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Justiz

Richterin verliest brisantes Schreiben

E-Mails der vier Angeklagten im Regensburger Korruptionsprozess prägen den achten Verhandlungstag. Sie lassen aufhorchen.
von Christine Straßer

Der suspendierte OB Joachim Wolbergs mit seinem Verteidiger Peter Witting Foto: altrofoto.de
Der suspendierte OB Joachim Wolbergs mit seinem Verteidiger Peter Witting Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die dritte Woche im Regensburger Korruptionsprozess endet mit überwiegend ruhigen Tönen. Der Jahn-Aufsichtsrat Norbert F. und die beiden persönlichen Referentinnen, die für Joachim Wolbergs gearbeitet haben, zeichnen das Bild eines Oberbürgermeisters, für den das Wohl der Stadt an erster Stelle gestanden habe. Norbert F. streicht heraus, wie wichtig es für den finanziell klammen SSV Jahn gewesen sei, dass Kommunalpolitiker bei der Sponsorensuche halfen. Er verweist auf die große Investition, die ein Stadionbau bedeute. Insofern halte er es für verständlich, dass Kommunalpolitiker in den Jahn-Gremien tätig waren, um dafür zu sorgen, dass der Fußballclub solide wirtschafte. In den Aufsichtsräten habe es keine einzige Situation gegeben, in der die Vergabe eines städtischen Grundstücks oder gar die Vergabe des Nibelungenareals Thema gewesen sei.

Mehrere Schriftstücke in Prozess eingeführt

Bauträger Volker Tretzel blättert in den Akten. Foto: altrofoto.de
Bauträger Volker Tretzel blättert in den Akten. Foto: altrofoto.de

Von Wolbergs’ persönlichen Referentinnen lässt sich Richterin Elke Escher schildern, wie mit E-Mails an den OB verfahren wurde. Schriftverkehr und Mails spielten auch am Nachmittag des achten Verhandlungstags eine große Rolle in Sitzungssaal 104. Escher verlas verschiedene Korrespondenzen. Besondere Brisanz birgt ein Schreiben, das Bauträger Volker Tretzel an den Wirtschaftsreferenten und die Bau- und Planungsreferentin schicken wollte. Ob es an diese beiden tatsächlich verschickt wurde, ist unklar. Einen Entwurf bekamen aber OB Joachim Wolbergs und der ehemalige SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzende Norbert Hartl von Tretzel per Mail zugesandt, damit sie dazu Stellung nehmen konnten.

Hier geht es zu unserer Sonderseite rund um den Wolbergs-Prozess!

Tretzel über die Förderung des Jahn

Jörg Meyer und Dr. Florian Ufer verteidigen Volker Tretzel. Foto: altrofoto.de
Jörg Meyer und Dr. Florian Ufer verteidigen Volker Tretzel. Foto: altrofoto.de

Die Mail wurde am 29. November 2015 verschickt. In der letzten Passage des zweiseitigen Schreibens heißt es: „Nebenbei darf ich anmerken, dass ich seit zehn Jahren etwa 40 Prozent des Nettoeinkommens von BTT für den Jahn ausgebe. Dieses Engagement beruht nicht darauf, dass ich mich für Fußball interessiere, sondern auf Bitte der damaligen Stadtspitze, um einen Konkurs des Jahn zu verhindern. Mein Engagement heute ist eine Geste der Dankbarkeit für Regensburg und seine Bürger. Es wäre für die Stadt mehr als fatal, wenn die 55 Millionen Investition für das neue Stadion durch einen in Konkurs gegangenen Jahn Regensburg nicht so wie momentan genutzt werden könnten. Der Jahn ist schätzungsweise für die Hälfte der Regensburger wichtig bis sehr wichtig, während die Förderung irgendeines gemeinnützigen Zweckes zwar auch gut ist, aber kaum jemanden interessieren dürfte. Die vom Jahn zusätzlich benötigten eine Million Euro jährlich sind in den nächsten Jahren mit WA1 und WA2 alleine nicht zu erwirtschaften.“ Zur Erläuterung: Es gibt auf dem Nibelungengelände drei Wohnbauareale (WA).

Hören Sie unseren Podcast „Sitzungssaal 104“ zum Prozessgeschehen! Ab sofort gibt es den Podcast übrigens auch bei Spotify.

Tretzel und der Jahn

  • Mail:

    Eine Mail von Bauträger Volker Tretzel an den Jahn-Geschäftsführer Christian Keller vom 24. Mai 2016 wurde ebenfalls ins Verfahren eingeführt. Diese Mail ließ Tretzel auch OB Joachim Wolbergs und dem ehemaligen SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzenden Norbert Hartl zukommen. Es geht darin um eine Finanzspritze über 500 000 Euro für den Jahn. Tretzel teilt mit, dass es mit der Bebauung des Nibelungenareals schlecht laufe. Deshalb könne es mit der Unterstützung noch etwas dauern. Er wirft der Stadtverwaltung „Unfähigkeit“ vor.

  • Reaktion:

    Wolbergs sagte dazu, dass es Tretzels gutes Recht sei, Kritik an der Stadtverwaltung zu äußern. Kritik sei auch nichts Ungewöhnliches. Er habe das von anderen Leuten in viel heftigerer Form als in dieser Mail erlebt.

Wolbergs will nach der Verlesung klargestellt wissen, dass er das Schreiben zwar offensichtlich bekommen, aber nicht zur Kenntnis genommen habe. Und selbst wenn er es gelesen hätte, hätte es ihn nicht interessiert, führt er aus. Dass Anliegen an ihn herangetragen wurden, sei Alltag gewesen. Wenn er damals durch die Stadt gegangen sei, habe man ihn auch von vielen Seiten etwa wegen Freisitzen angesprochen.

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