mz_logo

Region Schwandorf
Dienstag, 25. September 2018 14° 1

Abiturienten legten ein „geistiges Fundament“ aus Wissen und Können

Regental-Gymnasium.

48 Abiturienten wurden am Regental-Gymnasium verabschiedet. Tizian Herrnberger schaffte die Note 1,0. Foto: J. Schaller
48 Abiturienten wurden am Regental-Gymnasium verabschiedet. Tizian Herrnberger schaffte die Note 1,0. Foto: J. Schaller

„Sind die Kinder klein, müssen wir ihnen helfen, Wurzeln zu fassen. Sind sie groß, müssen wir ihnen Flügel schenken.“ Schulleiterin Petra Weindl vom Regental-Gymnasium in Nittenau bediente sich bei ihrer Rede anlässlich der Verabschiedung der Abiturienten eines indischen Sprichworts, um ihnen den richtigen Ratschlag für ihr künftiges Leben mitzugeben.

Mit Wurzeln sei das geistige Fundament gemeint, das aus Wissen und Können besteht und sich in zahlreichen Kompetenzen widerspiegelt. Dazu gehöre auch die Bildung von Herz und Charakter (Nächstenliebe, Toleranz, Hilfsbereitschaft ...). Flügel erlaubten uns, uns aus dem gesicherten Bereich hinauszubewegen, Neues zu denken und Bekanntes zu hinterfragen, so die Oberstudiendirektorin. Das Fluginstrument sei der Geist, im Idealfall ein kritischer Geist, der uns frei und unabhängig mache. Was ist nun die ideale Kombination, um am besten durchs Leben zu kommen?

Ist es der hochfliegende Tiefwurzler, der möglicherweise viel erreichen kann, aber zeitlebens einer gewissen Spannung ausgesetzt sein könnte, die unter Umständen zu innerer Zerrissenheit führt? Oder ist es der hochfliegende Flachwurzler, der zu viel riskiert und im Sturm den Boden unter den Füßen verliert? Der tief fliegende Tiefwurzler scheint dagegen zu wenig risikobereit zu sein und geht mit Scheuklappen durch das Leben.

Die Schulleiterin geht zumindest davon aus, dass ihre Absolventen ausreichend tief wurzeln und forderte sie deshalb zu „angemessenem Einsatz Ihrer geistigen Flügel“ auf. Hinsichtlich der richtigen Flughöhe erinnerte sie an einen bekannten Mythos, der sich auch in Ovids Metamorphosen wiederfindet: in der Mitte zwischen den Extremen. „Mit dem heutigen Tag wird ein Teil eurer Wurzeln, die ihr in eurem bisherigen Leben mühsam geschlagen habt, gekappt oder zumindest zugeschnitten werden“, sagte sie an ihre Absolventen gerichtet. Denn Abitur heißt: Man geht weg!“ Und nicht: „Man bleibt“, so die Rektorin.

Die Elternbeiratsvorsitzende Birte Schramm befasste sich eingehend mit einem kurzen, viel benutzten Wort im Sprachgebrauch der Schüler, das sich vielseitig verwenden ließ, unter anderem beim Versuch, etwas zu erklären, sich zu entschuldigen oder sich zu rechtfertigen. „Aber, das sind zu viele Hausaufgaben. Aber das verstehe ich nicht. Aber, das hat mir keiner gesagt. Aber ich hatte kein Netz...“ Künftig sollte dieses Wort positiver besetzt werden: Scheitern, aber nicht verbittern. Enttäuschungen erleiden, aber nicht resignieren. Illusionen aufgeben, aber nicht die Hoffnung verlieren.

Den Inhalt der langen Abiturrede von Simon Heimerl und Maximilian König über ihre Zeit am Nittenauer Regental-Gymnasium hätte man auch mit einem Satz zusammenfassen können: Wer nicht dabei war, kann es sich nicht vorstellen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht