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Porträt

Sie kennt den Willen der Regensburger

Mit dem Selbstbewusstsein der Städter kann Gertrud Maltz-Schwarzfischer umgehen. Das kommt bei den Bürgern an.
Von Marion Koller, MZ

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer vertritt derzeit den supendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Foto: Lex
Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer vertritt derzeit den supendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Foto: Lex

Regensburg.Gertrud Maltz-Schwarzfischer erscheint ein paar Minuten zu spät zum Gespräch im Alten Rathaus. Sie legt das Aktenpaket ab, das sie unterm Arm getragen hat, und folgt freundlich den Anweisungen des MZ-Fotografen. Die 56-Jährige wirkt ein wenig atemlos. Weil sie OB Wolbergs vertritt und zugleich ihre Aufgaben als Sozialbürgermeisterin erfüllt, bleibt ihr keine ruhige Minute.

Die OB-Stellvertreterin spricht von einer Momentaufnahme

Im Regensburg-Trend 2017 unseres Medienhauses haben die befragten Bürger die SPD-Frau zur beliebtesten Kommunalpolitikerin gekürt. Auch als erfolgreiche OB-Kandidatin können sich die Regensburger Gertrud Maltz-Schwarzfischer vorstellen. Die Frage im Regensburg-Trend lautete: „Bei einer möglichen OB-Wahl könnte es zu einer Entscheidung zwischen Gertrud Maltz- Schwarzfischer (SPD) und Astrid Freudenstein (CSU) kommen. Welcher der beiden Kandidatinnen würden Sie Ihre Stimme geben?“ 38 Prozent der Befragten sprachen sich für Maltz-Schwarzfischer aus, 26 Prozent für Freudenstein. Die OB-Stellvertreterin freut sich über das Ergebnis, spricht von einer Momentaufnahme. Sie vertieft sich lieber in die Akten, arbeitet sich in die Themen ein, die bis Januar der OB vorantrieb, als bei Presseterminen zu brillieren. Ihre Ernsthaftigkeit schätzen die Bürger offenbar.

„Wenn die Regensburger etwas unbedingt wollen, kriegen sie es.“

Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Maltz-Schwarzfischer sagt, sie verbiete sich, über eine mögliche OB-Kandidatur nachzudenken. Sie versuche, das Amt als Stellvertreterin so gut wie möglich auszufüllen. Die 56-Jährige stellt sich darauf ein, dass sie den vorläufig suspendierten Joachim Wolbergs bis zum Ende der Wahlperiode im Jahr 2020 vertreten muss. „Ich glaube aber nicht, dass es gut ist, wenn eine Stadt so lange ohne demokratisch gewählte Spitze ist.“ Auch fehle mit Wolbergs eine Identifikationsfigur. Maltz-Schwarzfischer kennt und achtet das Selbstbewusstsein der Regensburger, die bei mehreren Bürgerentscheiden den Standort Donaumarkt für ein Kultur- und Kongresszentrum verwarfen. Der enorme bürgerschaftliche Einsatz für ein Uniklinikum und später die Kinderuniklinik spiegeln den Stolz wider. „Wenn die Regensburger etwas unbedingt wollen, kriegen sie es“, sagt Maltz-Schwarzfischer. „Das war eine Freie Reichsstadt, das merkt man heute noch.“ Auch weil sie das weiß, kommt die Bürgermeisterin sehr gut an. Die Leute spüren das.

14-Stunden-Tage

Doch die Affäre im Hintergrund, die menschliche Tragik, die bundesweite Presseschelte – „Panama an der Donau“ und „Sumpf der Korruption“ – träfen die Stadtgesellschaft. Die SPD-Frau hofft, dass die juristische Klärung der Korruptionsaffäre schneller voranschreitet. Sollte sich abzeichnen, dass sie die Stadt bis 2020 führen wird, will sie für beide Direktorien, für die sie jetzt zuständig ist, Unterstützung holen. Der soziale Bereich liegt ihr am Herzen. Er dürfe nicht leiden.

Gegenwärtig bewältigt Gertrud Maltz-Schwarzfischer die 14-Stunden-Tage und den Schlafmangel nur, weil in der Familie alle mithelfen. Ihr Mann übernimmt einen Teil des Haushalts, die 81-jährige Mutter schaut im Garten nach dem Rechten. Und wenn alle Stricke reißen, kocht einer der Söhne (23 und 25) – gesund, mit viel Gemüse. Sie stärken der Mutter den Rücken. Wenn sie etwas Positives über sie lesen, senden sie eine SMS.

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Auch wenn sie selbst nicht über das OB-Amt nachdenkt, glaubt die studierte Archäologin, dass Regensburg längst wieder reif ist für eine Oberbürgermeisterin – nach Christa Meier, die von 1990 bis 1996 als erste Frau eine bayerische Großstadt regierte. „Ich habe eine feministische Grundeinstellung“, sagt Maltz-Schwarzfischer. Dennoch solle das Frau- oder Mann-Sein bei dieser Persönlichkeitswahl keine Rolle spielen.

Die bunte Koalition bringe die Geschicke der Stadt voran. Sie ist sich einig, die Ziele des Koalitionsvertrags von 2014 zu realisieren. Das Michlstift wird zum Kinder- und Jugendschutzhaus umgebaut. Der Fokus liegt nicht mehr auf unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, weil deren Zahl stark gesunken ist. Die Wohnungsnot treibt Gertrud Maltz-Schwarzfischer um.

Weil sich der Zuzug auf hohem Niveau stabilisiert, bei 2000 bis 3000 Menschen pro Jahr, will die Bürgermeisterin die Infrastruktur ausbauen, von der Kita bis zum öffentlichen Personennahverkehr. Weitergehen müsse es auch beim Thema Kultur- und Kreativwirtschaft. Eine Eigenschaft wird der Wolbergs-Stellvertreterin dabei helfen: Sie hat „keine Angst vor der Arbeit“. Für Pfingsten hat sie sich eine Woche Urlaub vorgenommen. „Da lege ich mich auf den Balkon, gehe spazieren und entspanne mich.“

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