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Korruptionsaffäre
Sonntag, 19. August 2018 32° 2

Stimmung

Das sagen Regensburger jetzt zu Wolbergs

Die MZ hat sich umgehört. Die Bürger äußern sich sehr zurückhaltend. Sie wünschen sich jetzt vor allem eines: Klarheit.
Von Curd Wunderlich

Bei einer Pressekonferenz sagte Joachim Wolbergs gestern, „natürlich“ in den Oberbürgermeistersessel zurückkehren zu wollen. Die Stimmungslage bei den Bürgern dazu ist geteilt. Fotos: altrofoto.de/Wunderlich
Bei einer Pressekonferenz sagte Joachim Wolbergs gestern, „natürlich“ in den Oberbürgermeistersessel zurückkehren zu wollen. Die Stimmungslage bei den Bürgern dazu ist geteilt. Fotos: altrofoto.de/Wunderlich

Regensburg. Die neuesten Entwicklungen rund um Regensburgs suspendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) sind am frühen Donnerstagabend noch nicht Gesprächsthema Nummer eins in der Altstadt. „Das wird sich morgen früh ändern“, vermutet ein Ladeninhaber in der Fußgängerzone. „Wenn die Leute das in der Zeitung gelesen haben und es beim Frühstück Thema war.“

Tatsächlich wissen erst die wenigsten Passanten und Geschäftsleute in der Innenstadt Bescheid, dass gegen Wolbergs Anklage erhoben worden ist, als die MZ sie stichprobenhaft darauf anspricht. Die meisten wollen gar nichts zu dem Thema sagen, nachdem sie auf den Stand der Dinge gebracht worden sind: „Kein Kommentar! – Und damit ist ja eigentlich genug gesagt, oder?“, ist immer wieder zu hören.

Hier sehen Sie die Aufzeichnung von Wolbergs‘ Pressekonferenz:

Insgesamt ist das Stimmungsbild, das allerdings nur eine Momentaufnahme ist und auch nicht repräsentativ erhoben werden konnte, am Donnerstag eher zwiegespalten. Sehr oft fällt dabei das Wort „Vertrauen“. Die 22-jährige Verena Holzapfel, die als Bäckereiverkäuferin in der Altstadt arbeitet, ist überzeugt: „Als die Korruptionsvorwürfe aufgekommen sind, hätte Wolbergs schon zurücktreten müssen.“ Auch wenn der Vorwurf der Bestechlichkeit jetzt vom Tisch ist, sei für sie nach wie vor nicht klar, ob Wolbergs korrupt ist oder nicht. Und aus ihrer Sicht sei es auch egal, was vor Gericht nun rauskomme: „Das Vertrauen der Stadtbevölkerung ist einfach weg“, glaubt Holzapfel.

Lesen Sie mehr: Das sagen die Regensburger Politiker zur Entscheidung des Gerichts!

Ist eine Rückkehr möglich?

Ganz anders sieht das die Angestellte in einem Altstadtgeschäft: „Ich habe von Anfang an an seine Unschuld geglaubt“, sagt die 47-Jährige aus Laaber. „Joachim Wolbergs hat auf mich immer sehr sympathisch gewirkt, vom persönlichen Eindruck her.“ Die Verkäuferin findet es gut, dass der Oberbürgermeister nun vor Gericht die Möglichkeit hat, „seine endgültige Unschuld zu beweisen“. Und: „Ich wünsche mir, dass er zurückkommt. Er hat gute Ideen für die Stadt.“

Der 26-jährige Student Lukas Mehlfeldt, der als SPD-Mitglied Parteifreund Wolbergs‘ ist, zeigt sich auf der einen Seite erleichtert, dass der schwere Vorwurf der Bestechlichkeit ausgeräumt ist. Die Justiz müsse nun klären, ob die Vorteilsnahme strafrechtliche Relevanz habe oder nicht. Doch selbst wenn das Gericht pro Wolbergs entscheide, sieht Mehlfeldt das Vertrauen in den OB nachhaltig beschädigt. „Deshalb glaube ich nicht, dass er in der Partei den Rückhalt hat, wieder ins Amt zurückzukehren.“ Dass Wolbergs das anstrebt, nennt das SPD-Mitglied „egoistisch, weil er damit auch der Partei schadet“. Wolbergs solle lieber eingestehen, dass er Fehler gemacht habe. „Auch wenn das nicht vor dem Prozessende geht, sonst würde er sich selbst schaden“, gesteht Mehlfeldt ein.

Das sagen Regensburger zur Anklageerhebung

„So geht‘s nicht weiter“

Der Betreiber eines Geschäfts in der Altstadt wünscht sich vor allem endlich eins: Klarheit. „Frau Maltz-Schwarzfischer macht zwar einen wirklich guten Job, aber Regensburg ist jetzt schon zu lange ohne Oberbürgermeister.“ Deshalb müsse „die Sache endlich ins Laufen kommen, so geht‘s nicht weiter“. Es müsse nun geklärt werden, ob die Vorwürfe gegen Wolbergs haltbar sind oder nicht.

„Mein völlig unmaßgeblicher Eindruck ist, dass Wolbergs das Gleiche gemacht hat, was alle vor ihm auch gemacht haben und er der Dumme ist, der zur Rechenschaft gezogen wird.“

Jörg Erdmenger

Ähnlich sieht das Jörg Erdmenger: „Es ist Sache der Justiz, das aufzuarbeiten“, sagt er. Und: „Mein völlig unmaßgeblicher Eindruck ist, dass Wolbergs das Gleiche gemacht hat, was alle vor ihm auch gemacht haben und er der Dumme ist, der zur Rechenschaft gezogen wird.“

Der 57-jährige Oliver Wolf, er nennt sich selbst einen „alteingesessenen Regensburger“, sieht Wolbergs künftig nicht mehr als Rathauschef: „Unabhängig davon, welcher Vorwurf jetzt fallengelassen wurde oder was am Ende rauskommt: Wolbergs ist für diese Stadt nicht mehr tragbar.“ Das Vertrauen in seine Person sei mittlerweile so gering, dass keine „Grundlage für ihn in diesem Amt mehr da ist“. In die gleiche Kerbe schlägt die 66-jährige Bedienung in einem Wirtshaus: „Als Bürgermeister kann er nicht zurückkommen. Da bleibt immer was, das Vertrauen ist einfach weg.“

Die Chronologie der Ereignisse im Fall Wolbergs

Der suspendierte OB Joachim Wolbergs sowie drei weitere Angeklagte müssen vor Gericht. Überraschend lautet der Vorwurf nicht mehr Bestechung und Bestechlichkeit. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen lesen Sie hier.

Alles zur Regensburger Korruptionsaffäre lesen Sie in unserem MZ-Spezial.

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