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Projekte

Abbruch sorgt für Aufbruchstimmung

Der Mittelbau des Burglengenfelder BRK-Heims ist abgerissen, für den Neubau werden bereits erste Teile gefertigt.
Von Thomas Rieke

Noch sieht es zwischen den alten Baukörpern etwas wild aus. Foto: Rieke/Archiv
Noch sieht es zwischen den alten Baukörpern etwas wild aus. Foto: Rieke/Archiv

Burglengenfeld.Geht es nach den am Bau Verantwortlichen, kann es ruhig so weitergehen! Wie vereinbart, ist kurz nach Aschermittwoch in der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße der Bagger angerückt, um den Verbindungstrakt des BRK-Seniorenwohnheims zu beseitigen. Der Mann an den Schalthebeln sollte Platz schaffen für den ersten Teil eines Projekts, das in der Summe mit über elf Millionen Euro veranschlagt ist.

Zwar sieht es am frei gewordenen Areal derzeit etwas wild aus, weil diverses Materials noch auf Halde liegt. Aber im Wesentlichen ist der Start geglückt: Der Zeitplan wurde eingehalten, der Heimbetrieb kam nicht zum Erliegen – und die Belastung für die Bewohner soll sich in Grenzen gehalten haben. „Es kam zu keinen Klagen, im Gegenteil. Viele Leute haben von ihrem Fenster aus die Arbeiten beobachtet und das als willkommene Abwechslung empfunden“, berichtet Heimleiter Peter Viehauser.

Alles eine Frage der Vorbereitung

Architekt Christian Schönberger vom gleichnamigen Planungsbüro in Oberviechtach wundert sich darüber am wenigsten. „Man muss auch bei einem Abbruch nur die zur Verfügung stehenden Techniken einsetzen. Das ist alles eine Frage der Vorbereitung.“ Und so ist es gelungen, dass selbst Kernbohrungen durch Beton, die gewöhnlich als wahre Nervtöter gefürchtet sind, unbemerkt blieben. Experten hatten den betroffenen Baukörper vorher abgeschnitten, so dass es zu keinen Schallübetragungen kommen konnte.

Architekt Christian Schönberger setzt auf die Vorteile vorgefertigter Bauelemente. Foto: Rieke
Architekt Christian Schönberger setzt auf die Vorteile vorgefertigter Bauelemente. Foto: Rieke

Schönberger nutzte kürzlich die Gelegenheit, unserem Medienhaus das Konzept, das er in engster Absprache mit dem Bauherrn für das Heim entwickelt hat, vorzustellen. Demnach entsteht bis August 2021 einer der größten Holzbauten Ostbayerns, der nicht nur die anspruchsvollen Standards der Energieeinsparverordnung von 2014 übererfüllt; er bietet vor allem im Inneren jede Menge Besonderheiten, die sich positiv auf die Lebensqualität der Bewohner auswirken sollen.

„Überall ein bisschen mehr“

„Standards, schön und gut. Wir möchten aber überall etwas mehr.“ Das war das Credo von BRK-Kreisgeschäftsführer Otto Langenhan und Heimleiter Viehauser. Mit diesem Anspruch konfrontierten sie den Architekten, „und der hat das wunderbar umgesetzt“. Beispiele gefällig? Die Größe eines Bewohner-Zimmers würde sich laut Vorschrift auf rund 14 Quadratmeter belaufen; das BRK sattelt ein wenig drauf, um damit letztlich auch den Anteil der rollstuhlgerechten Räume auf 80 Prozent zu schrauben (das Dreifache dessen, was das Gesetz vorgibt). Auch für grüne Gemeinschaftsbereiche ist deutlich mehr Platz vorgesehen als gefordert.

Heimleiter Peter Viehauser (links) und BRK-Kreisgeschäftsführer Otto Langenhan Foto: Rieke
Heimleiter Peter Viehauser (links) und BRK-Kreisgeschäftsführer Otto Langenhan Foto: Rieke

Besonderes Augenmerk legte der Architekt darauf, dass die Bewohner viel natürliches Licht bekommen – und gleichzeitig die Möglichkeit, sich individuell vor Sonneneinstrahlung, also Hitze, zu schützen. Eine kontrollierte Be- und Entlüftung soll das Raumklima optimieren; jedes Zimmer erhält seine eigene Zu- und Abluft, jeder darf aber auch sein Fenster öffnen.

„Wir haben besondere Ansprüche gestellt, und der Architekt hat das wunderbar umgesetzt.“

BRK-Kreisgeschäftsführer Otto Langenhan

Geschossübergreifende Lichthöfe nennt der Architekt als weiteres Qualitätsmerkmal. Die Aufenthaltsbereiche werden daran angedockt. Die offene Hauswirtschaft, Küchen sowie Wohn- und Essbereiche sollen die Teilnahme der Bewohner am Tagesablauf ebenfalls fördern. Auf jeder Etage wird es, so berichtet Kreisgeschäftsführer Langenhan, sechs Möglichkeiten geben, „gemeinsam etwas zu tun. Das ersetzt den früheren Speisesaal bei weitem.“

Der Clou schlechthin ist die „Marktplatzidee“; sie steht sinnbildlich für Betriebsamkeit und Leben. Im Erdgeschoss soll es neben einem Friseur, Zahnarzt und Fußpfleger auch eine Kapelle sowie ein Café geben. Darüber hinaus wird in Kooperation mit der Stadt eine Kinderkrippe eingerichtet, um die Begegnung der Generationen zu institutionalisieren. Senioren sollen die Kinder zu Spiel-, Vorlese- und Erzählstunden besuchen; gemeinsam soll auch gekocht und gebacken sowie der Gemüsegarten bestellt werden. Als Kontaktvermittler dienen Hasen und Hühner, die das tägliche Frühstücksei liefern und den Tagesrhythmus der Bewohner mit beeinflussen. Architekt Schönberger ist überzeugt: „Die Menschen werden aufblühen!“

Bis dahin ist aber noch viel Geduld gefordert. Zwar befinden sich die ersten Wandelemente für Bauabschnitt I bereits in der Vorfertigung, und in der 25. Kalenderwoche wird mit der Montage begonnen. Mit dem Umzug der ersten Bewohner ist aber nicht vor Sommer 2019 zu rechnen – und dann rückt erneut der Abbruchbagger an.

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