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Rückblick

Alles im Leben hat seine Zeit

Der Fischgarten war ihr Leben - ein Nachfolger wurde nicht gefunden. Und so schließt das Lokal nach 25 Jahren.
Von Renate Ahrens

Ein Lebenswerk müsse aufgegeben werden, sagen die Hollers. Doch auch vielen Bäckern und Metzgern würde es so gehen, bedauern sie. Foto: Ahrens
Ein Lebenswerk müsse aufgegeben werden, sagen die Hollers. Doch auch vielen Bäckern und Metzgern würde es so gehen, bedauern sie. Foto: Ahrens

SCHWANDORF.Jedes Stück birgt eine Erinnerung – die Fischplatten, der Karpfen aus Porzellan, der große Topf, den Helga Holler täglich noch vor dem Frühstück mit Kartoffeln auf den Herd gesetzt hatte. Nun ist es still geworden im Fischgarten. Kein Kinderlachen hört man auf dem Spielplatz neben dem idyllischen Biergarten, der 25 Jahre lang das Eldorado für Fischgenießer war. Seit 1. November hat das Lokal geschlossen. Leicht ist das dem 67-jährigen Betreiber nicht gefallen, wie er gesteht. Mit dem Restaurant hatten sich Hans Holler und seine Frau Helga einen Lebenstraum erfüllt.

Jahrzehntelang drehte sich bei ihnen alles um Fisch: um die Zubereitungsart, das Herrichten der Gaststube, den Einkauf, und um das rechtzeitige Schlachten - immer „eine Mahlzeit voraus“, damit der Fisch wegen der „Eiweißbindung“ einige Stunden ruhen kann, sonst springt er in der Pfanne, erklärt Helga Holler. Unbedingt Gußpfannen müssen es sein, denn diese behalten konstant die Temperatur. Nie würde sie Fisch in die Fritteuse geben. „Das machen nur die Franken“, sagt die zierliche und freundlich-energische Frau lächelnd. Selbst ihre Urlaube einmal im Jahr haben die Hollers in Ländern verbracht, wo es Fisch gibt und Fischmärkte besucht.

Der Anfang war nicht einfach

40 bis 50 Forellen sind noch in den Becken, zum Eigenbedarf. Frische sei das Geheimnis ihres Erfolgs. Foto: Ahrens
40 bis 50 Forellen sind noch in den Becken, zum Eigenbedarf. Frische sei das Geheimnis ihres Erfolgs. Foto: Ahrens

In ihrem Lokal hat es aber ausschließlich heimischen Fang gegeben: Forelle, Saibling, Karpfen, hin und wieder Waller. Für die Gäste, die keinen Fisch mögen - meist wegen der Gräten, weiß Hans Holler - waren Schnitzel und sogar Wild auf der Karte, bis vor einigen Jahren auch Enten, die auf ihrem über 8000 Quadratmeter großen Grundstück lebten und die die Salatabfälle bekamen. „Das war eine sinnvolle Verwertung“, findet Helga Holler, die für alles eine Patentlösung hat.

„Einmal hat ein Gast Hummer verlangt, ein anderer Muscheln.“ „Einmal hat ein Gast Hummer verlangt, ein anderer Muscheln.“

Ehepaar Holler, Betreiber Fischgarten

Schließlich machte sie alles frisch - überhaupt das Geheimnis des Erfolgs, wie das Paar betont. Der Anfang war jedoch nicht leicht, erinnern sie sich. Selbst nachts habe sie keine Ruhe gefunden und überlegt, was sie verbessern könne, erzählt Helga Holler. Ihr Anspruch, alles perfekt zu machen, war groß. Immer sollten alle Bestellungen gleichzeitig auf den Tisch kommen. „Forelle braucht 18 Minuten und Karpfen 35, und dann muss das Fleischgericht fertig sein, das praktisch immer auch bestellt wurde“, zählt sie auf. Einmal, so sagt ihr Mann, sei sie in der Küche zusammengebrochen vor lauter Arbeit. „Aber die schönen Erlebnisse überwiegen“, sagt Helga Holler dann sogleich, und beide nicken.

Helga Holler kennen selbst viele Stammgäste nicht - immer war sie in der Küche. Foto: Ahrens
Helga Holler kennen selbst viele Stammgäste nicht - immer war sie in der Küche. Foto: Ahrens

Auch die Erwartungen der Kunden seien stetig gestiegen. „Einmal hat ein Gast Hummer verlangt, ein anderer Muscheln“, lachen beide herzlich. Probiert haben sie durchaus vieles, wie die 100 europäischen, eiertragenden Krebse, die sie in die Becken im Fischgarten eingesetzt hatten. Doch plötzlich gingen die Krebse auf Wanderschaft - und Helga Holler mähte alle versehentlich mit dem Rasenmäher zusammen. Das war wirklich schade, seufzt Hans Holler.

Berufung wurde zur Belastung

Hechte, die sie versuchsweise gekauft hatten, hatten sich beim Transport gegenseitig zerfleischt. Mit Lebendware müsse man flexibel sein, so auch, als Hans Holler drei Zentner Waller aus Holland holte und noch während der Fahrt ein Temperatursturz erfolgte. Alle Fische erlitten einen Herzinfarkt, als sie ins Becken kamen. „Dann haben wir eben die ganze Nacht geschlachtet und eine Waller-Speisekarte gemacht.“

„Irgendwann ist die Berufung zur Belastung geworden.“

Helga Holler

Im Biergarten zeigt eine Tafel die Fischarten, die es hier gab: Forelle, Saibling, Karpfen, Waller, Zander und Aal.
Im Biergarten zeigt eine Tafel die Fischarten, die es hier gab: Forelle, Saibling, Karpfen, Waller, Zander und Aal.

Geputzt und den Garten hergerichtet, auch das hat Helga Holler alles allein, während ihr Mann sich um die Fische kümmerte. „Irgendwann ist die Berufung zur Belastung geworden“, stellt Helga Holler pragmatisch fest, so wie es eben immer ihre Art ist. Auf den Ruhestand freut sie sich. „Man kann nicht alles haben im Leben. Es kommt immer darauf an, wie man mit einer Situation umgeht. Alles hat seine Zeit“, betont sie. Die Ruhe werde ungewohnt sein. „Ja. Aber man muss sie nur wollen.“

Mit vier Betrieben erfolgreich

  • Beruf:

    Helga Holler kennen selbst viele Stammgäste nicht - immer war sie in der Küche. Doch sie kannte alle. „Die Chefin weiß schon“, wurde der Bedienung bei der Bestellung nur beschieden. „Arbeit ist Therapie“, sagt die 65-Jährige. Nie konnte sie nichts tun - und wenn es Stricken war.

  • Geheimnis:

    40 bis 50 Forellen sind noch in den Becken, zum Eigenbedarf. Frische sei das Geheimnis ihres Erfolgs. Hans und Helga Holler waren Seiteneinsteiger in der Gastronomie und hatten vier Betriebe. Den Fischgarten hatten sie gekauft, die anderen gepachtet.

  • Erfahrung:

    Viel Lehrgeld hätten sie bezahlt, stellt Hans Holler fest. Bereits im ersten Betrieb in Schmidmühlen stiegen sie vor 40 Jahren in die Fischwirtschaft ein. Die Jura-Stuben in Wiefelsdorf folgten bis 1993. Parallel führten sie den Forellenbetrieb Rösslwirt. Bücher rund um Fisch wurden nun verkauft.

  • Hinweis:

    Im Biergarten zeigt eine Tafel die Fischarten, die es hier gab: Forelle, Saibling, Karpfen, Waller, Zander und Aal. Hier befand sich auch eine Räucherei und Schlachterei. Hans Holler fragt sich: Geht nun ein Stück bayerischer Kulturlandschaft verloren?

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