglichen. Eine Beteiligung wie bei den Ideenwerkstätten zum Bereich zwischen Bahnhof und Maxstraße hält sie für veraltet. Es kämen immer dieselben Leute. Sicherheit ist für sie ein vorrangiges Thema. „Es gibt in Regensburg Gegenden, in denen man sich unwohl fühlt, etwa der Bahnhofsbereich.“ Die Pläne für ein Kultur- und Kongresszentrum stellt sie infrage. „Ein Konzertsaal mit toller Akustik würde uns schmücken. Ob wir aber zusätzlich zum neuen Museum, zum Marinaforum und der Arena noch ein Kongresszentrum brauchen, darüber müssen wir nachdenken.“

Die Bildzeitung kürte Freudenstein zu einer der schönsten Bundestagsabgeordneten – eine fragwürdige Auszeichnung. Sie kann damit umgehen. „Ich wurde nicht gefragt. Ein Boulevardblatt darf das.“ Im Arbeitsalltag zählten nur Verlässlichkeit und Ernsthaftigkeit, sagt Astrid Freudenstein, die sich als akribische Arbeiterin sieht.

Weitere Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht