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Affäre

Neue Verwirrung um Stadtbau-Personalie

Ein ehemaliger Tretzel-Mann wird Technischer Leiter. Ein Anzeigenblatt weiß offenbar noch vor den Bewerbungsgesprächen davon.
Von Micha Matthes, MZ

Vergangenes Jahr stellte die Stadtbau dieses neue Wohnquartier in der Daimlerstraße vor. Ab September ist ein ehemaliger Geschäftsführer der Bauteam Tretzel GmbH als neuer Technischer Leiter der Stadtbau für die Ausschreibungen des städtischen Unternehmens mit zuständig.
Vergangenes Jahr stellte die Stadtbau dieses neue Wohnquartier in der Daimlerstraße vor. Ab September ist ein ehemaliger Geschäftsführer der Bauteam Tretzel GmbH als neuer Technischer Leiter der Stadtbau für die Ausschreibungen des städtischen Unternehmens mit zuständig. Foto: mt

Regensburg.Die Personalie sorgt weiter für Verwirrung: Ab September übernimmt ein ehemaliger Geschäftsführer der Bauteam Tretzel GmbH (BTT) bei der Stadtbau, einem 100-prozentigen Tochterunternehmen der Stadt, das Amt des Technischen Leiters. BTT ist eines der Unternehmen, gegen die die Staatsanwaltschaft derzeit wegen Verdachts auf Vorteilsgewährung gegenüber dem Oberbürgermeister ermittelt.

Verwirrend ist die Personalie, weil das Wochenblatt in einem Artikel bereits am 1. April indirekt auf die Besetzung der Stelle durch den BTT-Geschäftsführer verweist, die finale Bewerberauswahl aber erst Ende Mai erfolgte. Außerdem geben die Aussagen des Stadtbaugeschäftsführers Joachim Becker Einblick in den Prozess der Bewerberauswahl.

Der bisherige Technische Leiter der Stadtbau verließ das Haus zum 30. Juni 2016. Schon im Februar wurde die Stelle zur Neubesetzung ausgeschrieben. Becker war am Auswahlprozess beteiligt. Das letzte Wort hat aber der sogenannte beschließende Ausschuss, der aus drei Personen besteht. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, SPD-Fraktionschef Norbert Hartl und CSU-Stadtrat Erich Tahedl müssen große Bauaufträge oder wichtige Personalentscheidungen absegnen.

Viele Bewerbungen gingen bei Becker ein. In die engere Auswahl kamen zwei Bewerberinnen und der ehemalige BTT-Geschäftsführer. Final sollte die Entscheidung Ende Mai fallen. Erstaunlicherweise berichtete das Wochenblatt aber schon am 1. April zu der Neubesetzung der Stelle: „Dafür hat sich die Koalition offenbar bereits auf einen Namen verständigt, es handelt sich um einen im Februar aus der Geschäftsführung eines großen Regensburger Bauträgers ausgeschiedenen Ingenieur, der dem Wochenblatt namentlich bekannt ist – doch auch hier soll ausgeschrieben werden.“

Wolbergs: Ganz normales Verfahren

Sowohl Hartl als auch Becker hatten den Artikel im Wochenblatt gelesen und „die Meldung mit Verwunderung zur Kenntnis genommen“. Becker konfrontierte nach eigenen Angaben Wolbergs und Hartl damit, worauf diese meinten: „Das ist alles nur Quatsch und Spekulation, was da steht“. Trotzdem bekommt der Mann, der im Februar die BTT verlassen hat und zwischenzeitig noch für eine andere Regensburger Baufirma tätig war, den Job. Er tritt die Stelle im September an.

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ist Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtbau.
Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ist Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtbau. Foto: altrofoto.de

Wolbergs will sich während der laufenden Ermittlungen dazu nicht äußern. Bei der Delegiertenkonferenz des SPD-Stadtverbands ging er am Montag aber doch auf die Personalentscheidung ein. „Die Stelle für den technischen Leiter bei der Stadtbau wurde ausgeschrieben und es gab ein ganz normales Bewerbungsverfahren. Daraufhin gab es einen Anruf von einer Person, ob sie sich auf diese Stelle bewerben darf. Die Person hat zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr beim Bauteam Tretzel gearbeitet.“ Zunächst hätten sich Hartl und Tahedl unterschiedlich entschieden. Auf die Empfehlung des Geschäftsführers hin, habe es eine einstimmige Abstimmung für den neuen technischen Leiter gegeben.

Im Gespräch unserer Zeitung mit Becker und Hartl wird deutlich, dass zuvor auch im Aufsichtsrat der Stadtbau, der aus neun Personen besteht, über das Thema gesprochen wurde und sich Wolbergs und Hartl selbst hier positiv äußerten. „Wolbergs und Hartl kannten Projekte, an denen der ehemalige BTT-Geschäftsführer beteiligt war. Sie haben über Erfahrungen verfügt, die mir und anderen eben nicht zugänglich waren. Darauf habe ich vertraut. Ich habe diese Entscheidung Ende Mai so mitgetragen“, sagt Becker. Er betont in diesem Zusammenhang, zu dieser Zeit natürlich noch nichts von den Spendengeld-Ermittlungen gewusst zu haben. Norbert Hartl bestätigt, dass mehrere Personen im Aufsichtsrat – auch er – den ehemaligen BTT-Geschäftsführer als einen „super Mann“ eingeschätzt hätten. Aber alle drei Bewerber seien sehr gut gewesen. Die Debatte habe letztlich den Ausschlag für den Tretzel-Mann gegeben.

Bewerber ohne Ingenieursstudium

Eine weitere Frage, die in diesem Zusammenhang auftaucht, betrifft die Qualifikation des BTT-Geschäftsführers. Über Details aus dem Bewerbungsverfahren wollen Becker und Hartl nicht sprechen. Ein Ingenieurstudium – wie in der Stellenausschreibung gefordert – hat der ehemalige BTT-Geschäftsführer aber nicht, bestätigt Becker auf Nachfrage unserer Zeitung – im Gegensatz zu den beiden Mitbewerberinnen, die es ebenfalls in die engere Auswahl schafften. Becker sagt aber auch: „Die Auswahl ist immer ein Abwägungsprozess. An verschiedenen Stellen muss man da sicher Abstriche machen. Der ehemalige BTT-Geschäftsführer hat hervorragende bautechnische Leistungen bei Tretzel vollbracht. Er hat den Praktikerbeweis erbracht, dass er es kann.“

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