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Jahn und Tretzel: „Gerede gab es immer“

Über die Unterstützung des Klubs wurde viel spekuliert. Zunächst wegen des Grundstücks, auf dem das alte Stadion stand.
Von Jürgen Scharf, MZ

  • Bereits im alten Jahn-Stadion – hier ein Bild aus dem Jahr 2010 mit Regensburgs Tobias Schweinsteiger – war das Bauteam Tretzel als Sponsor mit Werbung präsent.Foto: MZ-Archiv
  • Der langjährige Jahn-Mäzen Volker Tretzel Foto: Lex

Regensburg.Grundstücke, Politiker, Unternehmer, Fußball und Geld – fünf Zutaten, die seit Jahren Gerüchte in Regensburg speisten. Die Spekulationen kreisten stets um die Frage, warum Volker Tretzel den SSV Jahn so großzügig unterstützt. Unser Medienhaus sprach bereits im Jahr 2010 den damaligen Oberbürgermeister Hans Schaidinger darauf an. Auf die Frage, ob der Jahn von einem hiesigen Immobilienunternehmer nur deswegen kräftige Finanzspritzen erhalte, weil er sich bei der Vergabe des Grundstücks des alten Stadions Vorteile erhoffe, antwortete Schaidinger: „In diese Richtung kann nicht gedacht werden.“

Sieben Jahre später gibt es nicht mehr nur Gerüchte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Drei Personen wurden verhaftet.

Es stehen schwere Vorwürfe rund um die Vergabe des Areals der ehemaligen Nibelungenkaserne im Raum. Die Menschen sind entsetzt. „So erfreulich dieses außergewöhnlich großzügige Sponsoring für den Jahn gewesen sein mag, umso fader ist jetzt der Nachgeschmack“, sagt etwa Erich Dollinger. Der ehemalige stellvertretende Regensburger Landrat erzählt, dass ihn die Nachrichten über die Zuwendungen für den Jahn bereits früher nachdenklich gestimmt haben: „Man macht sich schon Gedanken, wenn es über Jahre hinweg Sponsorengelder in diesen Dimensionen gibt.“

Areal war gar kein Filetstück

So wie Dollinger erging es vielen Menschen in der Region. „Gerede hat es immer gegeben“, erinnert sich Christian Schlegl, ehemaliger CSU-Fraktionschef und über viele Jahre enger Vertrauter von Schaidinger. Schlegl saß lange auch im Jahn-Aufsichtsrat. Über Tretzels Motivation für die Unterstützung des Fußball-Vereins wurde immer wieder spekuliert, erzählt Schlegl, „aber damals stets wegen des Areals des alten Jahn-Stadions“. Bereits 2002 war eine Arbeitsgruppe Stadionneubau mit Vertretern der Stadt und des Jahn gegründet worden. In den Jahren danach verdichteten sich die Anzeichen dafür, dass es letztlich keinen Umbau, sondern eine neue Arena an anderer Stelle geben wird. Im Gegenzug wurde in der Öffentlichkeit intensiv über die Zukunft des alten Geländes – mitten im Regensburger Westen und somit in bester Lage – spekuliert. Tretzel selbst erklärte bereits 2005 bei einer Pressekonferenzöffentlich, dass er an dem Grundstück grundsätzlich interessiert sei.

Christian Schlegl war lange im Aufsichtsrat des SSV Jahn Archivfoto: altrofoto.de
Christian Schlegl war lange im Aufsichtsrat des SSV Jahn Archivfoto: altrofoto.de

Im engen Geflecht von Sport und Politik

Schlegl sagt, dass er darüber mit Schaidinger gesprochen hat. Der habe erklärt, dass die Gerüchte völlig aus der Luft gegriffen seien. Da große Teile des Grundstücks des ehemaligen Jahn-Stadions nie für Wohnbebauung vorgesehen waren – unter anderem entsteht dort nun eine neue Grundschule –, sei es ohnehin nicht das Filetstück für Immobilienunternehmer, als das es oft dargestellt wurde.

Drohungen und alte Geschichten

Das Grundstück an der Prüfeninger Straße steht derzeit auch nicht im Fokus. Die Staatsanwaltschaft untersucht unter anderem die Vergabe eines ehemaligen Kasernengeländes im Regensburger Stadtsüden. Tretzel soll sich den Zuschlag erkauft haben, indem er den SSV Jahn unterstützte. Rund um die Vergabe machten ebenfalls viele Geschichten die Runde. Etwa die von einem Gesellschafter der Kapitalgesellschaft des Jahn, der seine Anteile ausbezahlt haben wollte und nebulös damit drohte, alles auffliegen zu lassen, wenn er das Geld nicht bekommt.

Ex-Aufsichtsrat Schlegl erinnert sich, dass man als Jahn-Funktionär stets einiges zu hören bekam: „Es standen immer so viele Drohungen mit alten Geschichten im Raum, dass ich jetzt gar nicht mehr zuordnen kann, ob Tretzel dabei auch ein Thema war.“

Schlegl selbst trat direkt nach der Vergabe des Kasernenareals an Tretzel aus dem Aufsichtsrat aus. Diesen Schritt begründete er damals in einem Fax, das an die Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Wolbergs und Ulrich Weber sowie den Vorstandsvorsitzenden Hans Rothammer geschickt wurde. Darin schreibt Schlegl, dass er das „Verhalten der politisch Verantwortlichen im Aufsichtsrat im Hinblick auf die Vergabe der Nibelungenkaserne“ nicht tolerieren könne.

Wie bereits berichtet, sagte Schlegl bei der Polizei aus, dass ihm der damalige SPD-Stadtratsfraktionschef Norbert Hartl in der Pause einer Sitzung des Aufsichtsrats wörtlich gesagt habe, die Nibelungenkaserne sollte Herr Tretzel bekommen, weil der Jahn Geld braucht. Hartl bestritt dies später. „Das habe ich niemals irgendwo gesagt.“

Rothammer sagte unserem Medienhaus, dass er damals versucht habe, Schlegl im Aufsichtsrat zu halten. Das Fax, mit dem dieser seinen Rücktritt begründete, sei ihm aber „nicht mehr gegenwärtig“. Schlegl bestätigt, dass Rothammer ihn damals angerufen und sich darum bemüht habe, ihn im Aufsichtsrat zu halten. „Ich denke auch mal, dass er sich danach bei Wolbergs erkundigt haben könnte, was da läuft und ihm gesagt wurde, dass alles in Ordnung ist.“ Schlegl glaubt nicht, dass die nicht aus der Politik stammenden Mitglieder des Aufsichtsrates über die mutmaßlichen Absprachen Bescheid wussten.

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