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Porträt

Bürgermeisterin packt am ersten Tag an

Am Tag nach dem großen Knall: Gertrud Maltz-Schwarzfischer stemmt nun als Vertreterin des Regensburger OB zwei Jobs.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Gertrud Maltz-Schwarzfischer arbeitet sich in alle Bereiche der Stadtpolitik ein.
Gertrud Maltz-Schwarzfischer arbeitet sich in alle Bereiche der Stadtpolitik ein.Foto: Stadt Regensburg

Regensburg.Sie macht kein Aufhebens um sich. Das ist vielleicht auf den ersten Blick das Auffälligste an Gertrud Maltz-Schwarzfischer, dass sie sich so ganz untypisch für Politiker nicht in den Vordergrund drängt. Standing hat sie trotzdem. Schien die zierliche Sozialdemokratin zu Beginn ihrer Amtszeit als zweite Bürgermeisterin 2014 noch im Schatten des Oberbürgermeisters zu verschwinden, so wurde sie dank ihrer herzlichen Art, einer sachorientierten und soliden Arbeitsweise, ihrer klaren Worte und gerade ihres unprätentiösen Auftretens wegen zu einer ganz eigenen Nummer.

„Ich will das auch ganz klarstellen: Ich bin nicht der Oberbürgermeister der Stadt! Ob ich das Amt anstreben werde, falls es zu Neuwahlen kommt, entscheide ich dann.“

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Bei den Bürgern ist sie extrem beliebt, wie eine Umfrage unter den Regensburgern im Frühjahr 2016 zeigte. Damals lag nur der damals noch nicht von der Spendenaffäre belastete OB Joachim Wolbergs weiter vorn. Und auch bei den Stadtratskollegen genießt sie ein hohes Ansehen. Nach der Schocknachricht von der Verhaftung Wolbergs sagten etliche Politiker am Mittwoch, die Stadt sei bei ihr als Vertreterin des Oberbürgermeisters in guten Händen. „Ich schätze Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer als sehr kompetent ein. Sie wird das sachlich und gut machen“, urteilte beispielsweise Benedikt Suttner (ÖDP). „Sie ist total souverän. Ich bin sicher, das wird in der Übergangszeit hervorragend laufen“, sagte Piratin Tina Lorenz.

Sehen Sie im Video, wie Getrud Maltz-Schwarzfischer die künftige Arbeit in der Stadt sieht:

Fall Wolbergs: Wie geht es mit der Stadt weiter?

Der Tag danach

Seit Mittwoch, dem Tag der Inhaftierung Wolbergs, all der Krisensitzungen und Presseinterviews, steht Gertrud Maltz-Schwarzfischer an der Spitze der Stadt. Auch der Tag danach ist für die in der Vertretung des Oberbürgermeisters schon erfahrene Bürgermeisterin alles andere als gewöhnlich, und dies nicht nur, weil die Medien weiter das Gespräch mit ihr suchen. „Ich habe immerhin gestern noch nebenher die Referatspost geschafft“, sagt sie rückblickend.

„Großartige Unterstützung“ findet sie bei den Mitarbeitern.
„Großartige Unterstützung“ findet sie bei den Mitarbeitern. Foto: Lex

„Das ist natürlich komplett anders als das, was ich bisher gemacht habe“, sagt sie zu der nun angebrochenen OB-Vertretungszeit. „Bisher hatte ich ein fachlich abgegrenztes Referat. Heute ist deshalb auch kein normaler erster Arbeitstag. Es ist eine Besprechung nach der anderen. Ich muss mich erst einmal auf den Stand bringen lassen.“ Die Politikerin lässt sich von den Referenten briefen. Sie muss sich in allen Bereichen einen Überblick verschaffen, wo Handlungsbedarf besteht, wo Entscheidungen nötig sind. Die Bürgermeisterin ist froh, dass sie auf ein großartiges Team zugreifen kann. „Die Mitarbeiter sind unheimlich unterstützend.“

Am Nachmittag steht eine Sitzung des Finanzausschuss im Neuen Rathaus auf dem Programm, in dem es unter anderem um den „Jahresabschluss 2014 der Arena Regensburg – Regiebetrieb der Stadt“ geht. Maltz-Schwarzfischer eröffnet die extrem kurze öffentliche Sitzung, indem sie die Räte in knappen Sätzen ohne Emotion über „den Stand der Dinge“ informiert. Wolbergs verhaftet…, die Stadt ist handlungsfähig…, sie habe die Vertretung…. „Ich gehe davon aus, dass wir die Situation gut meistern werden.“ Die vier folgenden Tagesordnungspunkte werden in Rekordgeschwindigkeit abgenickt. Abends ist ein Basistreffen der SPD angesetzt. Dazwischen gibt es für die Bürgermeisterin immer wieder Post abzuarbeiten.

Die Bürgermeisterin in der Finanzausschusssitzung
Die Bürgermeisterin in der Finanzausschusssitzung Foto: sw

Die umfassenden Aufgaben des OB und ihr eigentlicher Aufgabenbereich als zweite Bürgermeisterin, das Amt für Jugend und Familie, das Sozialamt und das Seniorenamt sowie die fachliche Zuständigkeit für das Job-Center und die Regensburg SeniorenStift gemeinnützige GmbH, das sind zwei Fulltime-Jobs, die sie da unter einen Hut bringen muss, sagt Maltz-Schwarzfischer. „Aber das ist kein Problem. Ich muss nur sehen, was kann ich delegieren, und ich muss mich anders organisieren.“

„Das einzige, wo ich Abstriche machen muss, sind einige repräsentative Termine, solche, in denen man mit der Gesellschaft in Kontakt kommt.“ Doch hier hofft die Bürgermeisterin auf Verständnis, wenn sie in diesen Tagen etwas absagen muss.

Für ihre Familie ist die zeitliche Beanspruchung, die die OB-Vertretung mit sich bringt, kein Problem. „Meine beiden Kinder unterstützen mich, indem sie vom Studium aus aufmunternde SMS schicken“, erzählt Maltz-Schwarzfischer. „Aus dem Alter, in dem man sie zum Sport fahren musste, sind sie längst raus.“ Und ihr Mann unterstütze sie ohnehin immer. Es sei nicht schlimm, wenn es nun vorübergehend zeitlich etwas enger wird. „Immerhin haben wir heute zusammen gefrühstückt“, sagt sie und lacht.

Gertrud Maltz-Schwarzfischer

  • Vita

    Die SPD-Politikerin wurde 1960 in Münchberg in Oberfranken geboren. In Selb besuchte die Pfarrerstochter die Volksschule, 1970 zog die Familie nach Regensburg. Die Archäologin arbeitete viele Jahre bei Firmen für archäologische Ausgrabungen und Computerdokumentationen im Raum Regensburg und war auch frei tätig.

  • Politkarriere

    Seit 1995 ist sie Mitglied der SPD. Im Stadtrat war sie bisher als stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin der Fraktion im Sozialausschuss. Am 8. Mai 2014 wurde Maltz-Schwarzfischer zur zweiten Bürgermeisterin gewählt. Ihr obliegt das Amt u.a. für Jugend und Familie, das Sozial- und das Seniorenamt.

Dass sie jemals in die Lage kommen würde, den OB eventuell für einen längeren Zeitraum ersetzen zu müssen, damit hat sie nicht gerechnet. „Das Amt des Oberbürgermeisters hat mich bisher nie interessiert. Ich hatte nie meine Kandidatur angemeldet. Ich will das auch ganz klarstellen: Ich bin nicht der Oberbürgermeister der Stadt! Ob ich das Amt anstreben werde, falls es zu Neuwahlen kommt, entscheide ich dann.“

Sammelsurium an Aufgaben

Auch ohne die Vertretung des Oberbürgermeisters hat Gertrud Maltz-Schwarzfischer gut zu tun. In besonderer Weise setzt sie sich in der Frauen-, Sozial- und Integrationspolitik ein. Das Kinderschutzhaus war ihr ein besonderes Anliegen. In der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) ist sie sowohl Orts- als auch stellvertretende Landesvorsitzende. Als weitere stellvertretende Vorsitzende gehört sie dem Verwaltungsrat der Sparkasse und verschiedenen Aufsichtsräten, unter anderem der Rewag und der Stadtwerke, an.

Ehrenamtlich engagiert sie sich u.a. als Vizepräsidentin des Freien TuS. Foto: Archiv
Ehrenamtlich engagiert sie sich u.a. als Vizepräsidentin des Freien TuS. Foto: Archiv

Auch ehrenamtlich setzt sich die Pfarrerstochter und Schwester des stadtbekannten Kasperltheaterspielers Christoph Maltz in zahlreichen Gremien ein, so im Vorstand von ProFamilia und als Vizepräsidentin des Sportvereins Freier TuS sowie als Mitglied unter anderem des Frauennotrufs, des Kunst- und Gewerbevereins und des Landesbunds für Vogelschutz. An den Mitgliedschaften lassen sich auch ihre Interessen erkennen: Soziales, Sport, Kultur und Natur sind ihr wichtig. Sie geht gerne ins Theater, Kino und in Konzerte und arbeitet gerne im Garten.

Dass die Mitgliedschaft in einem Verein zu Problemen für ihre politische Arbeit führt, hat sie bisher nicht erlebt. Auch nicht als Vizepräsidentin des Freien TuS. „Ich bin nicht im Sportausschuss, und auch nicht im Grundstücksausschuss. Deshalb hat es nie einen Interessenkonflikt gegeben.“

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