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6,1 Kilometer für knapp 170 000 Euro

Die Bahn will den Gleisanschluss nach Burglengenfeld verkaufen. Findet sich kein Käufer, droht die Stilllegung – HeidelbergCement prüft den Kauf.
Von André Baumgarten

  • Um die Versorgung mit Brennstoffen auch in Zukunft sicherzustellen, prüft HeidelbergCement den Kauf der Bahnstrecke zum Werk. Foto: Baumgarten
  • Für die Rangierarbeiten bei der Entladung der Steinkohle hat das Burglengenfelder Zementwerk sogar zwei eigenen Loks. Foto: Baumgarten
  • Der Schienenweg auf das Werksgelände ist ein wichtiger Versorgungsweg – deshalb läuft intern eine aufwendige Prüfung des Angebots der DB. Foto: Baumgarten

Burglengenfeld. Fast ein halbes Jahrhundert ist es schon her, dass im Februar 1967 der letzte Personenzug von Burglengenfeld aus auf die Reise ging. Seither wurde die 6,1 Kilometer lange Nebenstrecke zwischen Maxhütte-Haidhof und Burglengenfeld nur noch für den Güterverkehr genutzt. Doch das könnte bald vorbei sein: Die DB Netz AG hat die Strecke mit einer Frist bis zum 9. Dezember öffentlich ausgeschrieben – für rund 168 000 Euro zum Kauf oder für etwas mehr als 13 400 Euro pro Jahr zur Pacht.

Auf MZ-Nachfrage bestätigte ein Sprecher der Bahn die Verkaufspläne. „Ein wirtschaftlich tragfähiger Betrieb ist für uns nicht darstellbar“, räumt er offen ein. Der Betrieb der Nebenstrecke ist für die Deutsche Bahn sogar ein kräftiges Draufzahlgeschäft: Für die Deckung der jährlichen Kosten von rund 38 000 Euro wurden im vergangenen Jahr lediglich 555 Euro an Erlösen erzielt. Zudem stehen nach geltendem DB-Standard bis 2016 Investitionen von fast 1,3 Millionen Euro an. „Wir möchten die Strecke deshalb nicht mehr weiter betreiben.“

Droht der Strecke die Stilllegung?

In Burglengenfeld enden die Gleise beim heute einzigen Nutzer – HeidelbergCement. Dort sind die Verkaufs- oder besser gesagt die Stilllegungspläne auch bekannt. Sollte sich nämlich kein Käufer finden, würde laut dem Bahnsprecher „die Stilllegung beim Eisenbahnbundesamt beantragt“. Das Burglengenfelder Zementwerk wurde deshalb angeschrieben. „Es ist üblich, dass derzeitige Nutzer direkt informiert werden“, erklärte Werksleiter Wilhelm Lotz der MZ. „Wir prüfen, ob wir die Strecke übernehmen.“

Als Interessent habe man sich bei der Bahn schon gemeldet. Noch ist bis zum Ende der Ausschreibung am 9. Dezember aber Zeit. „Die Entscheidung, ob die Strecke übernommen wird, stimmen Werk und Konzernzentrale ab – nach wirtschaftlichen Faktoren“, erklärte Lotz. Mit einer Übernahme wäre HeidelbergCement jedoch auch für die Wartung und Instandsetzung verantwortlich. „Dies kann nur mit externen Fachfirmen durchgeführt werden. Dafür hat das Werk weder das Know-how, noch Personal“, sagte Lotz. Die Nebenstrecke umfasst Brücken, zig Durchlässe, einige Bahnübergänge und den gesamten Oberbau mit Gleis und Schotterbett.

Auch Hüttensand könnte per Bahn kommen

Jährlich werden im Zementwerk 1,2 Millionen Tonnen produziert. Genutzt wird der Gleisanschluss derzeit nur für die Versorgung mit Brennstoffen: Etwa 30 Züge bringen pro Jahr rund 30 000 Tonnen Steinkohle hierher, um den Ofen für die Produktion von Zementklinker zu befeuern. Wie Lotz sagte, wäre auch die Anlieferung von Hüttensand – zur Produktion von geschlackten Zementen – mit 70 000 Tonnen im Jahr per Bahn möglich.

Genauso wie die komplette Versorgung des Werkes nur mit Braunkohle, die per Schiene geliefert werden könnte – ein Anreiz für einen privaten Betreiber. Dass ein privates Eisenbahnunternehmen die Strecke übernimmt, ist laut Werksleiter Wilhelm Lotz denkbar. Schließlich gebe es mit den Einnahmen für den Transport von Roh- und Brennstoffen aus dem In- und Ausland durchaus Potenzial.

Beispiele, wo es nach dem Verkauf einer Nebenstrecke erfolgreich weiterging, gibt es laut dem Sprecher der Bahn einige. „Da gab es sehr interessante Entwicklungen in den vergangenen Jahren.“ Wie in Niederbayern, wo zwischen Passau und Freyung die Ilztalbahn entgegen aller Negativprognosen heute erfolgreich ist und touristisch genutzt werde.

Anlieferung per Lkw wird geprüft

Handlungsbedarf gibt es für das Burglengenfelder Zementwerk auf jeden Fall – dass sonst die Stilllegung droht, ist bekannt. „Wir würden ansonsten keine Kohle per Bahn erhalten, sondern müssten uns nach einer Alternative per Lkw-Anlieferung umsehen“, erläuterte Paul Muck, der Leiter der kaufmännischen Abteilung. Die Ermittlung der Kosten bei einer Übernahme sowie der Folgekosten sind daher ein Teil der Prüfung im Haus.

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